Flugzeugabsturz Smolensk Weniger als ein Drittel der Leichen ist identifiziert

Die Mehrzahl der 96 Toten von Smolensk ist nicht identifiziert. Die Zuordnung vieler Leichen – auch der von Kaczynskis Ehefrau – kann nur per DNA-Test geschehen.

Das Wrack der polnischen Regierungsmaschine

Das Wrack der polnischen Regierungsmaschine

Eigentlich sollte Maria Kaczyński mit ihrem Mann Lech von Smolensk nach Warschau überführt und neben dem polnischen Präsidenten aufgebahrt werden. Doch dies war nicht möglich. Die Gerichtsmediziner tun sich schwer damit, die Leichen nach dem verheerenden Flugzeugabsturz zu identifizieren. Nach Angaben der polnischen Gesundheitsministerin Ewa Kopacz sind bisher lediglich 14 Opfer des Unglücks eindeutig bestimmt worden. 20 weitere Leichname könnten aufgrund besonderer Merkmale zugeordnet werden. Eine erste Gruppe von Angehörigen der Unglücksopfer flog daher am Sonntagabend nach Moskau, um Verwandte zu identifizieren. In allen anderen Fällen werden DNA-Analysen nötig sein.

Lech Kaczyński soll am Dienstag öffentlich aufgebahrt werden, damit seine Landsleute ihm die letzte Ehre erweisen können. Mitarbeiter des Präsidialamtes und von Ministerpräsident Donald Tusk werden heute über die Beerdigung beraten. Bislang ist noch unklar, wann und wo sie stattfinden soll. Der mit der weiß-roten Flagge Polens bedeckte Sarg Kaczyńskis war am Sonntag nach Warschau überführt worden.

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Die kranke und betagte Mutter des verunglückten Präsidenten wurde nach Klinikangaben nicht über den Tod ihres Sohnes informiert. Angesichts des Gesundheitszustandes von Jadwiga Kaczyńska habe der Zwillingsbruder des Verstorbenen entschieden, dass ihr nichts gesagt werden solle, sagte ein Sprecher des Militärkrankenhauses von Warschau. Die 83-Jährige wird dort seit Mitte März wegen Herzproblemen auf der Intensivstation behandelt.

In Russland wird am heutigen Montag mit einem nationalen Trauertag der Toten des Flugzeugabsturzes von Smolensk gedacht. US-Außenministerin Hillary Clinton trug sich am Sonntag in der polnischen Botschaft in Washington in das Kondolenzbuch ein. Sie habe großes Vertrauen in die Zukunft Polens, sagte sie vor Journalisten.

Beim Absturz der polnischen Präsidentenmaschine, einer russischen Tupolew-154, starben am Samstag 96 Menschen. Außer Kaczyński und seiner Frau Maria waren Generalstabschef Franciszek Gagor, Notenbankchef Slawomir Skrzypek sowie zahlreiche weitere Vertreter der politischen, militärischen und geistlichen Elite des Landes unter den Toten. Die Delegation wollte des Massakers von Katyn gedenken, bei dem sowjetische Einheiten 1940 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 22.000 Polen ermordet hatten.

Als Ursache des Unglücks wird menschliches Versagen angenommen. Offenbar hatten die Piloten den Rat der russischen Fluglotsen nicht beachtet, wegen des dichten Nebels auf den Flughafen Minsk auszuweichen. Beim vierten Landeversuch streifte die Maschine Baumwipfel und stürzte in ein Waldgebiet.

 
Leser-Kommentare
  1. Immer wieder zeigte die Geschichte, wie beliebt ein Mensch in der Bevölkerung ist, zeigen keine Wahlen und Kampagnen. Aber sein Tod.

    Ich trauere mit Dir, Polen. Und verstumme.

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    Dass die Polen geschockt sind, hat nicht unbedingt etwas mit allgemeinen Sympathieen für Kaczyński zu tun. Mit dem Präsidenten stirbt der höchste Repräsentant des Landes. Würde Berlusconi verunglücken, gäbe es in Italien ebenso Trauer, vor allem natürlich von seinen Anhängern.

    Außerdem ist der Präsident nur einer von 88 toten Passagieren, und deren Liste liest sich schon atemberaubend. Ich zitiere hier nach Telepolis/Th. Dudek:

    "Ryszard Kaczorowski, der letzte polnische Exil-Präsident, die Vize-Parlamentspräsidenten Krzysztof Putra und Jerzy Szmajdzinski, der im Herbst als Kandidat der linken SLD bei den Präsidentschaftswahlen gegen Kaczynski antreten sollte, die Vize-Senatspräsidentin Krystyna Bochenek, Aleksander Szczyglo, Chef des Nationalen Büros für Sicherheit, Wladyslaw Stasiak und Pawel Wypych, die engsten Mitarbeiter von Kaczynski in der Präsidialkanzlei, die Staatsekretäre mehrer Ministerien, der Direktor der Nationalbank Slawomir Skrzypek, der Bürgerrechtsbeauftragte des polnischen Staates Janusz Kochanowski, 14 Parlamentsabgeordnete, der gesamte polnische Generalstab mit Franciszek Gagor an der Spitze, die Militärbischöfe aller Konfessionen, Piotr Nurowski, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Janusz Kurtyka, Direktor des Instituts für Nationales Gedenken, die Ikone der Solidarnosc-Bewegung Anna Walentynowicz, sowie die Vertreter der Opferverbände von Katyn."

    Christoph Kotowski hat einen sehr informativen Leserartikel dazu geschrieben. Polen, schreibt er, steht nicht wegen des Todes eines Präsidenten unter nationalem Schock, sondern wegen der ungeheuren Anzahl leitender und angesehener Persönlichkeiten, die außerdem umgekommen sind.

    http://community.zeit.de/user/christoph-kotowski/beitrag/2010/04/11/der-tod-kaczyńskis-die-knappe-berichterstattung-im-westen

    Dass die Polen geschockt sind, hat nicht unbedingt etwas mit allgemeinen Sympathieen für Kaczyński zu tun. Mit dem Präsidenten stirbt der höchste Repräsentant des Landes. Würde Berlusconi verunglücken, gäbe es in Italien ebenso Trauer, vor allem natürlich von seinen Anhängern.

    Außerdem ist der Präsident nur einer von 88 toten Passagieren, und deren Liste liest sich schon atemberaubend. Ich zitiere hier nach Telepolis/Th. Dudek:

    "Ryszard Kaczorowski, der letzte polnische Exil-Präsident, die Vize-Parlamentspräsidenten Krzysztof Putra und Jerzy Szmajdzinski, der im Herbst als Kandidat der linken SLD bei den Präsidentschaftswahlen gegen Kaczynski antreten sollte, die Vize-Senatspräsidentin Krystyna Bochenek, Aleksander Szczyglo, Chef des Nationalen Büros für Sicherheit, Wladyslaw Stasiak und Pawel Wypych, die engsten Mitarbeiter von Kaczynski in der Präsidialkanzlei, die Staatsekretäre mehrer Ministerien, der Direktor der Nationalbank Slawomir Skrzypek, der Bürgerrechtsbeauftragte des polnischen Staates Janusz Kochanowski, 14 Parlamentsabgeordnete, der gesamte polnische Generalstab mit Franciszek Gagor an der Spitze, die Militärbischöfe aller Konfessionen, Piotr Nurowski, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Janusz Kurtyka, Direktor des Instituts für Nationales Gedenken, die Ikone der Solidarnosc-Bewegung Anna Walentynowicz, sowie die Vertreter der Opferverbände von Katyn."

    Christoph Kotowski hat einen sehr informativen Leserartikel dazu geschrieben. Polen, schreibt er, steht nicht wegen des Todes eines Präsidenten unter nationalem Schock, sondern wegen der ungeheuren Anzahl leitender und angesehener Persönlichkeiten, die außerdem umgekommen sind.

    http://community.zeit.de/user/christoph-kotowski/beitrag/2010/04/11/der-tod-kaczyńskis-die-knappe-berichterstattung-im-westen

  2. Dass die Polen geschockt sind, hat nicht unbedingt etwas mit allgemeinen Sympathieen für Kaczyński zu tun. Mit dem Präsidenten stirbt der höchste Repräsentant des Landes. Würde Berlusconi verunglücken, gäbe es in Italien ebenso Trauer, vor allem natürlich von seinen Anhängern.

    Außerdem ist der Präsident nur einer von 88 toten Passagieren, und deren Liste liest sich schon atemberaubend. Ich zitiere hier nach Telepolis/Th. Dudek:

    "Ryszard Kaczorowski, der letzte polnische Exil-Präsident, die Vize-Parlamentspräsidenten Krzysztof Putra und Jerzy Szmajdzinski, der im Herbst als Kandidat der linken SLD bei den Präsidentschaftswahlen gegen Kaczynski antreten sollte, die Vize-Senatspräsidentin Krystyna Bochenek, Aleksander Szczyglo, Chef des Nationalen Büros für Sicherheit, Wladyslaw Stasiak und Pawel Wypych, die engsten Mitarbeiter von Kaczynski in der Präsidialkanzlei, die Staatsekretäre mehrer Ministerien, der Direktor der Nationalbank Slawomir Skrzypek, der Bürgerrechtsbeauftragte des polnischen Staates Janusz Kochanowski, 14 Parlamentsabgeordnete, der gesamte polnische Generalstab mit Franciszek Gagor an der Spitze, die Militärbischöfe aller Konfessionen, Piotr Nurowski, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Janusz Kurtyka, Direktor des Instituts für Nationales Gedenken, die Ikone der Solidarnosc-Bewegung Anna Walentynowicz, sowie die Vertreter der Opferverbände von Katyn."

    Antwort auf "Anteilnahme"
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    Es versteht sich von selbst, dass man behördlicherseits verkünden muss, dass die Regierungsgeschäfte "normal" weiter laufen, doch über alle persönliche Tragik hinaus werden die unersetzlichen Verluste auf vielen Gebieten noch lange spürbar bleiben.

    Es versteht sich von selbst, dass man behördlicherseits verkünden muss, dass die Regierungsgeschäfte "normal" weiter laufen, doch über alle persönliche Tragik hinaus werden die unersetzlichen Verluste auf vielen Gebieten noch lange spürbar bleiben.

    • pbosch
    • 12.04.2010 um 13:56 Uhr

    @3

    Dieser Beitrag von Christov Kotowski und die Folgekommentare sind sehr lesenswert. Diese Qualität der Berichtserstattung muss von einem Leser kommen und das ist gut so.

    Jedenfalls herschte gestern in der Redaktion in den ersten Stunden eine regelrechte Löschungshysterie im Forum des Artikels "Polens Präsident Lech Kaczyński ist tot" bis nachhaltige und immer heftiger werdende Proteste für eine Mäßigung (auf beiden Seiten) sorgte. Das habe ich hier in dieser Form noch nie erlebt.

    Jeder noch so sanft kritische Beitrag über die Person Kaczynski wurde gnadenlos weggelöscht. >Das schaukelte den Konflikt zwischen Redaktion und Usern hoch. Und das kann nicht das Anliegen des Herausgebers sein. Natürlich gehören Kommentare die unterhalb der Gürtellinie liegen konsequent entfernt.

    Das war von der Redaktion unprofessionell und stark übertrieben gehandelt zumal die Glorifizierung des Werkes von Lech Kaczynski im Artikel für Widerspruch sorgen musste. Geschichtsverfälschung wird von ZEIT-Lesern nicht geduldet.

    Nehmen Sie diese Zeilen als Beschwerde ernst!

  3. Es versteht sich von selbst, dass man behördlicherseits verkünden muss, dass die Regierungsgeschäfte "normal" weiter laufen, doch über alle persönliche Tragik hinaus werden die unersetzlichen Verluste auf vielen Gebieten noch lange spürbar bleiben.

    Antwort auf "Das sehe ich anders"
  4. Offenbar ist das Flugzeug schon beim ersten Landeanflug gecrasht.
    http://avherald.com/h?art...

    Ist wohl nicht sooo wichtig...

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    Ich war nicht vor Ort, "weltZEIT" aber wahrscheinlich auch nicht. Daher kann ich mich nur darüber wundern, dass er/sie selbstverständlich davon ausgeht, dass die Berichte, wonach es vier Anflugversuche gab, allesamt von einer falschen Quelle abgeschrieben worden seien - während er die hier erwähnte anonyme Quelle "Russian officials" als unbedingt glaubwürdig akzeptiert.

    Ich war nicht vor Ort, "weltZEIT" aber wahrscheinlich auch nicht. Daher kann ich mich nur darüber wundern, dass er/sie selbstverständlich davon ausgeht, dass die Berichte, wonach es vier Anflugversuche gab, allesamt von einer falschen Quelle abgeschrieben worden seien - während er die hier erwähnte anonyme Quelle "Russian officials" als unbedingt glaubwürdig akzeptiert.

  5. Ich war nicht vor Ort, "weltZEIT" aber wahrscheinlich auch nicht. Daher kann ich mich nur darüber wundern, dass er/sie selbstverständlich davon ausgeht, dass die Berichte, wonach es vier Anflugversuche gab, allesamt von einer falschen Quelle abgeschrieben worden seien - während er die hier erwähnte anonyme Quelle "Russian officials" als unbedingt glaubwürdig akzeptiert.

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