Asean-Gipfel Aufsteiger und Absteiger
Weil es in Ostasien wirtschaftlich aufwärts geht, gibt es kaum Kritik an Chinas Währungspolitik. Das wird sich auch auf dem Asean-Gipfel zeigen.
© HOANG DINH NAM/AFP/Getty Images

Hanoi, 2010 Tagungsort der Asean-Gruppe
Es ist schon sehr interessant, wie unterschiedlich die Weltregionen auf die Währungsungleichgewichte und die damit verbundenen wirtschaftlichen Stärken und Schwächen in dieser Krise reagieren. Die Amerikaner machen Krawall. Sie gehen auf Konfrontationskurs mit dem "Währungsmanipulator" China und lenken damit von ihren eigenen wirtschaftlichen Problemen ab. Die Europäer zerstreiten sich untereinander über die Frage, wer wem, wann und wie viel unter die Arme greift. Und besonders absurd: Wer wie erfolgreich sein darf.
Es ist den starken EU-Ländern Frankreich und Deutschland in der Krise eher noch wichtiger geworden, dass die Welt ihre unterschiedlichen Positionen wahrnimmt, als dass Europa als ein Team erscheint. Das ist in Asien anders. Die Asiaten rücken in der Krise enger zusammen. Sie demonstrieren, dass sie zusammen stark sein und der Welt ein Schnippchen schlagen können. Das wird sich auf dem Asean-Gipfel in Vietnam wieder einmal zeigen. Und das, obwohl die Nachbarn der Chinesen nicht minder unter der künstlich niedrigen Währung leiden als etwa die Amerikaner und die Europäer.
Worin liegen die Ursachen für die unterschiedlichen Reaktionen? Sicherlich gibt es kulturelle Unterschiede. Die USA sind von der Neigung geprägt, Maßstab der Welt sein zu wollen. Europas kulturelle Stärke ist seine Vielfalt, die in der Not eben auch zu Schwäche werden kann. Und die asiatischen Kulturen neigen eher zum Ausbalancieren als zum Dissenz, zumindest sofern sie buddhistisch geprägt sind. Doch selbst die moslemischen Länder in Asien wie Indonesien treten vergleichsweise moderat auf.
Wichtiger jedoch als die kulturellen Differenzen ist die jeweilige Position der Weltregionen im globalen Machtkampf. Es gibt Aufsteiger und Absteiger. Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben, die Europäer und die Amerikaner im Club der Absteiger zu verorten. Sie werden relativ an politische Macht und wirtschaftlicher Stärke verlieren.
Die Asiaten hingegen sind Aufsteiger. Für die Aufsteiger gilt die Devise: Lasst uns zusammenhalten, in der Aufwärtsbewegung ist für alle genug da. Das wird prägende Stimmung des Asean-Gipfels sein. Die Absteiger hingegen bekommen sich weiterhin über das, was zu verteilen ist, in die Haare. Denn es wird immer weniger. Dies führt wiederum dazu, dass die Absteiger noch schwächer und die Aufsteiger noch stärker werden.
- Datum 09.04.2010 - 12:23 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
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"Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben, die Europäer und die Amerikaner im Club der Absteiger zu verorten. Sie werden relativ an politische Macht und wirtschaftlicher Stärke verlieren."
Ja, so wird es wohl über kurz oder lang sein.
Ich nehme hier aber an, das mit Europa eher die EU gemeint ist. Sollten die Briten den Euro Einführen, auch die schwächeren Polen und andere östliche Staaten Europas, vielleicht auch irgendwann doch noch die Türkei und auch Norwegen der EU beitreten, sehe ich für Europa keinen Machtverlust. Wobei ich die besondere Stärke der EU-Staaten in den letzten Jahrzehnten (die Briten ausgenommen) weniger in militärischen Aktionen als in Diplomatie und wirtschaftlicher Stärke sehe.
Hallo Herr Sieren,
die Idee vom Machtgleichgewicht - wo der eine gewinnt, verliert der andere - ist veraltet und Quatsch. Die Chinesen und andere wachsen schneller als die Wessis, aber die Wessis sind absolut immer noch wesentlich besser und verlieren keineswegs. Zumindest merkt man bisher nichts.
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