Griechenland-Hilfe Sondertreffen der Finanzchefs am Sonntag
Der Zeitplan für die Griechenland-Hilfe der Euro-Staaten und des IWF ist konkreter geworden: Die Finanzminister beraten zwei Tage früher als geplant.
Die Euro-Finanzminister werden schon am Sonntagnachmittag bei einem Sondertreffen in Brüssel über das Rettungspaket für Griechenland beraten. Ursprünglich war der 4. Mai als Termin geplant.
Die Verhandlungen über das Kreditprogramm stehen kurz vor dem Abschluss, wie der griechische Finanzminister Georgios Papakonstantinou sagte. Laut EU-Kommission könnten die Gespräche schon am Samstag beendet sein. Dann folgt der Abstimmungsprozess in Gremien und Parlamenten.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) setzt zusätzlich auf eine freiwillige Beteiligung der deutschen Banken an der Hilfe. Der Finanzsektor will einen einstelligen Milliardenbetrag einsammeln, um Griechenland zu helfen.
EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds verhandeln seit mehr als zehn Tagen mit der Regierung in Athen über Hilfen für das hoch verschuldete Land. Als kurzfristige Entlastung wollen die Euroländer und der IWF in diesem Jahr Notkredite in Höhe von bis zu 45 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Deutschland müsste dazu bis zu 8,4 Milliarden Euro in Form von Krediten beitragen. Weitere Summen sind für 2011 und 2012 im Gespräch.
Nach Angaben aus Athen verlangen Währungsfonds und EU im Gegenzug von Griechenland, sein Staatsdefizit von derzeit 13,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis Ende 2011 auf 3,6 Prozent zu senken. Dafür sinken die Gehälter im öffentlichen Dienst und Rentner müssen Kürzungen hinnehmen. Zudem erhöht der Staat die Mehrwertsteuer.
Für Deutschland ist geplant, dass Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat ein entsprechendes Gesetz bis kommenden Freitag auf den Weg bringen. Ein für Athen entscheidendes Datum ist der 19. Mai: Dann wird die Rückzahlung eines Neun-Milliarden-Euro-Kredits fällig.
Doch besonders die Opposition versucht, während der Verhandlungen eigene politische Ziele durchzusetzen: Die SPD forderte von der Bundesregierung Unterstützung bei der Einführung einer europäischen Finanzmarktsteuer als Gegenleistung für die Zustimmung zur Griechenland-Hilfe. Die Verantwortlichen für die Krise müssten die Kosten tragen, schrieben SPD-Chef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier an Parteifunktionäre auf Bundes- Landes- und Bezirksebene.
- Deutschlands Beitrag
Geplant ist, dass die staatliche Förderbank KfW der griechischen Regierung einen Kredit für zwölf Monate von bis zu 8,4 Milliarden Euro gewährt, der durch eine Bürgschaft des Bundes abgesichert ist. Es gibt noch keine konkrete Angabe zu weiterer Hilfe für 2011 und 2012, im Gespräch sind bis zu 30 Milliarden Euro. Das Gesetz soll im beschleunigten Verfahren durch Bundestag und Bundesrat. Die Bundesregierung begründet das Gesetz damit, dass es die Stabilität des Euro sichern helfe, was auch Deutschland nütze.
- Gesamtvolumen
Die Euro-Länder haben ein Drei-Jahres-Programm aufgelegt, in dessen Rahmen im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro fließen könnten. Bis 2012 ist von bis zu 135 Milliarden Euro die Rede. Daran beteiligen sich alle 15 Euroländer entsprechend ihrer jeweiligen Beteiligung an der Europäischen Zentralbank. Für Deutschland sind das rund 28 Prozent, für 2010 also etwa 8,4 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds würde ein weiteres Drittel der Gesamtlasten übernehmen, also im ersten Jahr zusätzliche 15 Milliarden Euro bereitstellen. Über den Bedarf im zweiten und dritten Jahr soll später entschieden werden. Die EU-Staaten betonen, dass die Hilfen keine Subvention darstellen – auf die Kredite müsse Griechenland einen marktüblichen Zins zahlen.
- Zeitplan
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Die Staats- und Regierungschefs sollen möglichst am 10. Mai bei einem Sondergipfel oder in einer Telefonkonferenz über die Hilfe abstimmen. Der Zeitplan sieht einen Abschluss der derzeit laufenden Verhandlungen der griechischen Regierung mit dem IWF und der EU-Kommission über ein Sparpaket für 2011 und 2012 am 2. Mai vor. Am gleichen Tag wollen die Euro-Finanzminister das Verhandlungsergebnis bewerten. Im griechischen Parlament steht dann am 6. und 7. Mai die Abstimmung über das Sparprogramm an.
Auf Grundlage der EU-Bewertung könnte das Bundeskabinett bereits am Montag, 3. Mai das Gesetz auf den Weg bringen. Bundestag und Bundesrat würden innerhalb der Woche folgen.
Die erste Tranche des Hilfskredites soll vor dem 19. Mai ausgezahlt werden. An dem Tag steht eine Milliardenumschuldung der griechischen Regierung an.
- Risiko
Der Bürger ist zunächst nicht betroffen. Die deutschen Kredite sollen über die Staatsbank KfW gestellt werden. Der Bund muss sich dafür allerdings verbürgen. Das heißt: Erst wenn Athen nicht mehr in der Lage wäre, die Kredite zurückzuzahlen, würden der Bundeshaushalt und damit die Steuerzahler belastet. Wird Griechenland gerettet, könnte der KfW-Kredit sogar ein Geschäft für die Deutschen werden.
- EU-Vertrag
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Umstritten bleibt, ob die EU-Hilfen für Griechenland einen Verstoß gegen den EU-Vertrag darstellen. Er verbietet den Euro-Staaten eigentlich, sich gegenseitig Schulden abzunehmen (sogenannte "No-Bailout"-Klausel). Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, hält das Kreditprogramm für vertragskonform.
Der Maastricht-Vertrag lässt aber für finanziellen Beistand Spielraum: Er macht Ausnahmen bei Naturkatastrophen und anderen unvorhersehbaren Ereignissen. Fraglich ist indes, ob die übermäßige Verschuldung eines Landes darunterfällt. Die deutschen Euro-Kritiker Wilhelm Hankel, Joachim Starbatty, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider wollen vor Gericht ziehen, falls Geld für Griechenland fließen sollte.
"Deshalb fordern wir von der Bundesregierung drastische Schritte, um in Europa gemeinsam mit den anderen Mitgliedsstaaten eine Finanzmarktsteuer einzuführen." Die Sozialdemokraten lassen sich am Sonntag extra von Währungskommissar Olli Rehn über die Hilfspläne informieren. Zwar ist die Zustimmung der SPD im Bundestag nicht zwingend notwendig, die Bundesregierung strebt aber eine breite Mehrheit an.
Anfangs hatte es aus allen Bundestagsfraktionen die Forderung geben, dass Banken Kredite an Griechenland im Zuge einer Umschuldung abschreiben. Einige waren aber dann wieder davon abgerückt und verlangten lediglich die baldige Einführung der Finanzmarktsteuer.
Der Zeitplan der kommenden Tage:
Sonntagvormittag: Der Internationale Währungsfonds und die Regierung in Athen stellen ihren Notplan vor. EU-Kommission und Europäische Zentralbank prüfen das Zahlenwerk und setzen den Antrag auf Nothilfe der Euro-Länder (Ultima Ratio) in Gang.
Nachmittag: Das Bundesfinanzministerium in Berlin prüft die Zahlen. Die Finanzminister der Euroländer legen ihre Haltung in einer Konferenz fest.
Abend: Eine Staatssekretärsrunde der Bundesregierung prüft den Antrag und formuliert einen Gesetzentwurf. Hier wird auch entschieden, ob das Nothilfe-Gesetz von der Regierung oder den Koalitionsfraktionen in den Bundestag eingebracht wird. Die SPD-Fraktionsspitze berät mit EU-Währungskommissar Olli Rehn.
Montagmittag: Sondersitzung des Bundeskabinetts
Nachmittag: Unterrichtung der Koalitionsfraktionen
Abend: Beratung des Haushaltsausschusses des Bundestags
Mittwoch: Einbringung des Gesetzentwurfs in den Bundestag. Regierungserklärung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
Freitag: 2. und 3. Lesung des Gesetzes im Bundestag, Abstimmung.
Der Bundesrat billigt das Gesetz im Eilverfahren.
Unterschrift des Bundespräsidenten mit anschließender Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt.
Montag, 10. Mai: Ein EU-Gipfel billigt den Rettungsplan für Griechenland. Offen ist noch, ob nur die Vertreter der Euro-Gruppe zusammenkommen, oder alle 27 Staats- und Regierungschefs.
- Datum 30.04.2010 - 18:11 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
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Eine Luxussteuer wird auf die Residenzen von Ariel Sharons Sohn Gilad auf der Insel Patroklos 40 km vor Athen erhoben:
"des faubourgs résidentiels d’Athènes. C’est là que se matérialisent les sommes d’argent qui étaient destinées à financer des programmes et des projets d’avenir (pour l’industrie, mais aussi pour l’agriculture et le tourisme) et à promouvoir un développement économique durable. Ce détournement de fonds"(Niels Kadritzke, Gouvernements sous la coupe des banques Comment l’injustice fiscale a creusé la dette grecque, Le Monde diplomatique,März 2010).
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