Interview "Im Leopard 2 hat man die größte Distanz zur Bevölkerung"Seite 2/2
ZEIT ONLINE: Der frühere Generalinspekteur Harald Kujat kritisiert, dass die Bundeswehrsoldaten nicht richtig ausgerüstet sind. Stimmen Sie dem zu?
Nachtwei: Ich widerspreche ihm nicht in allen Punkten. Bei der Ausbildung hier zu Lande sind tatsächlich zu wenige Fahrzeuge vorhanden. Es gehen immer noch Soldaten in den Afghanistaneinsatz, die erst am Ort am Dingo angelernt werden. Das ist ein unglaubliches Defizit. Und es fehlt an Hubschraubern. Kommandeure der Bundeswehr fordern seit Langem, dass Hubschrauber geleast werden. Auf die Auslieferung der bestellte NH90 und der Tiger wartet die Truppe seit Jahren.
ZEIT ONLINE: Die deutsche Strategie wird ab dem Sommer geändert. Die Soldaten sollen als Partner gemeinsam mit den afghanischen Sicherheitskräften ins Feld ziehen. Was halten Sie davon?
Nachtwei: Ich würde erst mal bescheidender von einem neuen Einsatzkonzept sprechen – nicht von einer Strategie. In die Fläche zu gehen ist aber richtig. Bisher wurde das Sicherheitsversprechen durch Patrouillen ausgesprochen flüchtig erfüllt. Auch gemeinsam mit den Afghanen rauszugehen, macht Sinn. Was allerdings falsch läuft ist, dass die Bundesregierung verheimlicht, dass dies kein defensives Konzept ist. Die Nato will hart gegen Gegner und einzelne Zielpersonen vorgehen. Ob die Bundeswehr sich daran beteiligen wird, ist nicht geklärt.
ZEIT ONLINE: Experten warnen, dass das Risiko für die Bundeswehr mit dem sogenannten Partnering steigen wird.
Nachtwei: Wenn die Bundeswehr mehr in die Fläche geht, steigt das Risiko natürlich erstmal. Ob das auch in größeren Verlusten mündet, ist nicht zwangsläufig. Die Erfahrung der Amerikaner im Süden zeigen allerdings, dass deren neue Partnering-Strategie mehr Sicherheit gebracht hat, dass die Soldaten mehr Rücksicht nehmen, aber auch dass die Amerikaner so viele eigene Verluste haben wie noch nie.
ZEIT ONLINE: Verteidigungsminister zu Guttenberg spricht nun von "Krieg im umgangssprachlichen Sinne". Kanzlerin Merkel stimmt dem zu. Was halten Sie von der Formulierung?
Nachtwei: Sie klingt etwas ehrlicher. Sie ist aber immer noch ziemlich verschwurbelt. Richtig ist, dass Teile des deutschen Einsatzgebietes Guerilla-Kriegsgebiete sind. Die anderen Gebiete sind nicht sicher, sie sind aber dennoch keine Kriegsgebiete. Der strategische Auftrag der Bundeswehr bleibt aber Stabilisierung und Sicherheitsunterstützung. Eine allgemeine Kriegserklärung halte ich für falsch. Denn sie geht mit der Illusion einher, dass man den Konflikt dort mit Militär lösen könnte. Wer wäre noch bereit, Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder nach Afghanistan zu schicken, wenn dort pauschal Krieg herrscht?
Die Fragen stellte Hauke Friederichs
Winfried Nachtwei saß von 1994 bis 2009 für die Grünen im Bundestag. Er war lange Zeit verteidigungspolitischer Sprecher seiner Partei und reiste häufig nach Afghanistan. Nachtwei schreibt Aufsätze und Fachartikel über den Bundeswehreinsatz am Hindukusch. Und er informiert auf seiner Homepage www.nachtwei.de umfassend über die Sicherheitslage im Norden Afghanistans.
- Datum 08.04.2010 - 18:19 Uhr
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Herr Nachtwei hat, wie viele andere Politiker, insbesondere bei den Grünen, Schuld auf sich geladen.
Denn er und seine angeblich so humanen Politikerkollegen haben durch das von ihnen betriebene Konzept für Afghanistan die Taliban ermuntert, zu kämpfen.
Krieg ist auch Psychologie. Ziel ist es, den Gegner davon zu überzeugen, das Kämpfen einzustellen und sich zu unterwerfen. Oder ihn eben zu töten oder gefangen zu nehmen.
Weil Politiker wie Herr Nachtwei aber bei Aufständischen den Eindruck vermittelten, dass deutsche Politiker aufgeben, wenn sie nur tief genug in die bittere Fratze der Inhumanität des Krieges schauen müssen, haben sich die Taliban ab etwa 2005 zu einem systematischen Guerillakrieg entschieden. Der deutsche Sektor wurde auch deswegen von den Taliban als Schlachtfeld ausgesucht, weil man den schwachen Willen deutscher Politik sah.
So wurde aus dem vorher unproblematischen deutschen Sektor Kriegsgebiet, mit all seinen Folgen für die Bevölkerung.
Menschen wie Herr Nachtwei haben durch ihre falschen Signale und wenig willensstarkem Auftreten den Menschen, z.B. in Kundus, den Bürgerkrieg und die Taliban als Unterdrücker beschert.
Wer, wie rot-grün, Soldaten in eine Bürgerkrieg losschickt, die brutalste Form des Krieges, der muss unbedingt vermitteln, diesen Krieg gewinnen zu wollen, koste es, was es wolle. Sonst darf er die Soldaten nicht losschicken.
Anstelle von Herrn Nachtwei könnte ich mit einer solchen Schuld nicht mehr ruhig schlafen.
hätte er gar keinen Schlaf mehr.
"Herr Nachtwei hat, wie viele andere Politiker, insbesondere bei den Grünen, Schuld auf sich geladen." Ach, ich wusste gar nicht, dass die Grünen immer noch den Verteidigungsminister stellen.
"Krieg ist auch Psychologie. Ziel ist es, den Gegner davon zu überzeugen, das Kämpfen einzustellen und sich zu unterwerfen. Oder ihn eben zu töten oder gefangen zu nehmen." Könnten Sie nicht mal die Bundeswehrpsychologen unterstützen?
...zu warten.
Die USA unter der Regierung Cheney/Bush mit dem Verteigigungsminister Rumsfeld sind auf die brilliante Idee gekommen, man bräuchte für "moderne" Kriege nicht mehr die großen Mengen von Besatzungssoldaten, sondern käme mit einem fünftel oder so aus. Für die Eroberungsphase war das sogar richtig, nur konnten die USA das eroberte Territorium dann nicht halten. Die Taliban brauchten sich nur zurückziehen, warten, sich restrukturieren und auf die Ergebnisse der amerikanischen luftgestützten Rekrutierungsmaßnahmen warten.
Aber wir könnten natürlich auch IHREM brillianten Rat folgen und alle, die sich nicht unterwerfen, töten, denn wenn man pokert und der Gegner will sehen, dann müssen die Karten auf den Tisch.
Sie sind aufrichtiger als joG, weil Sie ihre Position wenigstens verteidigen, aber Frau Merkel sollte doch bei ihrer eigenen Taktik bleiben und von Ihnen keinen Rat annehmen.
hätte er gar keinen Schlaf mehr.
"Herr Nachtwei hat, wie viele andere Politiker, insbesondere bei den Grünen, Schuld auf sich geladen." Ach, ich wusste gar nicht, dass die Grünen immer noch den Verteidigungsminister stellen.
"Krieg ist auch Psychologie. Ziel ist es, den Gegner davon zu überzeugen, das Kämpfen einzustellen und sich zu unterwerfen. Oder ihn eben zu töten oder gefangen zu nehmen." Könnten Sie nicht mal die Bundeswehrpsychologen unterstützen?
...zu warten.
Die USA unter der Regierung Cheney/Bush mit dem Verteigigungsminister Rumsfeld sind auf die brilliante Idee gekommen, man bräuchte für "moderne" Kriege nicht mehr die großen Mengen von Besatzungssoldaten, sondern käme mit einem fünftel oder so aus. Für die Eroberungsphase war das sogar richtig, nur konnten die USA das eroberte Territorium dann nicht halten. Die Taliban brauchten sich nur zurückziehen, warten, sich restrukturieren und auf die Ergebnisse der amerikanischen luftgestützten Rekrutierungsmaßnahmen warten.
Aber wir könnten natürlich auch IHREM brillianten Rat folgen und alle, die sich nicht unterwerfen, töten, denn wenn man pokert und der Gegner will sehen, dann müssen die Karten auf den Tisch.
Sie sind aufrichtiger als joG, weil Sie ihre Position wenigstens verteidigen, aber Frau Merkel sollte doch bei ihrer eigenen Taktik bleiben und von Ihnen keinen Rat annehmen.
Es wird immer vom "Auftrag" gesprochen ... Nur hat sich in den vergangenen Jahren die Situation geändert.
Vielleicht sollte der Auftrag genauer beschrieben werden, ebenso die (nicht mehr vorhandene) Trennung von ISAF und OEF.
Der Deutsche Bundestag hat am 22. Dezember 2001 erstmals das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr am ISAF-Einsatz erteilt.
Sie soll im Auftrag der Vereinten Nationen die afghanische Regierung bei der Wahrung der Menschenrechte sowie bei der Herstellung und Wahrung der inneren Sicherheit unterstützen. Darüber hinaus unterstützt ISAF die afghanische Regierung bei der Auslieferung humanitärer Hilfsgüter und der geregelten Rückkehr von Flüchtlingen.
Mittlerweile at sich diese humanitäre Unterstützung geändert:
Die Bundeswehr ist danach nun "nicht nur auf die Abwehr eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs beschränkt". Vielmehr können die deutschen Soldaten "im Vorfeld geeignete Maßnahmen ergreifen, um es dazu erst gar nicht kommen zu lassen"
Nur, wie ist dies möglich ? Indem ich meine Fahrzeuge verlasse und auf die "Angreifer" beschwichtigend zugehe, oder ihnen zeige ein Angriff führt zu dem Einsatz überlegener Waffensysteme, wie z.B. ein Leopard II oder moderne Kampfhubschrauber.
Im Sinne der Soldaten würde ich zu Lösung 2 tendieren.
hätte er gar keinen Schlaf mehr.
"Herr Nachtwei hat, wie viele andere Politiker, insbesondere bei den Grünen, Schuld auf sich geladen." Ach, ich wusste gar nicht, dass die Grünen immer noch den Verteidigungsminister stellen.
"Krieg ist auch Psychologie. Ziel ist es, den Gegner davon zu überzeugen, das Kämpfen einzustellen und sich zu unterwerfen. Oder ihn eben zu töten oder gefangen zu nehmen." Könnten Sie nicht mal die Bundeswehrpsychologen unterstützen?
Wieso verschärft sich denn der Widerstand? Weil die Interessengegensätze der verschiedenen Volks- und Machtgruppen scharf gegeneinander stehen und die Bundeswehr bei einer Parteinahme für eine Seite im Bürgerkrieg logischerweise mit ins Feuer gerät.
Die afghanischen Kräfte sind doch keine Einrichtungen, die in irgendeiner Weise das allgemeine Vertrauen der Bevölkerung geniessen, sondern weitgehend korrupt, an den Machtinteressen lokaler Führer orientiert, ethnisch unausgewogen rekrutiert und gleichermaßen miserabel motiviert, ausgebildet und bewaffnet sind.
Und die deutschen Soldaten sollen sich quasi als Zielscheibe dazwischen stellen und hoffen, dass die Bevölkerung diese selbstlos-selbstmörderische Haltung mit allgemeinem Vertrauen und Unterordnung ihrer Interessen unter die NATO-Kriegsziele beantwortet.
Und wenn es dann genug Tote gibt, nickt Herr Nachtwei bedächtig und wundert sich, dass man diesen Krieg verloren hat, obwohl man doch so gute Absichten hatte!
Warum marschieren wir eigentlich nicht in Namibia ein? Da wird es doch auch Terroristen geben? Oder wir schießen alle Afghanen tot - einfach Alle - wir machen doch die Aufträge?
http://www.zeit.de/2010/1...
Harmid Karsai ein schlechter Freund, wenn die schießenden Ausländer endlich los haben will?
Der Krieg ist nicht zu gewinnen, wenn man keine humanen Opfer bringen will. So hart das ist. Dann bleibt eben nur ein Rückzug und man überlässt den Terroristen das hungernde Volk.
in Afghanistan ist Krieg und die Distanz zur Bevölkerung liegt nicht am Leo2", sondern im Mentalitätsunterschied. so können nur lebendsfremde Theoretiker argumentieren.
Was die Afghanen schätzen und respektieren ist leider leider die brutale Durchsetzungskraft. Der Leo2 und gepanzerte Hubschrauber sind das richtige Mittel dazu.
Unserer westlichen Mentalität stehen sie fremd gegenüber. Die Warlords und Talibans machen sich lustig über die leichtbewaffneten Deutschen. Von Achtung keine Rede.
Wenn unsere Soldaten schon dort verheizt werden sollen sie auch den maximalen Schutz bekommen! Das sind wir ihnen schuldig.
Es kann nur noch heissen: Wie komme ich politisch und militärisch möglichst ohne weiteren Schaden aus Afghanistan raus.
Diese Entwicklung sollte in der ZEIT thematisiert werden !
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