Zweiter Weltkrieg Putin gedenkt der polnischen Opfer von Katyn
In Katyn wurden 1940 Tausende polnische Offiziere und Intellektuelle ermordet. Trotz Spannungen zwischen beiden Ländern haben sich Tusk und Putin die Hand gereicht.
Historische Versöhnungsgeste am Ort eines Massenmords: 70 Jahre nach dem Massaker von Katyn hat Wladimir Putin als erster Moskauer Regierungschef die westrussische Gedenkstätte Katyn besucht. Gemeinsam mit seinem polnischen Kollegen Donald Tusk legte er am Mahnmal für Tausende vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordete polnische Offiziere und Intellektuelle Kränze nieder. Danach reichten sich Tusk und Putin die Hand. Das Treffen gilt als im belasteten Verhältnis beider Länder als Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung.
Zuvor hatten Geistliche mehrerer Glaubensrichtungen für die im Frühjahr 1940 erschossenen Opfer gebetet. Anschließend gingen die Regierungschefs zu dem Teil der Gedenkstätte, wo russische Tote begraben liegen. Das Massaker an den Polen war von Sowjetdiktator Josef Stalin angeordnet worden. Moskau hatte erst 1990 seine Schuld eingeräumt.
Einen ersten vorsichtigen Schritt hatte Putin bereits im vergangenen Jahr getan. Die russische Nation verstehe gut die polnische "Sensibilität" in der Katyn-Frage, hatte der Ex-Kremlchef im August vor einer Reise nach Danzig zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns in einem Beitrag für die Warschauer Zeitung Gazeta Wyborcza geschrieben. Polen und Russen sollten "gemeinsam die Erinnerung an die Opfer dieses Verbrechens pflegen".
Der Wald von Katyn ist ein stiller Ort, rund 400 Kilometer westlich von Moskau. Kein Verkehrsschild deutet auf das Areal hin, das sich außerhalb einer Kleinstadt über rund 100 Hektar erstreckt. Während Russland die Finanzierung der Gedenkstätte seit 2004 immer weiter zurückfuhr, präsentiert sich der polnische Teil des Geländes würdevoll. Tief zwischen Eichen, Birken und Buchen steht eine Hunderte Meter lange Mauer mit DIN-A4-großen Messingplatten, darauf die Namen von rund 4200 durch Genickschuss getöteten Soldaten.
Als die einmarschierte Wehrmacht 1943 die Massengräber entdeckte, wies Stalin die Verantwortung zurück und beschuldigte die "deutschen Faschisten" der Morde. Diese Geschichtsfälschung galt nach Kriegsende im ganzen sowjetisch kontrollierten Raum, einschließlich der DDR. Erst 1990 bekannte sich der damalige Kremlchef Michail Gorbatschow zur Schuld seines Landes. Sein Nachfolger Boris Jelzin übergab 1993 an Polen geheime Akten und entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer mit den Worten: "Vergebt uns, wenn ihr könnt." Russland lehnt aber weiter ab, das Verbrechen als Völkermord anzuerkennen. Putin verweist darauf, dass Sowjetbürger in Katyn in den 1930er Jahren auch von Polen und später von deutschen Besatzern ermordet wurden.
Umso mehr gilt Putins Einladung an Tusk in Warschau als wichtige Geste. Die gemeinsame Gedenkfeier sei ein "Symbol von unschätzbarem Wert", hatte der polnische Regierungschef in einer ersten Reaktion gesagt. Der für Kriegsgräber zuständige Regierungsvertreter Andrzej Przewoznik sprach von einer "historischen Dimension" des Treffens. Und die Gazeta Wyborcza feierte die Erstausstrahlung des Andrzej-Wajda-Films Das Massaker von Katyn im Moskauer Staatsfernsehen vergangene Woche gar als "Zeichen einer polnisch-russischen Wende".
Nach der russischen TV-Premiere hatten im Studio Historiker und Politiker über Katyn diskutiert. "Es gibt keine Alternative zur Wahrheit über diese Tragödie", sagte der Chef des auswärtigen Duma-Ausschusses, Konstantin Kossatschow. Der Historiker Alexander Tschubarjan forderte mit Polen "eine Versöhnung wie mit Deutschland". "Geschichte darf nicht von Politikern missbraucht werden." Die Moskauer Zeitung Wremja kritisierte, dass russische Veteranen am 9. Mai Stalin bei Siegesfeiern zum 65. Jahrestag des Kriegsendes mit Billigung der Stadtverwaltung Moskau auf Plakaten feiern wollten. Dies sei angesichts von Katyn "unverständlich".
Im Vorfeld der Gedenkveranstaltung in Katyn hatte die Kommunistische Partei in Russland eine neue Untersuchung des Massenmords gefordert. Eine vom Parlament ernannte Untersuchungskommission solle alle Gräber in dem Wald in Westrussland untersuchen, die Toten identifizieren und das genaue Datum der Massenhinrichtungen herausfinden, forderte Parteisekretär Sergej Obuchow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.
Das Massaker müsse zudem in einem Zusammenhang "mit dem Tod von 60.000 russischen Kriegsgefangenen in polnischen Gefängnissen nach Polens Angriff auf den sowjetischen Staat 1920" gesehen werden, sagte Obuchow. Bislang werde das Massaker von Katyn "anti-russisch" interpretiert, kritisierte er. Die Regierung sei nicht in der Lage, das "geopolitische Interesse" Russlands und die "historische Wahrheit" zu schützen.
- Datum 07.04.2010 - 15:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 13
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50 Jahre lang hat Russland bzw. die Sowjetunion in der ganzen Welt propagiert, dass Deutschland den Massenmord von Katyn begegangen habe - all die Jahre wohl wissend, dass man selbst der Mörder war. Auch Großbritannien und die USA wussten es. Aber man hat geschwiegen um das Bild in der Welt vom an allem schuldigem Deutschen nicht zu beschädigen. Die russische Staatsführung hatte auch keine Skrupel, ein Gerichtsverfahren zu inszenieren und deutsche 'Täter' zum Tode zu verurteilen und hinzurichten. Es wäre das Mindeste, diese Menschen nun zu rehabilitieren, sofern sie sich keiner anderen Verbrechen schuldig gemacht haben.
Erstaunlich, dass es trotz sicherlich umfangreicher Dokumentationsarbeit der Deutschen 1941 den deutschen Historikern bis 1990 nicht möglich war, ihre Sicht der Geschehnisse wissenschaftlich wirksam werden zu lassen.
Ein Paradigma?
Im Osten war der persönliche Einsatz höher.
Was soll daran erstaunlich sein ?
(Leicht verärgert) Es gibt doch diesen Ausdruck
"schweinchen-schlau"
Im Osten war der persönliche Einsatz höher.
Was soll daran erstaunlich sein ?
(Leicht verärgert) Es gibt doch diesen Ausdruck
"schweinchen-schlau"
Das Putin soweit gehen würde, hätte ich vor kurzem nicht für möglich gehalten. Sehr gut !
Leider operiert die ZEIT wieder mal mit Halbwahrheiten:
"Diese Geschichtsfälschung galt nach Kriegsende im ganzen sowjetisch kontrollierten Raum, einschließlich der DDR."
Stimmt nicht ! USA, GB haben mitgelogen !
Und warum werden nur die Ermordenten von Katyn genannt ?
Der Aktion zur Vernichtung eines wichtigen Teils der polnischen Elite vielen 14 700 Offiziere (und nicht Soldaten) sowie ca. 11 000 weitere Gefangene zum Opfer.
Sie verbreiten hier in Bezug auf eine angebliche Mitverantwortung der USA und UKs in Bezug auf die Vertuschung des Verbrechens in Katyn Unwahrheiten. So schreibt Wikipedia:
"At the London conference that drew up the indictments of German war crimes before the Nuremberg trials, the Soviet negotiators put forward the allegation, "In September, 1941, 925 Polish officers who were prisoners of war were killed in the Katyn Forest near Smolensk." The US negotiators agreed to include it, but were "embarrassed" by the inclusion (noting that the allegation had been debated extensively in the press) and concluded that it would be up to the Soviets to sustain it.[59] At the trials in 1946, Soviet General Roman A. Rudenko, raised the indictment, stating that "one of the most important criminal acts for which the major war criminals are responsible was the mass execution of Polish prisoners of war shot in the Katyn forest near Smolensk by the German fascist invaders",[60] but dropped the matter after the United States and United Kingdom refused to support it and German lawyers mounted an embarrassing defense"
"n 1951 and 1952, in the background of the Korean War, a U.S. Congressional investigation chaired by Rep. Ray J. Madden and known as the Madden Committee investigated the Katyn massacre. It charged that the Poles had been killed by the Soviets[1] and recommended that the Soviets be tried before the International Court of Justice."
Sie verbreiten hier in Bezug auf eine angebliche Mitverantwortung der USA und UKs in Bezug auf die Vertuschung des Verbrechens in Katyn Unwahrheiten. So schreibt Wikipedia:
"At the London conference that drew up the indictments of German war crimes before the Nuremberg trials, the Soviet negotiators put forward the allegation, "In September, 1941, 925 Polish officers who were prisoners of war were killed in the Katyn Forest near Smolensk." The US negotiators agreed to include it, but were "embarrassed" by the inclusion (noting that the allegation had been debated extensively in the press) and concluded that it would be up to the Soviets to sustain it.[59] At the trials in 1946, Soviet General Roman A. Rudenko, raised the indictment, stating that "one of the most important criminal acts for which the major war criminals are responsible was the mass execution of Polish prisoners of war shot in the Katyn forest near Smolensk by the German fascist invaders",[60] but dropped the matter after the United States and United Kingdom refused to support it and German lawyers mounted an embarrassing defense"
"n 1951 and 1952, in the background of the Korean War, a U.S. Congressional investigation chaired by Rep. Ray J. Madden and known as the Madden Committee investigated the Katyn massacre. It charged that the Poles had been killed by the Soviets[1] and recommended that the Soviets be tried before the International Court of Justice."
Im Osten war der persönliche Einsatz höher.
Was soll daran erstaunlich sein ?
(Leicht verärgert) Es gibt doch diesen Ausdruck
"schweinchen-schlau"
Putin ist ein eiskalter Machtmensch. Der ehemalige KGB-Mann tut alles, wenn es ihm nur nützt. Mir fällt es deshalb schwer, ihm seine Trauer um die polnischen Toten wirklich abzunehmen. Schon vergessen, die Giftmorde an russischen Oppositionellen in London vor einigen Jahren? Die Täterschaft konnte nie eindeutig geklärt werden. Aber die Spuren führten nach Moskau... Auch die Menschen in Tschetschenien und in anderen nach der Unabhängigkeit von Russland strebenden Ländern, die seit Jahren unter Putins Knute leiden, müssen dessen Trauerbekundungen in Katyn als Farce empfinden.
Das sehe ich genauso. Trotzdem ist diese Geste wertvoll für die Verbesserung des Klimas zwischen Polen und Rußland.
Erwartungsgemäß bekommen wir keinen Erklärungsversuch von der ZEIT, welches Kalkül bei Putin dahintersteckt.
Ein russischer Patriot. Deutschland herzlich verbunden. Ein Realpolitiker. Trockener Pragmatiker.
Hatte erst das unter dem Us-Vasallen Jelzin entstandene soziale Elend beseitigt, den unkontrollierten Zustrom von Us-Spekulationskapital unterbunden und dessen Strohmänner eingebuchtet, hat wieder eine ordentliche Rüstung auf die Beine gestellt, um die Blütenträume der Us-Administration auszunüchtern, hat die gemeinsamen Interessen der Westeuropäer und der Russen propagiert, sammelt peu a peu die in allerlei gefakten "Revolutionen" rund um Russland entstandenen Us-Militärbasen wieder ein.
Übrigens ein sehr netter Mensch. Trank gerne Radeberger. Liebte Bockwurst mit Bautzner Senf. Achtete die Deutschen und verschonte sie im Gegensatz zu den "Westalliierten" trotz 30 Millionen sowjetrussischer Weltkriegsopfer stets mit revanchistischen Allüren.
Das sehe ich genauso. Trotzdem ist diese Geste wertvoll für die Verbesserung des Klimas zwischen Polen und Rußland.
Erwartungsgemäß bekommen wir keinen Erklärungsversuch von der ZEIT, welches Kalkül bei Putin dahintersteckt.
Ein russischer Patriot. Deutschland herzlich verbunden. Ein Realpolitiker. Trockener Pragmatiker.
Hatte erst das unter dem Us-Vasallen Jelzin entstandene soziale Elend beseitigt, den unkontrollierten Zustrom von Us-Spekulationskapital unterbunden und dessen Strohmänner eingebuchtet, hat wieder eine ordentliche Rüstung auf die Beine gestellt, um die Blütenträume der Us-Administration auszunüchtern, hat die gemeinsamen Interessen der Westeuropäer und der Russen propagiert, sammelt peu a peu die in allerlei gefakten "Revolutionen" rund um Russland entstandenen Us-Militärbasen wieder ein.
Übrigens ein sehr netter Mensch. Trank gerne Radeberger. Liebte Bockwurst mit Bautzner Senf. Achtete die Deutschen und verschonte sie im Gegensatz zu den "Westalliierten" trotz 30 Millionen sowjetrussischer Weltkriegsopfer stets mit revanchistischen Allüren.
Das sehe ich genauso. Trotzdem ist diese Geste wertvoll für die Verbesserung des Klimas zwischen Polen und Rußland.
Erwartungsgemäß bekommen wir keinen Erklärungsversuch von der ZEIT, welches Kalkül bei Putin dahintersteckt.
Die Würdigung der Toten von Katyn ist ein erhebender wichtiger Meilenstein in Richtung historischer Warhaftigkeit und Frieden zwischen ehemaligen Gegnern. Aber Aufklärung und Aufarbeitung von Verbrechen an schuldlosen Menschen während und nach dem 2. Weltkrieg sind damit nicht abgeschlossen, besonders auf russischer, polnischer und tschechischer Seite. Einer dauerhaften Versöhnung und Freundschaft müssen Aufklärung, Aufarbeitung und die Bitte um Verzeihung vorausgehen.
Sie verbreiten hier in Bezug auf eine angebliche Mitverantwortung der USA und UKs in Bezug auf die Vertuschung des Verbrechens in Katyn Unwahrheiten. So schreibt Wikipedia:
"At the London conference that drew up the indictments of German war crimes before the Nuremberg trials, the Soviet negotiators put forward the allegation, "In September, 1941, 925 Polish officers who were prisoners of war were killed in the Katyn Forest near Smolensk." The US negotiators agreed to include it, but were "embarrassed" by the inclusion (noting that the allegation had been debated extensively in the press) and concluded that it would be up to the Soviets to sustain it.[59] At the trials in 1946, Soviet General Roman A. Rudenko, raised the indictment, stating that "one of the most important criminal acts for which the major war criminals are responsible was the mass execution of Polish prisoners of war shot in the Katyn forest near Smolensk by the German fascist invaders",[60] but dropped the matter after the United States and United Kingdom refused to support it and German lawyers mounted an embarrassing defense"
"n 1951 and 1952, in the background of the Korean War, a U.S. Congressional investigation chaired by Rep. Ray J. Madden and known as the Madden Committee investigated the Katyn massacre. It charged that the Poles had been killed by the Soviets[1] and recommended that the Soviets be tried before the International Court of Justice."
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