Atomstreit Iran weist russische Piloten aus

Russland war lange Zeit ein Fürsprecher Teherans, doch inzwischen will auch Moskau UN-Sanktionen gegen Iran mittragen. Teheran reagiert verunsichert.

Die iranische Regierung hat alle russischen Piloten, die in der Islamischen Republik arbeiten, aufgefordert das Land innerhalb von zwei Monaten zu verlassen. Es gäbe genügend iranische Piloten, die die Aufgabe übernehmen könnten, so der iranische Transportminister. In der Vergangenheit gab es zwar Probleme und Abstürze bei Flugzeugen mit russischen Piloten, doch der Vorgang geht weit darüber hinaus: Iran sieht sich von seinem Partner Russland international im Stich gelassen.

"Die Iraner brauchen Russlands Unterstützung. Das Ausweisen der Piloten zeugt von einer deutlichen Verunsicherung in Teheran", sagt Walter Posch, Iran-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Die beiden Länder pflegen seit langer Zeit gute wirtschaftliche und politische Beziehungen. Im August soll das erste von Russland gebaute Atomkraftwerk in Iran in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig schützte Russland Iran mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat zuverlässig vor Sanktionen. Doch damit soll jetzt Schluss sein, wie Russlands Präsident Dimitrij Medwedjew auf dem Nukleargipfel in Washington bekannt gab.

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Ein weiteres Anzeichen der Verärgerung in Teheran ist eine Forderung, die Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad unlängst an Moskau stellte: Der Kreml solle für die Besetzung Irans durch sowjetische Truppen im Zweiten Weltkrieg Entschädigungszahlungen leisten. Posch sieht dies als Hinweis auf eine weitere Verschlechterung der Beziehung zwischen den beiden Ländern. "Es gibt eine ganze Reihe von Differenzen zwischen Iran und Russland, wie zum Beispiel die Vorherrschaft im kaspischen Raum. Normalerweise werden diese Probleme kaschiert, doch jetzt brechen sie verstärkt hervor." Und auch Moskau scheint die Gefahren eines nuklear bewaffneten Iran und die Möglichkeit eines daraus resultierenden Rüstungswettlaufs mit der damit einhergehenden Instabilität in der Region zu fürchten.

Die Unsicherheit der Situation verstärkend, lud Ahmadineschad am Wochenende zu einem eigenen Atomgipfel. In bekannt schrillem Ton attackierte er die USA und Israel. Der anwesende russische Vertreter empfahl der iranischen Führung Mäßigung im Umgang mit der internationalen Gemeinschaft.

In den USA brach unterdessen am Wochenende erneut eine Diskussion über den richtigen Umgang mit Iran auf. Am Sonntag tauchte ein streng vertrauliches Papier des US-Verteidigungsminister Robert Gates auf, in dem er dem US-Präsidenten Barack Obama vorwirft, keine effektive und langfristige Iran-Strategie zu haben. Laut der New York Times kritisierte er, dass die USA nicht auf den Fall vorbereitet seien, dass Diplomatie und Sanktionen scheitern und Teheran eine Atombombe baue.

Gates teilte mittlerweile mit, dass das Papier vor allem als Denkanstoß gedacht war. Nach dem New York Times-Bericht wollte der Verteidigungsminister bloß einen zeitgerechten Entscheidungsprozess anregen. Mehrere Sprecher der Obama-Regierung wiesen die Vorwürfe zurück. Es gebe seit Monaten Planungen, die alle Szenarien berücksichtigen würden.

Unterdessen hat sich auch Israels Verteidigungsminister Ehud Barak zu Wort gemeldet und überraschenderweise gesagt, dass Iran derzeit keine direkte existenzielle Bedrohung für sein Land sei, wie die israelische Tageszeitung Haaretz berichtet. Angesichts der Tatsache, dass Iran jedoch zu einer Atommacht werden könnte, müsse man weiterhin wachsam bleiben.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Ausweisung der Piloten würde ich nicht überbewerten un da nichts besonderes hineininterpretieren. Russland ist Kernland der SCO und der Iran strebt die Vollmitgliedschaft an. Ich denke, da wird man sich schon einigen.

    Interessanter finde ich die Frage, wer das geheime Memo, in dem Robert Gates vor virtuellen iranischen Atomwaffen warnt, an die Öffentlichtkeit gebracht hat. War es Dennis Ross, Israels Mann im weißen Haus?

    http://axisoflogic.com/ar...

    Wird versucht, mit der Veröffentlichung von Teilen des Memos, davon abzulenken, dass Israel der Staat im nahen Osten ist, der Atomwaffen hat und ununterbrochen Kriegsdrohungen ausstößt? Wenn ja, dann dürfte das Brack Obama gar nicht freuen, dass da jemand versucht, seine Bemühungen um einen Frieden in Nahost auf eine solche Weise zu durchkreuzen.

  2. Es wird zuviel nachgeplappert, was aus den USA und anderswo als Gerüchte in die ZEIT-Redaktionen flattern. Ein wachsames "querlesen" in anderen nichtdeutschen Medien ist da sehr sinnvoll, um nicht völlig in der Ideologie des "Weissen Westens" unterzugehen.

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