Kirgistan "Spezialeinsatz" gegen kirgisischen Präsidenten geplant

Der weggeputschte Präsident Bakijew hat sich im Süden des Landes verschanzt. Die Übergangsregierung droht ihm mit Gewalt. Er warnt vor Blutvergießen und Bürgerkrieg.

Der gestürzte Präsident Kurmanbek Bakijew mobilisiert seine Anhänger

Der gestürzte Präsident Kurmanbek Bakijew mobilisiert seine Anhänger

Vizeregierungschef Omurbek Tekebajew wählte deutliche Worte: Sollte der gestürzte Präsident Kurmanbek Bakijew versuchen, die Situation zu "destabilisieren", sei die Interimsregierung "bereit, Gewalt anzuwenden".

"Bakijew muss zurücktreten und diese Entscheidung dem Volk mitteilen", sagte er im kirgisischen Radio. Der bisherige Präsident war vor der Gewalt der Revoltierer in Bischkek in seine Heimatstadt Dschalalabad im Süden des Landes geflohen. Ein Vertreter der Interimsregierung sagte, "Spezialkräfte" seien dahin geschickt worden, um eine Flucht Bakijews und seiner Familie zu verhindern. Sollten Bakijew und seine Gefolgschaft Widerstand leisten, würden sie "zerstört", sagte Toptschubek Turgunalijew.

Anzeige

Die Übergangsregierung wirft Bakijew vor, Staatsgelder veruntreut und ein Korruptionssystem zugunsten seines Familienclans errichtet zu haben. Am Wochenende herrschte angespannte Ruhe. Unweit von Bischkek wurden im Beisein von Vertretern der Übergangsregierung 16 der fast 100 Todesopfer der Unruhen beigesetzt.

Der gestürzte Präsident warnte in seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Flucht aus der Hauptstadt Bischkek jedoch eindringlich vor einer Eskalation. "Lasst sie versuchen, mich festzunehmen. Lasst sie versuchen, mich zu töten", sagte Bakijew nach einer Kundgebung mit mindestens 2000 Anhängern in seinem Heimatort Tejjit. "Ich glaube, das wird zu einem nicht zu rechtfertigenden Blutvergießen führen."

"Ich bin der Präsident und niemand kann mich absetzen", rief Bakijew seinen Anhängern in der 25-minütigen Rede zu. Wiederholt wurde er dabei von Sprechchören und lautem Applaus unterbrochen. Zugleich bekräftigte er seine Bereitschaft zu Gesprächen mit der selbst ernannten Regierung, deren Legitimation er jedoch nicht anerkenne. "Ich nenne sie nur Banditen. Es ist eine Fehlbezeichnung, sie die Opposition zu nennen", sagte Bakijew.

Bakijew bat die UN um die Entsendung von Soldaten, um die Ordnung im Land aufrechtzuerhalten. "Die Polizei ist gelähmt. Das Verteidigungsministerium ebenfalls", sagte er der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. "Deshalb müssen UN-Blauhelmsoldaten nach Kirgistan kommen."

In den USA allerdings stößt die neue kirgisische Führung auf Wohlwollen: "Wir arbeiten mit der Übergangsregierung zusammen", hatte US-Botschafterin Tatiana Gfoeller mitgeteilt. Washington unterstütze das kirgisische Volk auf dem Weg in die Demokratie politisch und wirtschaftlich.

Die USA begannen nach Angaben der US-Botschaft in Bischkek aber über Manas, Hilfsgüter nach Kirgistan zu bringen. Über humanitäre Hilfe unterhielten sich am Wochenende telefonisch auch US-Außenministerin Hillary Clinton und die kirgisische Interimsregierungschefin Rosa Otunbajewa. Otunbajewa sicherte demnach die Einhaltung der bestehenden Verträge zu.

Auch den Transport seiner Truppen für Afghanistan über den Luftwaffenstützpunkt Manas hat Washington inzwischen wieder aufgenommen. Der Betrieb auf der Basis Manas bei Bischkek laufe wieder normal, teilte die US-Botschaft am Montag auf ihrer Internetseite mit. Vorübergehend waren diese nach dem blutigen Aufstand eingestellt worden. 

Kirgistan rechnete auch mit Hilfen aus Russland. Der neue Vize-Regierungschef, Almasbek Atambajew, war in der vergangenen Woche nach Moskau gereist, um dort im Namen der Übergangsregierung um wirtschaftliche Unterstützung zu bitten. "Wir stehen vor einem Defizit bei der Ölproduktion und Engpässen in der Staatskasse", sagte ein Vertreter der Interimsregierung. Zahlreiche, durch die Unruhen beschädigte Regierungsgebäude müssten repariert werden. Russland hatte die neue Regierung bereits anerkannt.

Bei den Unruhen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften am Mittwoch kamen nach jüngsten Angaben 81 Menschen ums Leben. Von den mehr als 1650 Verletzten befand sich noch etwa ein Drittel im Krankenhaus.

 
Leser-Kommentare
  1. wie sich Volksvertreter schnell von der Masse abheben und sich die Taschen voll stopfen und mitnehmen, was mitzunehmen ist für sich und ihre Familien und sich einen Dreck darum kümmern, wie es der Bevölkerung geht. Egal ob hier Kirgistan oder bei uns mehr in Hinsicht auf ein Regieren gegen die Bürger von Merkel und Co.. Wann dämmert es in diesen Gehirnen, wann erscheint ein Funke, der ihnen sagt, dass da irgendwie mehr sein muss als persönlichen kalten dummen Egoismus walten zu lassen? Vermutlich nie, anscheinend hat das Machtspiel immer nur einen Sieger und ein Ziel: Die Ausbreitung des eigenen Ego, natürlich gut getarnt und vielen Ausreden umkleistert und die Unterdrückung der anderen. Dauerparty auf Kosten der Mehrheit.Die einzige vernünftige Konsequenz ist für den Normalbürger entweder nicht zu wählen oder durch seine Wahl die etablierten Parteien deutlich zu schwächen. Die bisher (nicht) ausgeführte Demokratie macht es dem Haifisch zu leicht, Beute zu machen unter dem Applaus der anderen Selbstbediener. Eine Lösung ist sehr einfach: Politiker werden nicht mehr Entscheider sondern reine Informationsbeschaffer als Grundlage, die Entscheidungen fällt dann der Bürger. Niemand soll mir sagen, dass das nicht geht. Das Merkel und Co. das nicht wollen, das ist ja vollkommen klar. Deswegen lieber vorher weg mit ihnen bevor kirgisische oder thailändische Lösungen notwendig werden.

  2. Es ist wohl etwas übertrieben zu berichten, dass die neue Regierung die Verträge einhalten will. Soweit ich höre, ist das vorläufig, da man die Stützpunkte-Verträge leider noch nicht gefunden hat in all dem Durcheinander. Aber nätürlich helfen Hilfsgüter und die offizielle Anerkennung der Regierung durch die USA durchaus bei der Suche nach den Dokumenten.

  3. ...Publikum deutlich gemacht, was unter Demokratie zu verstehen ist: Was den Herrschenden in den Kram passt.

    Man vergleiche das unwürdige Getue um Zelaya mit der "Behandlung" des Falles Bakijew.

    Honi soit qui mal y pense.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service