Tod des Präsidenten Kaczynski Eine Tragödie, die über Polen hinausreicht

Polens verstorbener Präsident Lech Kaczynski war ein Gestriger, dessen Denkschablonen aus der Zeit des Kalten Krieges stammten. Dennoch hat er in Polen Großes geleistet.

Ein Meer von Kerzen umrahmt das Portrait des getöteten Lech Kaczynski vor dem Präsidentenpalast in Warschau

Ein Meer von Kerzen umrahmt das Portrait des getöteten Lech Kaczynski vor dem Präsidentenpalast in Warschau

Es ist eine Tragödie, die weit über Polen hinausgeht, ein Messerstich ins Herz. Da stirbt der Präsident und mit ihm die Spitzen der Generalität und der Elite, einen Steinwurf weg von Katyn, jenem Schicksalsort Polens, an dem Stalins Schergen schon einmal die Eliten des Landes ermordeten. Da wird ein Russlandhasser zum Opfer – an Bord einer Sowjetmaschine, im Landeanflug auf Smolensk, zerschellt in den Nebeln Westrusslands. Ein Opfer – einer Nation, die an Opfern und an Opferbereitschaft mehr zu bieten hat als wohl jedes andere Land in Europa.

Wer da gestorben ist, war ein Gestriger, gewiss. Einer, dessen Denkschablonen tief im Kalten Krieg steckengeblieben waren. Einer, der sich von der Beschwörung des polnischen Opfermythos mehr politischen Gewinn versprach als von einem Aufbruch in eine europäische Zukunft – gerade die Deutschen erinnern sich an merkwürdige Versuche, polnische Kriegsopfer und deutsche EU-Zahlungen miteinander zu verknüpfen.

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Fünf Jahre stand er an Polens Spitze. Jetzt kam der Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz ums Leben

Wer da gestorben ist, war auch einer, dessen populistische Law-and-Order-Parolen nach innen kaum mehr verfingen. Längst war die Zeit der Dominanz der Kaczynskis vorbei, spätestens mit der Abwahl seines Bruders Jaroslaw als Ministerpräsident vor vier Jahren. Jetzt bestimmen der moderate Regierungschef Tusk und seine Gefolgsleute das Geschehen. Kaczynskis Besuch im Windschatten des historischen Treffens seines Gegners Tusk vor drei Tagen in Katyn mit Wladimir Putin ist dafür ein tragisches Zeichen. Auch im aufziehenden Präsidentschaftswahlkampf spielte Kaczynski keine Rolle mehr; es bleibt abzuwarten, ob Bruder Jaroslaw aus dem Tod Lechs innenpolitisch Kapital schlagen will und selbst antritt. 

Leser-Kommentare
  1. De mortuis nil nisi bene!

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    wie ich schon bereits bei anderen Artikeln schrieb gibt es ein Kondolenzbuch der polischen Wochenzeitung Wprost. Ich denke ein Eintrag dort auf Englisch, Deutsch oder gar Polnisch kommt vllt. bei den Opfern und dem poln. Volk eher an...

    http://www.wprost.pl/ar/1...

    wie ich schon bereits bei anderen Artikeln schrieb gibt es ein Kondolenzbuch der polischen Wochenzeitung Wprost. Ich denke ein Eintrag dort auf Englisch, Deutsch oder gar Polnisch kommt vllt. bei den Opfern und dem poln. Volk eher an...

    http://www.wprost.pl/ar/1...

  2. Wieso sollte es neutral betrachtet etwas "Großes" sein, die Herrschaft von "Postkommunisten" beendet zu haben?
    Sind nicht ehemalige Kommunisten, die ihre Lektion gelernt haben, immer noch besser, als Nationalisten am Rande des Rechtsextremismus, die ihre Lektion nicht gelernt haben?

    Und braucht Polen wirklich eine weitere Stärkung seines "nationalen Bewußtseins"? Ich hatte nicht das Gefühl, daß es Polen daran gebricht.

    Der ehrbare Versuch der ZEIT, über einen Toten nur Gutes zu sagen, hat hier leider gezeigt, daß da nichts zu sagen ist. Vielleicht wäre auf privater Ebene was gegangen -- nur wäre das dem archaischen Personenkult um "nationale Eliten", der leider mitunter hysterische Züge annimmt ("noch ist Polen nicht verloren"), und dem sich offenbar auch ein vergleichsweise aufgeklärtes Blatt wie die ZEIT nicht entziehen mag, nicht gerecht geworden.

    Ein Präsident ist 1 Mensch. Nicht mehr und nicht weniger.

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    Diesen Kommentar hätten sie sich sparen können. Wenn sie keine Ahnung von Geschichte haben sollten sie sich auch nicht äußern. Was soll dieses Gerede von Neutralität haben sie kein Bewusstsein für historische Wahrheiten oder Wahrheit im Allgemeinen. Aus ihren Kommentar hört man eine gewisse Gleichgültigkeit und Indifferenz was man als Intellektuele Stumpfheit bezeichnen kann. Hier geht es nicht um Personenkult oder dergleichen es geht um die Ehrung von Opfern und Opferbereitschaft. Sie verstehen das anscheined nicht. Ich als Pole kann Ihnen sagen das die Opfer vieler Menschen unser jetztiges Leben erst möglich gemacht haben. Wenn ein Mensch oder Präsident diese Werte hochhält dann ist das in jedem Fall etwas großes. Hier gehts um Liebe zum Vaterland ohne andere Nationen auszuschließen denn in jedem Land muss es eine gesunde Portion von Patriotismus vorhanden sein. Was ist ihre historische Identität wer sind sie wofür stehen sie? wenn sie das nicht wissen, dann leben sie in der "Geworfenheit der Zeit" wie Heidegger ohne Verbindung zur Vergangenheit und daher auch ohne Zukunft.

    Diesen Kommentar hätten sie sich sparen können. Wenn sie keine Ahnung von Geschichte haben sollten sie sich auch nicht äußern. Was soll dieses Gerede von Neutralität haben sie kein Bewusstsein für historische Wahrheiten oder Wahrheit im Allgemeinen. Aus ihren Kommentar hört man eine gewisse Gleichgültigkeit und Indifferenz was man als Intellektuele Stumpfheit bezeichnen kann. Hier geht es nicht um Personenkult oder dergleichen es geht um die Ehrung von Opfern und Opferbereitschaft. Sie verstehen das anscheined nicht. Ich als Pole kann Ihnen sagen das die Opfer vieler Menschen unser jetztiges Leben erst möglich gemacht haben. Wenn ein Mensch oder Präsident diese Werte hochhält dann ist das in jedem Fall etwas großes. Hier gehts um Liebe zum Vaterland ohne andere Nationen auszuschließen denn in jedem Land muss es eine gesunde Portion von Patriotismus vorhanden sein. Was ist ihre historische Identität wer sind sie wofür stehen sie? wenn sie das nicht wissen, dann leben sie in der "Geworfenheit der Zeit" wie Heidegger ohne Verbindung zur Vergangenheit und daher auch ohne Zukunft.

  3. Sicherlich, er war innenpolitisch höchst umstritten und die Methoden seiner Vermarktung und der Parteidarstellung weisen zweifelhafte Züge auf. Eine rigorose Verknüpfung zwischen Kirchen- und Bürgermoral. Kaczynski war wohl auf europäischen Bühne mehr als Querolant und Dauer-Aufstehmännchen. Hat er nicht hinreichend genug vor einer zu großen Abhängigkeit vom Oligarchen-Russland gewarnt? Hat er sich nicht -als einer der wenigen Staatsmänner Zentraleuropas- für den Fortbestand und Souverinität eines freien Georgiens eingesetzt? Da konnten eine Frau Merkel und ein totbleicher Aussenminister Steinmeyer vor Neid erblassen.Hiesige Ex-Kanzler haben da schon mit den Oligarchen den Scheckbuch-Nordstreampakt geschlossen.In dieser Hinsicht ist Herr Kaczynski seinen Werten treu geblieben.Das ist ein Erbgut, auf das die Polen wohl mit Stolz aufbauen können.

    • joG
    • 11.04.2010 um 15:09 Uhr

    ....dass Er ein "Gestriger" war, so entspricht das lediglich dem hier dominanten Paradigma und ist als Behauptung ohne Inhalt zu sehen, wenn man das nicht etwas besser argumentiert. Durch die Wiederholung des Paradigma spielt man ein Lied, das die Bevölkerung hören will, festigt jedoch hiesige Vorurteile.

  4. 5. Polen

    "Ein Opfer – einer Nation, die an Opfern und an Opferbereitschaft mehr zu bieten hat als wohl jedes andere Land in Europa."
    Nicht übertreiben! Die SU hat viel mehr verloren und überstanden als der ganze Westen zusammen in seiner ganzen Geschichte. Sich ständig als Opfer dazustellen ist ziehmlich leicht.

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    • fire11
    • 12.04.2010 um 1:06 Uhr

    Stalin hat seine eigenen Leute ermordert!!!!,Die Polen haben in Katyn Ihre Leute nicht ermordet.Also wie kann mann so eine inkompetente Aussage tätigen. Also mit 25 Jahren denke ich besuchen Sie wieder die Schule und passen Sie in der Schule auf wenn der Professor Unterrichtet.(Winny22)

    • fire11
    • 12.04.2010 um 1:06 Uhr

    Stalin hat seine eigenen Leute ermordert!!!!,Die Polen haben in Katyn Ihre Leute nicht ermordet.Also wie kann mann so eine inkompetente Aussage tätigen. Also mit 25 Jahren denke ich besuchen Sie wieder die Schule und passen Sie in der Schule auf wenn der Professor Unterrichtet.(Winny22)

  5. Was ist das denn für ein Schwulst? *lol*

  6. wie ich schon bereits bei anderen Artikeln schrieb gibt es ein Kondolenzbuch der polischen Wochenzeitung Wprost. Ich denke ein Eintrag dort auf Englisch, Deutsch oder gar Polnisch kommt vllt. bei den Opfern und dem poln. Volk eher an...

    http://www.wprost.pl/ar/1...

    Antwort auf "Wie der Lateiner sagt:"
  7. Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass die Medien doch nicht so frei sind, wie sie sich in einem demokratischen System gerne darstellen. Diese ganzen Lobhuldigungen auf dem verstorbenen Kaczyniski widersprechen doch sehr dem zu Lebzeiten von den deutschen Medien gezeichneten Bild. Werden hier Anweisungen der Regierung befolgt, soll das Volk in seiner Meinungsbildung manipuliert werden? Ich verstehe das nicht.

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    • Ypsi
    • 11.04.2010 um 23:17 Uhr

    Ich kann mich Ihrer Meinung nur anschließen.

    • joG
    • 12.04.2010 um 7:17 Uhr

    ....besser, die Medien würden schweigen, als so offensichtlich bis zur Verlogenheit übertriebene Trauer zu heucheln, nur weil das von ihnen erwartet wird.

    • Ypsi
    • 11.04.2010 um 23:17 Uhr

    Ich kann mich Ihrer Meinung nur anschließen.

    • joG
    • 12.04.2010 um 7:17 Uhr

    ....besser, die Medien würden schweigen, als so offensichtlich bis zur Verlogenheit übertriebene Trauer zu heucheln, nur weil das von ihnen erwartet wird.

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