Kirgistan Wenn Regime plötzlich zerfallen
In Kirgistan hat das Volk die Geduld mit seinen korrupten Autokraten verloren. Den USA sollte es eine Lehre sein.
© VYACHESLAV OSELEDKO/AFP/Getty Images

Nizhniy Orok bei Bischkek: Beten für die Opfer der Rebellion
Bischkek, Kirgistan: Seit Jahren scheint das kirgisische Volk eine nur schwer zu erreichende Schmerzgrenze zu haben. Während der härtesten Winter fror es klaglos, trotz der Gerüchte, dass die herrschende Familie den Strom an die Nachbarländer verkaufte. Und auch die Wahlen wurden manipuliert, aber die Kirgisen scherzten darüber. Sie bräuchten nicht zu wählen, sagten sie, denn "der Staat übernimmt das für uns."
Die lang ersehnte und von vielen erhoffte Intervention von außen – in Gestalt eines befreienden Reinstürmens der großen Brüder in Moskau oder Washington, die die Gerechtigkeit wiederherstellen würden – kam nie zustande. Im Gegenteil. Der Kreml gratulierte Präsident Kurmanbek Bakijew zu seinen betrügerischen Wahlen und die Amerikaner schienen sich lediglich für den Stützpunkt in Manas zu interessieren. Die kleine, marginalisierte Opposition des Landes konnte höchstens ein paar hundert Menschen zu einer Demonstration mobilisieren.
Niemand, auch nicht die Vereinigten Staaten, deren Stützpunkt in Kirgistan eine wichtige Station für Truppen und Material nach und aus Afghanistan ist, sah einen Grund um zu glauben, dass sich dies ändern würde.
Doch an nur einem einzigen Tag der letzten Woche wurde das kirgisische Regime hinweggefegt. Die Geschwindigkeit des Zusammenbruchs hat die Gerüchteküche angeheizt, dass fremde Kräfte, mit Russland als Hauptverdächtigen, beteiligt waren. Aber die Erklärung könnte viel einfacher sein: Gewöhnliche Menschen haben diese Rebellion (es war keine Revolution, auch nicht der Putsch im Jahr 2005 war es) zustande gebracht. Ja, die Opposition schien mit ihnen zeitweise gar nicht recht mithalten zu können. Präsident Bakijew und seine allmächtige Familie haben mit ihrer, wie es ein Mitarbeiter des Präsidenten nannte, "pathologischen Gier", den Aufstand verursacht.
Der Bruch geschah bereits an Neujahr, als Präsident Bakijew es tatsächlich schaffte, die Schmerzgrenze des kirgisischen Volkes zu überschreiten: Die Heiz- und Stromtarife wurden verdoppelt, weitere Erhöhungen für später im Jahr zudem angekündigt. Es handelte sich um eine massive Belastung für das durchschnittliche Haushaltsbudget. Die Maßnahmen wurden als Reform des freien Marktes beschrieben, um Mittel für das klapprige Stromnetz zu erhöhen.
Doch das glaubten nur wenige. Die Skepsis kippte schon wenige Wochen später um in Zorn, als das profitabelste Energieunternehmen des Landes privatisiert wurde. Der neue Eigentümer bezahlte weniger als drei Millionen Dollar, obwohl die Regierung Ende 2008 das Unternehmen auf 137 Mio. Dollar geschätzt hatte. Durch gestiegene Preise erfuhr der neue Besitzer zusätzlich einen angenehmen Geldsegen. Viele Menschen glaubten, dieser sei niemand anderes als der Sohn des Präsidenten, Maxim Bakijew.
Die ersten Demonstranten gingen Ende Februar auf die Straße, in der kältesten Stadt des Landes, in Naryn. Die Demonstrationswelle erfasste Bishkek, verbreitete sich in den Süden und Osten und schlug dann wieder in Bishkek auf.
- Datum 14.04.2010 - 17:01 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Glaubt jemand ernsthaft, die USA seien lernfähig?
Sie ließen von irgendjemandem oder irgend etwas belehren?
schon....
....ist von hieraus kaum zu beurteilen. Schließlich haben die USA weit mehr Erfahrung, übernehmen Verantwortung in Situationen und in einem Ausmaß, die wir hier nicht kennen. Wir sehen unsere Hilflosigkeit doch sehr deutlich in Kunduz und lernen gerade, dass die Welt nicht so ist, wie wir das vor ein paar Monaten noch dachten.
Nimmt man aber deutsches Handeln der Vergangenheit zu Grundlage, so muss man glauben, das Deutschland aus wesentlich weniger dringendem Grund, Diktaturen unterstützen würde. Das tat man bspw lange Zeit im Iran oder Syrien, weil man die Nischengewinne abgreifen wollte, die Einem die US Sanktionen ermöglichten.
schon....
....ist von hieraus kaum zu beurteilen. Schließlich haben die USA weit mehr Erfahrung, übernehmen Verantwortung in Situationen und in einem Ausmaß, die wir hier nicht kennen. Wir sehen unsere Hilflosigkeit doch sehr deutlich in Kunduz und lernen gerade, dass die Welt nicht so ist, wie wir das vor ein paar Monaten noch dachten.
Nimmt man aber deutsches Handeln der Vergangenheit zu Grundlage, so muss man glauben, das Deutschland aus wesentlich weniger dringendem Grund, Diktaturen unterstützen würde. Das tat man bspw lange Zeit im Iran oder Syrien, weil man die Nischengewinne abgreifen wollte, die Einem die US Sanktionen ermöglichten.
schah-regime, pinochet, apartheid-südafrika, taliban (damals: mudschaheddin), saddam hussein, etc, etc...
und bis heute die crazy heiliges-land-besiedler und die nicht minder crazy schwarzes-gold-und lustige-religionen-exportierer.
hmmm...warum sehen die 'freunde' der 'freien welt' nur immer so merkwürdig aus? zufall oder fehler im system ;)
ps: hab' ich wen vergessen?
batista und armas fallen mir spontan noch ein. aber da wird soch noch eine menge finden.
" schah-regime, pinochet, apartheid-südafrika, taliban (damals: mudschaheddin), saddam hussein, etc, etc..."
Ja, ich fragte mich immer schon, wieso die BRD diesen Leuten so nahe war und mit dem Handel sie unterstützte. Können Sie mir das erklären?
batista und armas fallen mir spontan noch ein. aber da wird soch noch eine menge finden.
" schah-regime, pinochet, apartheid-südafrika, taliban (damals: mudschaheddin), saddam hussein, etc, etc..."
Ja, ich fragte mich immer schon, wieso die BRD diesen Leuten so nahe war und mit dem Handel sie unterstützte. Können Sie mir das erklären?
batista und armas fallen mir spontan noch ein. aber da wird soch noch eine menge finden.
... sollen die USA jetzt daraus lernen?
Die USA haben den Verhältnissen doch durchaus Rechnung getragen:
- Für Vorteile an den jeweiligen Machthaber bezahlen. Der Nächste braucht das Geld gerade so wie der Vorgänger, also ein stabiles System.
- Aus der Innenpolitik heraushalten, sodass die geschlossenen Verträge nicht zur Belastung für die jeweils neuen Regierungen werden.
Das wird auch hier wieder funktionieren.
ich verstehe auch nicht, was die Amerikaner aus diesem Fall lernen sollen. Seit wann suchen sich die Amerikaner die Verbündeten nach den Kriterien freie Wahlen und Medien, den demokratischen Diskurs und einer starken Opposition? Diktaturen sind da doch viel besser, berechenbar und mit genügend Geld auch kontrollierbar. Z.B. gibt es keine Gefahr, dass durch einen Parlamentsbeschluss auf einmal Rohstoffexporte beschränkt werden.
So ganz plötzlich war es wohl nicht. Vor ein paar Jahren gab es einen ähnlichen Vorfall. Die Texte gleichen sich.
http://www.zeit.de/2005/1...
Ausserdem war es doch so, erinner ich mich recht, dass vor ein paar Monaten über die amerikanischen Truppen im Land diskutiert wurde?
Das neue kirgisische Regime hat bereits bestätigt, dass es die US-Stützpunkte weiter aufrecht erhalten wird.
mal abgesehen davon, dass hieraus nicht nur der Westen, sondern auch anderen ähnliche Regime-Führungen etwas lernen könnten. Die Linken sollten also, wie derern Altvorderer K.Marx ja letztlich doch schon ableitete, erkennen, dass die Völker nicht immer nur unterdrückt werden, sondern dass jedes Volk letztlich die Regierung hat, die es sich verdient. Hat es sich hier (allzu sehr) geiirt, dann kann so ein Volk dies manchmal durchaus auch ganz schnell und unkonventionell korrigieren...!
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