Afghanistan Empörung über Karsais Äußerungen zum Wahlbetrug

Der afghanische Präsident Karsai hat "Ausländer" für die weit verbreitete Wahlmanipulation in seinem Land verantwortlich gemacht. Die USA und die Uno zeigten sich empört.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat "Äusländern" die Schuld am Wahlbetrug während der Präsidentschaftswahlen gegeben

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat "Äusländern" die Schuld am Wahlbetrug während der Präsidentschaftswahlen gegeben

Nach seinem umstrittenen Wahlsieg im vergangenen Jahr hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai "Ausländer" für die weitverbreitete Wahlmanipulation verantwortlich gemacht. Gleichzeitig warf er dem Westen vor, die im September geplante Parlamentswahl stoppen zu wollen. "Es gab Wahlbetrug bei den Präsidenten- und Provinzwahlen, ohne Zweifel gab es weitverbreiteten Betrug, sehr massiven Betrug", sagte Karsai. "Aber nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, die Ausländer waren das."

Der Präsident beschuldigte insbesondere den früheren stellvertretenden UN-Missionschef in Afghanistan, Peter Galbraith, und den Chef der EU-Wahlbeobachtermission, Philippe Morillon, die Wahlen manipuliert zu haben. Ohne Details zu nennen, sagte er zudem, "einige Botschaften" hätten versucht, Mitglieder der Wahlkommission zu bestechen. Der Amerikaner Galbraith hatte seinem damaligen Chef, dem Norweger Kai Eide, Verharmlosung des Wahlbetrugs vorgeworfen und wurde daraufhin von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon abberufen. Morillon, der erklärt hatte, 1,5 Millionen Stimmen seien manipuliert, verließ das Land vor Verkündung des Endergebnisses.

Anzeige

Karsais politisches Image war durch die Betrugsvorwürfe stark angekratzt worden. Ein von den USA unterstütztes Beobachterteam hatte bei der Wahl am 20. August 2009 massive Unregelmäßigkeiten aufgedeckt und danach rund ein Drittel der Stimmen für ungültig erklärt. Vor der geplanten Stichwahl zog sich Karsais Herausforderer, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah, zurück, so dass Karsai zum Sieger erklärt wurde.

Das US-Außenministerium forderte Karsai auf, zunächst die Korruption im eigenen Land zu bekämpfen; die Uno reagierte empört. US-Außenamtssprecher Philip Crowley sagte, Karsai müsse zunächst selbst einen "Schritt nach vorn" machen. Karsais Regierung müsse "die internationale Gemeinschaft und das afghanische Volk überzeugen, dass sie entscheidende Schritte zur Bekämpfung der Korruption unternimmt", forderte Crowley. Offen blieb, welche Konsequenzen Karsais Äußerungen für seine Einladung nach Washington Mitte Mai haben. Obama hatte Afghanistan am Sonntag einen Blitzbesuch abgestattet und Karsai ins Weiße Haus eingeladen.

Galbraith sagte, er habe bei Karsais Äußerungen zunächst an einen Aprilscherz gedacht. Seine Vorwürfe seien "absurd und lächerlich" und zeigten, wie unzuverlässig Karsai als Verbündeter sei. Dadurch werde auch der militärische Einsatz in Afghanistan schwieriger.

Auch Karsais ehemaliger Herausforderer Abdullah kritisierte den Präsidenten heftig. Dieser habe die Schuld am Wahlbetrug "dem Parlament, der internationalen Gemeinschaft, den Menschen in Afghanistan und der Opposition" zugeschoben. Dies sei "inakzeptabel", sagte Abdullah. Vielmehr seien die ihm wohlgesonnenen Mitarbeiter der Wahlbehörden die "Drahtzieher des massiven Betrugs".

 
Leser-Kommentare
  1. vom Thron gestürtzt. Was denkt sich dieser Mann eigentlich. Nur weil die Truppen der Ausländer ihn schützen gibt es ihn überhaupt noch an der politischen Oberfläche.

  2. Wahlfaelschung, Stimmenkauf ist in vielen Laender nichts ungewoehlich.
    Afganistan, Philippinen sind typische Beispiele...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bestechung ist ein harmloses Mittel, um seine Ziele zu erreichen. (siehe Auch Siemens, Daimler, .....)
    Was solls? Heute helfen wir in Afgstan "Frieden" zu schaffen.
    Viele Politiker nutzen dieses Land auch für Kurzbesuche (Außenminister, Verteidigungsminister, Entwicklunghilfeminister). Morgen werden wir Soldaten schicken um die korrupte Regierung zu stürzen,(Siehe Irak), die wir heute unterstützen und ihnen das Schiessen beibringen.
    Wir machen gerne nach, was die Amerikaner uns vor machen!

    Bestechung ist ein harmloses Mittel, um seine Ziele zu erreichen. (siehe Auch Siemens, Daimler, .....)
    Was solls? Heute helfen wir in Afgstan "Frieden" zu schaffen.
    Viele Politiker nutzen dieses Land auch für Kurzbesuche (Außenminister, Verteidigungsminister, Entwicklunghilfeminister). Morgen werden wir Soldaten schicken um die korrupte Regierung zu stürzen,(Siehe Irak), die wir heute unterstützen und ihnen das Schiessen beibringen.
    Wir machen gerne nach, was die Amerikaner uns vor machen!

  3. Bestechung ist ein harmloses Mittel, um seine Ziele zu erreichen. (siehe Auch Siemens, Daimler, .....)
    Was solls? Heute helfen wir in Afgstan "Frieden" zu schaffen.
    Viele Politiker nutzen dieses Land auch für Kurzbesuche (Außenminister, Verteidigungsminister, Entwicklunghilfeminister). Morgen werden wir Soldaten schicken um die korrupte Regierung zu stürzen,(Siehe Irak), die wir heute unterstützen und ihnen das Schiessen beibringen.
    Wir machen gerne nach, was die Amerikaner uns vor machen!

  4. Herr Karsai relativiert seine Äußerung -Besatzer und Eindringlinge.
    Er sprach aus was Afghanen und er selbst denken und das erklärt auch die erfolglosen Einsätze westlicher Länder.
    Es wird nicht nur gegen Taliban gekämpft. Die Truppen werden gebraucht- aber sie sind nicht willkommen.
    8 Jahre Einsatz in Afghanistan und man merkt immer noch nicht das nicht nur die Taliban sondern auch die Afghanen "Gegner" sind. Die Fremden Truppen sind Besatzer- in den Augen der Afghanen. Dieser Krieg ist in den Augen der Bevölkerung Krieg.
    Wir führen Krieg und verharmlosen- da wir sonst zugeben müßten- verfassungswidrig zu handeln.
    Walter Wasilewski

    • blum1
    • 05.04.2010 um 23:45 Uhr

    Wer Wahlen manipuliert, den kann man auch sonst nicht trauen. Ich hatte einige Jahre in dieser Region geschäftlich zu tun , dieses Land kann man nicht mit unseren demokratischen Maßstäben messen und es ist auch seit dreißig Jahren vergebene Liebesmühe dort politisch was zu ändern. So hart das klingt, alle raus und dann sollen sie mit sich selber klar kommen. h.blum

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service