Kommentar Das Problem liegt in Berlin

Die tödlichen Gefechte in Afghanistan zeigen einmal mehr: Von Sicherheit kann am Hindukusch keine Rede sein. Das ist zuallerletzt den Soldaten anzulasten. Ein Kommentar

Ein schwarzer Karfreitag für die Bundeswehr. Drei Tote, acht Verletzte, dazu, erstmals in der Geschichte der deutschen Nachkriegsarmee, sechs irrtümlich erschossene Kameraden aus den Reihen einer befreundeten Streitkraft. Das ist schrecklich. Für die Betroffenen und ihre Familien eine Katastrophe. Eine auf erschreckende Weise erwartbare Katastrophe allerdings, denn sie ist, horribile dictu, der Normalfall in einem Zustand, der Krieg heißt.

Als wäre das alles nicht schlimm genug, schwappt im Kielwasser der Nachrichtenwelle aus Afghanistan die Erkenntnis herüber: Acht Jahre nach Beginn des internationalen Einsatzes am Hindukusch liegt dort mehr im Argen, als vom politischen Feldherrenhügel in Berlin aus wahrgenommen wird.

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Natürlich hat sich vieles gebessert. Straßen wurden gebaut, Schulen errichtet, Brunnen gebohrt. Und das ist durchaus nicht gering zu schätzen. Aber was das Kerngeschäft der bald 100 000 Mann starken internationalen Truppen in Afghanistan betrifft, so muss man feststellen: Die Taliban sind nicht geschwächt, der Schutz der Bevölkerung steht nur auf dem Mandatspapier, kurzum, von Sicherheit, die doch die Voraussetzung für alle Wiederaufbau- und Entwicklungsmaßnahmen sein sollte, kann keine Rede sein.

Das ist zuallerletzt den Soldaten in Afghanistan anzulasten. Die Militärs warnen seit Jahren schon vor einem Erstarken der Taliban. Das Problem liegt in Berlin. Hier wird viel geredet, aber ausschließlich über die Bombardierung zweier Tanklaster im vergangenen September und die Fragen, wer wem wann welche Berichte vorgelegt oder vorenthalten habe und warum der Generalinspekteur gegangen und ein Staatssekretär entlassen wurde.

Über die Lage in Afghanistan aber, die Gründe für den Kontrollverlust im strategisch bedeutsamen Gebiet rund um Kundus und Auswege aus der verfahrenen Situation hört man wenig. Das ist, dieser Karfreitag zeigt es, mindestens fahrlässig.

Erschienen im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 04.04.2010 um 11:42 Uhr

    ....zu beschränken suchen. Das würde die Realität verbergen und ein viel zu optimistisches Bild zeichnen.

    Wie immer schon gesagt sind die Militärausgaben der BRD nicht genügend. Man braucht nur nach Frankreich oder UK zu schauen. Deutschland hat sich nie an Herstellung und Erhalt der internationalen Sicherheit beteiligt und sparte sich das Geld. Will man den Platz als Trittbrettfahrer aufgeben und Verantwortung tatsächlich übernehmen statt nur immer Andere zu kritisieren, so wird das einen jährlichen Beitrag von zusätzlich mindestens 1,5% des BIP erfordern. Um die notwendigen Anfangsausstattungen zu bezahlen wird man vorübergehend sogar zusätzlich vermutlich eher 4% brauchen.
    Gibt man dieses Geld nicht aus, während man die Truppe im Feld belässt, so ist das bestenfalls grob fahrlässig und man nimmt die Mehrtoten bei der Zivilbevölkerung und den eigenen Jungs billigend in Kauf. Das wäre beinahe, wenn nicht tatsächlich kriminell, wie es auch jetzt das bereits ist.
    Armer Schäuble.

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    Das man die Sache nicht nur auf Afghanistan beschränken kann, ist richtig, wir erinnern uns an Somalia, Serbien, oder Ruanda, wo man sich gar nicht erst getraut hat. Geht es um des Pudels Kern, sieht es bei unserer Truppe schlecht aus und nicht nur bei der. Doch liegt es weniger an technischer Ausrüstung, noch am Rüstungsetat. Die Prozentzahlen des BIP sagen sowieso nichts aus. Wichtig ist hier, wie im Artikel beschrieben, sich langsam auf das tatsächliche Problem zu fokussieren. Die Militärs, die hier so manches mal schreiben sind oft selbstverliebt. Ich war auch mal beim Militär und kenne den ganzen Selbstbetrug. Auffällig ist, das die BW vor allem gegen technisch total Unterlegene kaum Land gewinnt und wenn, dann in falscher Richtung. Schlussfolgern kann man, dass es nicht an der techn. Aussrüstung liegt. Also mit den "Leos" wird kaum Gewinn in Sicht sein. Das wäre eine typisch amerikanische Materialschlacht auf Kosten der Steuerzahler. Auf die Anzahl der Leute will ich gar nicht erst eingehen. Im ersten Weltkrieg verloren (unter anderem) so viele Leute ihr Leben, da man eine alte Strategie mit " modernen" Waffen kombinierte. Hier liegt, meiner Meinung nach, ein ähnliches Problem vor, was man mit weniger Aufwand bewerkstelligen könnte. Aber dafür müsste man sich von älteren Strategien und Theorien abwenden, die zum Teil vom 2. Weltkrieg
    herführen. Der erste Fehler ist, sich in einer "Burg" zu verschanzen. Das war zwar schon bei den Römern so, Teil 2

    Das man die Sache nicht nur auf Afghanistan beschränken kann, ist richtig, wir erinnern uns an Somalia, Serbien, oder Ruanda, wo man sich gar nicht erst getraut hat. Geht es um des Pudels Kern, sieht es bei unserer Truppe schlecht aus und nicht nur bei der. Doch liegt es weniger an technischer Ausrüstung, noch am Rüstungsetat. Die Prozentzahlen des BIP sagen sowieso nichts aus. Wichtig ist hier, wie im Artikel beschrieben, sich langsam auf das tatsächliche Problem zu fokussieren. Die Militärs, die hier so manches mal schreiben sind oft selbstverliebt. Ich war auch mal beim Militär und kenne den ganzen Selbstbetrug. Auffällig ist, das die BW vor allem gegen technisch total Unterlegene kaum Land gewinnt und wenn, dann in falscher Richtung. Schlussfolgern kann man, dass es nicht an der techn. Aussrüstung liegt. Also mit den "Leos" wird kaum Gewinn in Sicht sein. Das wäre eine typisch amerikanische Materialschlacht auf Kosten der Steuerzahler. Auf die Anzahl der Leute will ich gar nicht erst eingehen. Im ersten Weltkrieg verloren (unter anderem) so viele Leute ihr Leben, da man eine alte Strategie mit " modernen" Waffen kombinierte. Hier liegt, meiner Meinung nach, ein ähnliches Problem vor, was man mit weniger Aufwand bewerkstelligen könnte. Aber dafür müsste man sich von älteren Strategien und Theorien abwenden, die zum Teil vom 2. Weltkrieg
    herführen. Der erste Fehler ist, sich in einer "Burg" zu verschanzen. Das war zwar schon bei den Römern so, Teil 2

    • LH
    • 04.04.2010 um 11:43 Uhr

    Wie kürzlich über Wikileaks zu erfahren war, sind deutsche Soldaten da lediglich wegen der diesbezüglichen Apathie der deutschen Öffentlichkeit. Vielleicht muss man da auch langsam nach der Verantwortung fragen....

  1. Unsere jungen Soldaten baden aus, dass ihre Gefechtslage so verwirrend bleibt, weil die Klarheit der Feind aller politischen Winkelzüge ist.
    Sie baden aus, weil sie ein ehrliches Interesse am Schutz einer wehrlosen Bevölkerung haben, die die jeweiligen Initiatoren wie Schachfiguren in ihrem unmenschlichen Spiel um Macht und Einfluss behandeln und benutzen.
    Dass sich aus der deutschen Bevölkerung kein ernsthafter Widerstand gegen einen verfassungsrechtlich und auch völkerrechtlich fragwürdigen Kriegseinsatz meldet, wird weiter Krieg gespielt, auch wenn sich schon längst erwiesen hat, das es vor allem ein unsinniges Spiel mit dem Leben unschuldiger Menschen ist, das sich einfach nicht mehr rechtfertigen lässt außer mit hohlen Phrasen, die ihre Glaubwürdigkeit längst verloren haben.
    Ein sofortiger Rückzug könnte weitere sinnlose Opfer verhindern und dieser Traum von der Befreiung Afghanistans kann endlich aufgegeben werden.
    Die Glaubwürdigkeit falscher Entscheidungen wird sich nicht verbessern, wenn noch mehr Soldaten und weitere Milliarden geopfert werden, weil man zu einem Eingeständnis von Fehlern zu feige ist.

  2. Einmal mehr traurige Bestätigung für die so heftig kritisierten Äußerungen der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann. Nichts ist gut in Afghanistan, und durch Durchhalte-Schwüre nach der Devise "Augen zu und durch" wird auch nichts besser. Wie viele Tote und Verletzte auf allen Seiten muss es geben, bis sich auch die Verantwortlichen trauen, die einzig richtigen Konsequenzen zu ziehen?

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    • xpol
    • 04.04.2010 um 13:26 Uhr

    ... aber nicht im Sinne von "Augen zu".

    Also "Augen auf" und die Lage so sehen, wie sie ist:
    - Es ist Krieg.
    - Der muss gewonnen werden.
    - Das geht nur mit Angriff.
    - Die personellen und technischen Möglichkeiten dazu müssen erst noch geschaffen werden.

    Deutschland stellt nur 5% der Truppen in Afghanistan, der Anteil der schlechten Schlagzeilen, Fehlleistungen und Verluste bewegt sich aber in Grössenordnung gefühlter 95%.

    Das kann unmöglich auf mangelnde berufliche Eignung unserer Soldaten zurückzuführen sein sondern sieht eher danach aus, aus wären sie konzeptionell falsch ausgerichtet:
    Für das Konzept "Selbstschutz beim Brunnenbau" ist es noch zu früh.

    • xpol
    • 04.04.2010 um 13:26 Uhr

    ... aber nicht im Sinne von "Augen zu".

    Also "Augen auf" und die Lage so sehen, wie sie ist:
    - Es ist Krieg.
    - Der muss gewonnen werden.
    - Das geht nur mit Angriff.
    - Die personellen und technischen Möglichkeiten dazu müssen erst noch geschaffen werden.

    Deutschland stellt nur 5% der Truppen in Afghanistan, der Anteil der schlechten Schlagzeilen, Fehlleistungen und Verluste bewegt sich aber in Grössenordnung gefühlter 95%.

    Das kann unmöglich auf mangelnde berufliche Eignung unserer Soldaten zurückzuführen sein sondern sieht eher danach aus, aus wären sie konzeptionell falsch ausgerichtet:
    Für das Konzept "Selbstschutz beim Brunnenbau" ist es noch zu früh.

    • xpol
    • 04.04.2010 um 13:26 Uhr

    ... aber nicht im Sinne von "Augen zu".

    Also "Augen auf" und die Lage so sehen, wie sie ist:
    - Es ist Krieg.
    - Der muss gewonnen werden.
    - Das geht nur mit Angriff.
    - Die personellen und technischen Möglichkeiten dazu müssen erst noch geschaffen werden.

    Deutschland stellt nur 5% der Truppen in Afghanistan, der Anteil der schlechten Schlagzeilen, Fehlleistungen und Verluste bewegt sich aber in Grössenordnung gefühlter 95%.

    Das kann unmöglich auf mangelnde berufliche Eignung unserer Soldaten zurückzuführen sein sondern sieht eher danach aus, aus wären sie konzeptionell falsch ausgerichtet:
    Für das Konzept "Selbstschutz beim Brunnenbau" ist es noch zu früh.

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    • Slink
    • 04.04.2010 um 14:15 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie bei einem höflichen und respektvollen Umgangston. Die Redaktion/sh

    "Es ist Krieg. Der muss gewonnen werden."

    Schön, dass sich die deutsche Kriegspartei und die Taliban auch mal in was einig sind.

    Jemand noch Popcorn?

    • Slink
    • 04.04.2010 um 14:15 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie bei einem höflichen und respektvollen Umgangston. Die Redaktion/sh

    "Es ist Krieg. Der muss gewonnen werden."

    Schön, dass sich die deutsche Kriegspartei und die Taliban auch mal in was einig sind.

    Jemand noch Popcorn?

    • M.F.D.
    • 04.04.2010 um 13:44 Uhr

    Warum glaubt man eigentlich, die Bundeswehr sei mit ein paar mehr Soldaten und besserer Ausrüstung fähig Herr der Lage zu werden, wenn dies nichtmal den U.S. Streitkräften gelingt?
    Die Erfahrung zeigt, dass solches Vorgehen, vor allem bei asymmetrischen Konflikten, nur die Zahl der Toten auf beiden Seiten in die Höhe treibt. Zudem liegt das Augenmerk der Politiker, sowie der Militärs immer nur auf Afghanistan, ein durchaus sehr kurzsichtiges und unkluges Verhalten.
    Denn selbst wenn es gelänge Afghanistan, mit welchen Mitteln auch immer, zu stabilisieren, bringt das wenig, wenn dann das über Atomwaffen verfügende Nachbarland Pakistan im Chaos versinkt. Eine Strategie zur Stabilisierung der Gesamten Region ist aber nicht in Sicht, und schon gar nicht von Berlin zu erwarten, wo offenbar versucht wird das Thema totzuschweigen.

    • Jenss
    • 04.04.2010 um 13:48 Uhr

    Entweder geht man jetzt nach Hause oder man bekämpft die Taliban so wie die Amerikaner es machen.

    Einfach da zubleiben und versuchen das ganze auszusitzen kann man den deutschen Soldaten nicht zumuten.

  3. Die gesamte Riege der Parteien ist offenbar lernresistent. Das geht quer durch alle Farben.

    Ein Krieg gegen Partisanen, gegen Rebellen, gegen Ideologen ist nicht zu gewinnen - Vietnam läßt grüßen.

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