Irak Bestürzung nach Anschlägen in Bagdad

Mehrere Anschläge haben die irakische Hauptstadt erschüttert. 50 Menschen starben. Betroffen war auch die deutsche Botschaft. Angela Merkel zeigte sich bestürzt.

Rauch über Bagdad: Drei Sprengsätze waren innerhalb kurzer Zeit in der Hauptstadt gezündet worden

Rauch über Bagdad: Drei Sprengsätze waren innerhalb kurzer Zeit in der Hauptstadt gezündet worden

Selbstmordattentäter haben am Ostersonntag in Bagdad Anschläge auf ausländische Botschaften verübt, darunter auch die deutsche Botschaft. Sie töteten nach Angaben von Augenzeugen und Polizisten vor Ort insgesamt 50 Menschen, rund 200 Menschen wurden verletzt. Zu den Toten gehöre auch ein irakischer Mitarbeiter der deutschen Botschaft, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Drei weitere irakische Mitarbeiter seien verletzt worden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich nach Angaben einer Regierungssprecherin "tief betroffen". Merkel ließ erklären, sie wünsche den Verletzten eine rasche Genesung und fühle mit den Angehörigen der Opfer. Sie teile mit dem irakischen Volk den Wunsch nach einem Ende der Terroranschläge und setze weiterhin auf eine friedliche demokratische Entwicklung im Irak.

Ähnlich äußerte sich auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP). "Unsere Solidarität gilt dem irakischen Volk, das wir in seinem Bemühen um Frieden und Demokratie auch weiter unterstützen werden", hieß es in einer Mitteilung. "Ich verurteile die Bombenanschläge in Bagdad auf das Schärfste." Die deutsche Botschaft in Bagdad liegt versteckt hinter mehreren hohen Betonwänden. Nach Angaben von Diplomaten ist das Bauwerk die "am besten gesicherte deutsche Botschaft weltweit". Im Inneren der Botschaftszone schützen deutsche Sicherheitsleute das Gelände, ihnen vorgelagert ist ein weiterer Schutzwall mit irakischem Wachpersonal.

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Vom Personal der iranischen Botschaft sei niemand verletzt worden, erklärte der iranische Geschäftsträger nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Das ägyptische Außenministerium erklärte in Kairo, dass auch in seiner Botschaft niemand zu Schaden gekommen sei.

Irakische Beobachter vermuten, dass die deutsche Botschaft aber nicht das primäre Ziel der Terroristen war, sondern vielmehr die Vertretungen Syriens und Ägyptens, die im gleichen Viertel liegen. Nach Angaben des Außenministeriums in Kairo wurden vier Ägypter verletzt.

Ein weiterer Selbstmordattentäter sprengte sich im Salihija-Viertel unweit der iranischen Botschaft in die Luft. Hier starben laut Augenzeugen Angestellte einer Bank, die in der Umgebung des Botschaftsgebäudes liegt. Zwei Journalisten wurden verletzt, als in dem nahe gelegenen Gebäude der Journalistengewerkschaft die Fensterscheiben barsten.

Die spanische Botschaft, die neben der deutschen Botschaft liegt, wurde nach spanischen Medienberichten beschädigt. Erst am Samstag waren bei Terrorangriffen südlich von Bagdad 25 Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprecher der irakischen Sicherheitskräfte sprach am
Sonntag von 17 Getöteten und 140 Verletzten in Bagdad. Augenzeugen sagten jedoch, die Opferzahl sei höher gewesen. Einer der Sprengsätze habe einen Kleinbus mit 21 Insassen in Brand gesetzt.

Nach offiziellen Angaben starben zwei Terroristen in Bagdads südlichem Al-Sajdija-Viertel, als sie versuchten, einen Sprengsatz an einem Fahrzeug zu befestigen. Ein dritter Terrorist sei verletzt worden, hieß es.

Viele Einwohner Bagdads vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Terror und den Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung nach der Parlamentswahl vor vier Wochen. Die Anschläge hätten sich gegen Botschaften von Staaten gerichtet, die sich im Irak politisch "einmischten" wie Syrien, der Iran und Ägypten, wurde spekuliert. "Alle diese Explosionen sind nur wegen des Streits um die Macht und um die Regierungsbildung", schrie ein Mann in einer Straße, durch die dichte Rauchschwaden zogen und viele Polizei- und Rettungswagen mit Sirenengeheul rasten.

Die politischen Parteien versuchen derzeit, eine Regierungskoalition zu schmieden. Dabei müssen unterschiedliche politische Strömungen und Glaubensrichtungen unter einen Hut gebracht werden. Wahlsieger Ijad Allawi, der an der Spitze eines säkularen Bündnisses steht, will Nachfolger des amtierenden schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki werden. Doch Al-Maliki, dessen Bündnis den zweiten Platz belegt, will an der Macht bleiben. Er versucht dafür eine Allianz mit den Kurden und den anderen religiösen Schiiten-Parteien zu schmieden.

Bereits am Samstag hatten als Soldaten maskierte Angreifer in einem Dorf südlich von Bagdad bis zu 25 Menschen getötet, darunter fünf Frauen. Unter den Opfern seien Angehörige einer sunnitischen Bürgerwehr, die an der Seite des US-Militärs gegen Terroristen der El Kaida kämpft habe, hieß es. Nach dem Überfall seien 17 Verdächtige festgenommen worden.

 
Leser-Kommentare
  1. Kontrolle verstärken, wenn dutzende von laufenden Bomben einfach so in die Grüne Zone eindringen können.

  2. Wofür genau braucht Deutschland im Moment eine Botschaft in Bagdad?

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    das es diese jetzt dort gibt, hat seinen Grund in einer "Bitte" der USA, der die deutsche Regierung nachgekommen ist.

    das es diese jetzt dort gibt, hat seinen Grund in einer "Bitte" der USA, der die deutsche Regierung nachgekommen ist.

    • trueQ
    • 04.04.2010 um 18:32 Uhr

    Was für ein toller "Widerstand" im Irak - die Opfer sind leider wieder einmal nur Zivilisten.

  3. Die Vernichtungsaktionen der "Befreier" gegen ihr angebliches Klientel zeigen eine unverhüllte Brutalität, der jede Einsicht in die Folgen von Handlungen fehlt, die mit dreist gefälschten religiösen Etiketten verkauft werden. Da haben sie von den Invasoren genau das gelernt, was sie angeblich bekämpfen wollen.
    Bei diesem Vorgehen können angeblich religiöse Motive nur ein Vorwand für blindes Wüten sein, wo man sich mit der Höhe des Schadens brüstet, gleichgültig, wen es trifft.
    Die sich schon so oft in der Geschichte als vergeblich erwiesenen Versuche militärischer Lösungen liefern ständig neuen Rechtfertigungen und tragen vor allem zur Vermehrung unschuldiger Opfer bei. Das haben kurzsichtige Befehlshaber zu verantworten und nicht die Soldaten, die für ihre Realitätsresistenz bezahlen und oft auch sterben müssen.

  4. das es diese jetzt dort gibt, hat seinen Grund in einer "Bitte" der USA, der die deutsche Regierung nachgekommen ist.

    Antwort auf "Bitte um Aufklärung"
    • tower
    • 06.04.2010 um 3:52 Uhr

    die USA kann stolz sein,wo immer sie in den letzten 50 Jahren auftritt und auftrat hinterlässt und hinterliess sie Tot ,Grauen und Verwüstung.Ausserdem eine traumatisierte entwurzelte Bevölkerung,zusätzlich die eigenen zig-tausend traumatisierten Soldaten.Weit und breit kein Verantwortlicher für diese ganzen unnötigen Verbrechen,ausser natürlich die Terroristen die an allen Schuld sind,da lässt sich die eigene Schuld und sämtliches Versagen gut verbergen.

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