In Afghanistan haben Aufständische am Donnerstag vier deutsche Soldaten getötet. Fünf Bundeswehrsoldaten wurden bei dem Angriff auf eine Patrouille der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) verletzt. Die Soldaten waren nahe der nordafghanischen Stadt Baghlan unter Beschuss geraten – etwa 100 Kilometer vom Feldlager Kundus entfernt.

Die deutschen Soldaten stammten nicht aus einer Einheit, die Patrouille wurde aus mehreren Verbänden zusammengesetzt. Sie hatte den Auftrag, die Region aufzuklären. Die Soldaten waren im Feldlager Pol-i-Khomri stationiert. Das Camp wird vom ungarischen Wiederaufbauteam (PRT) geleitet.

Die Attacke am Donnerstag war der zweite tödliche Angriff innerhalb von 14 Tagen. Am Karfreitag war eine Patrouille bei Kundus in einen Hinterhalt der Taliban geraten. Die Aufständischen erschossen drei deutsche Soldaten im Gefecht.

Vermutlich geriet auch die Patrouille bei Baghlan in einen Hinterhalt. "Nach jetzigem Erkenntnisstand war es ein Raketenbeschuss", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ZEIT ONLINE. "Das Gefecht wurde nach mehreren Stunden am Abend eingestellt." Ob es auch unter den Taliban Verletzte oder Tote gegeben habe, wisse er noch nicht.

Der Angriff passierte am Mittag gegen 12 Uhr Ortszeit. Die deutschen Soldaten waren gemeinsam mit belgischen und afghanischen Kameraden unterwegs. Die Taliban sollen einen gepanzerten Geländewagen vom Typ Eagle IV zerstört haben. Die Angreifer schlugen in der Nähe einer Brücke zu, die rund sechs Kilometer nördlich von Baghlan liegt. Die Region gilt als eine Hochburg der Taliban.

Der Gesundheitszustand der fünf Verletzten Bundeswehrsoldaten sei stabil, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Das gelte auch für die beiden Schwerverletzten. Sie seien inzwischen operiert worden. Einer der Verletzten wurde in Kundus, die anderen vier im Feldlager Masar-i- Scharif behandelt.

Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) kehrte gemeinsam mit Generalinspekteur Volker Wieker nach Afghanistan zurück, "um bei unseren Soldaten zu sein". Nach Angaben des Einsatzführungskommandos landete der Minister sicher in Masar-i-Scharif. Dort spricht er mit Soldaten über den jüngsten Angriff.

Guttenberg kündigte an, mit den verwundeten Soldaten nach Deutschland zurückzufliegen. Die Trauerfeier für die vier getöteten Bundeswehrsoldaten findet am Sonntag in Masar-i-Scharif statt. An ihr wird Generalinspekteur Volker Wieker teilnehmen.

Die Bundesregierung verurteilte den "hinterhältigen Angriff". "Er traf die gefallenen Soldaten, er trifft uns, er trifft alle Deutschen. Er trifft aber auch die große Mehrheit des afghanischen Volkes, das diesen Terror verabscheut so wie wir", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). "Wir stehen in diesem schweren Moment vereint hinter den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die in Afghanistan ihr Leben einsetzen, um auch unsere Freiheit zu verteidigen."

Er traf die gefallenen Soldaten, er trifft uns, er trifft alle Deutschen. Er trifft aber auch die große Mehrheit des afghanischen Volkes, das diesen Terror verabscheut so wie wir
Außenminister Guido Westerwelle

Auch die Opposition zeigte sich entsetzt. "Ich bin tief erschüttert über die Nachricht von den getöteten und verletzten Soldaten", sagte Frank-Walter Steinmeier, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag. "Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen und Freunden der getöteten Soldaten. Ihnen gehört unser ganzes Mitgefühl."

"Wir sind bestürzt und entsetzt über den tragischen Tod der vier Bundeswehrsoldaten", sagten auch Renate Künast und Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzende der Grünen. "Wir verurteilen diesen feigen und abscheulichen Anschlag der Taliban auf die gemeinsame Patrouille deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten aufs Schärfste." Sie forderten die Bundesregierung auf, den Fall zu untersuchen und offenzulegen, "wie es zu dieser neuerlichen Tragödie innerhalb kürzester Zeit kommen konnte".

Die Linkspartei verlangte erneut den sofortigen Abzug. "Wir fordern alle Abgeordneten des Bundestags, die bisher diesen Kriegseinsatz unterstützt haben, auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen", sagte Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Linken. "Der Einsatz der Bundeswehr in diesem aussichtslosen Krieg ist nicht mehr zu rechtfertigen."