Die israelische Journalistin Anat Kam muss mit einer langen Haftstrafe rechnen © Getty Images

Die 23-jährige Anat Kam steht seit fünf Monaten unter Hausarrest, weil sie während ihres Militärdienstes etwa 2000 geheime Dokumente kopiert haben soll. Dies berichteten israelische Medien nach Aufhebung einer monatelangen Nachrichtensperre. Die ehemalige Soldatin habe die Geheimdokumente für ihre journalistische Arbeit verwendet und weitergegeben. Nach Medienberichten belegen sie, dass die Armee im Westjordanland gezielt Palästinenser tötet, statt sie festzunehmen.

Die Journalistin, die zuletzt für die Online-Nachrichten Wallah! arbeitete, müsse mit einer langen Haftstrafe rechnen. Bereits im Januar sei gegen Kam Anklage wegen Spionage und Verletzung der Staatssicherheit erhoben worden, hieß es in den Medien.

Kam soll auch dem Journalisten Uri Blau von der israelischen Zeitung Haaretz geheime Armeedokumente zugespielt haben. Er hatte im November 2008 einen aufsehenerregenden Bericht unter dem Titel Lizenz zum Töten geschrieben. Darin wirft er der Armee vor, entgegen einer Entscheidung des höchsten Gerichts gezielt militante Palästinenser im Westjordanland zu töten, statt sie festzunehmen. In dem Artikel berichtete er über Inhalte geheimer Treffen im Büro des Militärkommandanten Jair Naveh, in dem Kam gedient hatte.

Blau hält sich gegenwärtig in London auf und will erst nach Israel zurückkommen, wenn klar ist, dass er keine Festnahme zu befürchten hat. Er weigert sich nach Medienberichten auch, einen Teil der geheimen Dokumente zurückzugeben. Bei den von Kam kopierten Dokumenten soll es sich unter anderem um Anweisungen zu gezielten Tötungen sowie um Informationen über israelische Truppenbewegungen handeln.

In einer Stellungnahme von Haaretz hieß es, alle Artikel von Uri Blau seien damals dem Militärzensor vorgelegt worden und hätten dessen "volle Zustimmung" erhalten. Im September 2009 habe Blau mit dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet ein Abkommen unterzeichnet. Im Rahmen der Vereinbarung habe Blau Dutzende von Dokumenten übergeben und dafür die Zusage des Geheimdienstes erhalten, dass er nicht zu seinen journalistischen Quellen befragt wird. Kurz darauf habe Schin Bet jedoch Kam unter dem Verdacht festgenommen, dass sie Blaus Quelle war. Im Januar sei auch Blau zu einer Befragung eingeladen worden – damit habe Schin Bet gegen die Zusage verstoßen.