Zensur Kurierservice DHL hilft Kubas Regime beim Schnüffeln

Yoani Sánchez, weltbekannte Bloggerin aus Havanna, wirft DHL vor, die Zensur in Kuba zu unterstützen. Das Unternehmen reagiert: An lokale Gesetze müsse man sich halten.

Starbloggerin Yoani Sánchez aus Kuba sieht sich von DHL betrogen

Starbloggerin Yoani Sánchez aus Kuba sieht sich von DHL betrogen

Google hat sich – nach langem Zögern – der chinesischen Zensur verweigert, der deutsche Kurierservice DHL ist offenbar noch nicht so weit: Kubas Starbloggerin Yoani Sánchez wirft dem deutschen Unternehmen vor, die Postzensur in dem kommunistisch regierten Karibikstaat zu unterstützen. "DHL akzeptiert Verletzungen des Postgeheimnis', nur um in Kuba Geschäfte machen zu können", sagte die international mehrfach prämierte Bloggerin ZEIT ONLINE am Telefon. Die Deutsche-Post-Tochter DHL und weitere ausländische Unternehmen in Kuba "befolgen die ideologischen Filter, die die Regierung auferlegt hat"

Sánchez' Kritik entzündete sich an einer Sendung von Beleg-Exemplaren ihres im Ausland publizierten Buchs Cuba Libre. Die in Argentinien aufgegebene DHL-Sendung kam zwar in Havanna an, wurde ihr aber im dortigen DHL-Büro nicht ausgehändigt. Nach mehrmaligen Rückfragen habe DHL ihr mitgeteilt, das Paket sei "konfisziert" worden.

Bereits zuvor habe sich DHL geweigert, Filmaufnahmen ihrer Familie nach Spanien zu senden. Besonders pikant: Es war eine DHL-Angestellte in Havanna, die ihr vorgeworfen habe, "Feindpropaganda" versenden zu wollen.

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Das konfiszierte Buch Cuba Libre, das auch auf Deutsch vorliegt, ist eine Sammlung ausgewählter Beiträge aus ihrem bekannten Blog Generation Y. Es enthalte nichts Anstößiges, sagt Sánchez. Ihre minutiösen Betrachtungen des realsozialistischen Alltags auf Kuba wurden unter anderem mit Spaniens prestigeträchtigen Ortega-und-Gasset-Preis bedacht und auch von der Deutschen Welle ausgezeichnet. Das US-Magazin Times wählte Sánchez unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt. In Kuba ist das Blog der 34-jährigen Literaturwissenschaftlerin gesperrt.

DHL teilte auf Anfrage von ZEIT ONLINE mit, die Vorwürfe von Sánchez derzeit zu überprüfen. Postsprecher Claus Korfmacher sagte, Sendungen aus dem Ausland nach Kuba würden nicht gesondert kontrolliert. "Pakete und Briefe nach Kuba werden von uns nicht geöffnet", sagte Korfmacher. Unklar ist allerdings, was mit den Paketen geschieht, nachdem sie in Kuba eingetroffen sind. Denn die DHL-Filiale dort wird von einem unabhängigen Dienstleister betrieben, der zwar unter dem DHL-Logo auftritt, aber nicht zum Postkonzern gehört. Ob bei DHL auf Kuba in der Post geschnüffelt wird, vermag Korfmacher darum nicht zu sagen: "Über andere Unternehmen machen wir keine Aussagen." DHL-Politik sei allerdings, dass sich lokale Vertragspartner an die lokalen Gesetze halten müssen.

Und die kubanischen Gesetze haben es in sich. Wer als Feind der Revolution gilt, riskiert nach dem als "Maulkorbgesetz" verrufenen Artikel 88 bis zu 20 Jahre Haft – zuletzt geschehen im Frühjahr 2003, als 75 Oppositionelle in Massenurteilen zu drakonischen Haftstrafen verurteilt wurden. Angebliches Beweismaterial waren damals belauschte Telefongespräche sowie abgefangene E-Mails und Postsendungen.

Leser-Kommentare
  1. Noch nie gehört.
    Außerdem. Was interessiert es DHL, was eine Internet-Pantoffelheldin aud Kuba für Ansichten ihm gegenüber vertritt?

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    Ich bezweifel mal, dass Ignoranz Bestandteil irgendeiner erfolgreichen Unternehmensstrategie ist. Wenn DHL in der Bevölkerung mehr Vertraut wurde als der staatlichen Konkurrenz, so ist das ein Wettbewerbsvorteil. Wenn der nun bei einem Teil der Leute wegfällt, so interessiert das DHL vermutlich schon ;).

    Ich bezweifel mal, dass Ignoranz Bestandteil irgendeiner erfolgreichen Unternehmensstrategie ist. Wenn DHL in der Bevölkerung mehr Vertraut wurde als der staatlichen Konkurrenz, so ist das ein Wettbewerbsvorteil. Wenn der nun bei einem Teil der Leute wegfällt, so interessiert das DHL vermutlich schon ;).

  2. ... Unternehmen verlangen das es ein politisches Gewissen hat.
    Das wäre sogar hinderlich im Zeichen der Globalisierung.
    Die Öl-Industrie hat auch kein Umweltgewissen, die Fleischindustrie keine vegetarierfreundlichen Produkte.
    DHL liefert pakete aus. Egal ob in einem demokratischen Land oder einer Diktatur.
    Es ist nicht Aufgabe von DHL Politik zu machen, sondern sich an die Gesetze der Länder zu halten in denen es tätig ist.

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    Ich dachte bei den ersten paar Zeilen, dass Sie das ironisch meinen.

    Nun, der letzte Satz aber zeigt, dass Sie wohl einem Märchen aufsitzen. Große Unternehmen machen natürlich Politik, sonst könnten sie auch nicht ihre Interessen bei den Regierungen vertreten! Die Unternehmen sind allerdings geschickt darin, das Märchen von den unpolitischen Unternehmen, natürlich rein profiorientierten Unternehmen aufrecht zu erhalten.
    Die Frage nach den Menschenrechten, wie im Artikel beschrieben, könnte man auch so beantworten, dass es eine sozialpolitische oder einfach eine moralische Frage ist. Moral im Kapitalismus? *lach*

    Ich dachte bei den ersten paar Zeilen, dass Sie das ironisch meinen.

    Nun, der letzte Satz aber zeigt, dass Sie wohl einem Märchen aufsitzen. Große Unternehmen machen natürlich Politik, sonst könnten sie auch nicht ihre Interessen bei den Regierungen vertreten! Die Unternehmen sind allerdings geschickt darin, das Märchen von den unpolitischen Unternehmen, natürlich rein profiorientierten Unternehmen aufrecht zu erhalten.
    Die Frage nach den Menschenrechten, wie im Artikel beschrieben, könnte man auch so beantworten, dass es eine sozialpolitische oder einfach eine moralische Frage ist. Moral im Kapitalismus? *lach*

  3. Ich bezweifel mal, dass Ignoranz Bestandteil irgendeiner erfolgreichen Unternehmensstrategie ist. Wenn DHL in der Bevölkerung mehr Vertraut wurde als der staatlichen Konkurrenz, so ist das ein Wettbewerbsvorteil. Wenn der nun bei einem Teil der Leute wegfällt, so interessiert das DHL vermutlich schon ;).

    Antwort auf "Yoani Sánchez"
  4. und was für eine Schlagzeile!

    "DHL hilft Kubas Regime beim Schnüffeln."

    Gibts doch längst schon auf dem amerikanischen Kontinent.

    "Die USA wollen außer der europäischen Telekommunikation nun auch die herkömmliche Post überwachen. In Zukunft sollen Absender und Empfänger von Briefen und Paketen vier Stunden vor dem Eintreffen in den USA elektronisch übermittelt werden"

    http://www.stern.de/polit...

    "DHL, ursprünglich eine amerikanische Firma, hat seinen Sitz in den USA und Deutschland. Auf diesem Wege wurden klammheimlich amerikanische Gesetze auch auf Deutschland ausgedehnt."

    http://www.zeit.de/online...

    und etwas ausführlicher

    http://www.heise.de/tp/r4...

  5. Ich finde es eine enrsthafte Frechheit, dass gerade ein deutsches Unternehmen derartige Geschäfte macht. Wo ist die Moral, wo ist Verantwortung geblieben? Statt deine Demokratisierung oder auch nur die Anerkennung der Menschenrechte zu unterstützen, helfen sie diesem unlegitimen, authoritären Regime, ihre Bevölkerung weiterhin zu unterdrücken und Ihnen sämtliche humane Rechte zu enthalten. Eine Frechheit, sowas gutzuheißen! Es sollte jemand In dieser Welt genügend Rückgrad haben, der "Regierung" zu zeigen, dass es so nciht geht und sie mit den menschen nciht machen können, was sie wollen.

    Mein Lob an Yoani Sánchez, die für Ihre Mitmenschen eintritt und nciht alles mitmacht.

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    "...helfen sie diesem unlegitimen, authoritären Regime, ihre Bevölkerung weiterhin zu unterdrücken und Ihnen sämtliche humane Rechte zu enthalten. Eine Frechheit, sowas gutzuheißen!"

    Na aber, da werden ganz andere Sachen für gut befunden.

    Bevor Sie sich also weiter über Kuba aufregen, lesen Sie zur Abwechslung die Links im Kommentar 5 und steigen Sie mal tiefer in das Thema ein.

    Hier noch ein weiterer Verweis:

    "Die CBP verlangt diese elektronische Bereitstellung der Kundendaten, noch bevor die Pakete in den USA eintreffen. Vier Stunden vor der Landung des Transportflugzeugs müssen die Daten den US-Behörden vorliegen. Ein Handelsabkommen ( Trade Act ) mit der Europäischen Union aus dem Jahr 2004 sieht vor, dass auch Strafverfolgungsbehörden sie einsehen können und dass sie mit kommerziellen Datenbanken abgeglichen werden dürfen.

    !!!
    Dieses Vorgehen hat erhebliche Auswirkungen auf das deutsche Post- und Briefgeheimnis sowie auf den Datenschutz.
    !!!

    Daher hätte es einer umfassenden Information des Parlaments und der Öffentlichkeit bedurft.

    Doch waren stattdessen klammheimlich Fakten geschaffen worden."

    http://www.zeit.de/online...

    Wenn wir ein Produkt aus der Volksrepublik China kaufen unterstützen wir doch auch die dortige Terrorherrschaft, wo ist denn da die Moral?
    Und wir kaufen sehr viel aus China. Drehen sie mal ihre Tastatur um und sehen sie nach wo die hergestellt wurde.

    ... das sind inzwischen die Blogger ihrer Länder geworden. Natürlich kann man solche Tendenzen verschlafen und dann sagen, nie gehört. Klar, die werden von den Medien nicht groß gefeiert. Und die meisten Journalisten sind faul und tragen nur das weiter, was ihnen sowieso vor die Nase gehalten wird. Auf Menschen, die in gefährderter Kleinarbeit die Verhältnisse verändern wollen, wird man auf diese Weise nicht aufmerksam. Von denen, wie auch den ägyptischen Bloggern, hört man nur durch Menschenrechtsorganisationen. Meistens, wenn es zu spät ist.

    "...helfen sie diesem unlegitimen, authoritären Regime, ihre Bevölkerung weiterhin zu unterdrücken und Ihnen sämtliche humane Rechte zu enthalten. Eine Frechheit, sowas gutzuheißen!"

    Na aber, da werden ganz andere Sachen für gut befunden.

    Bevor Sie sich also weiter über Kuba aufregen, lesen Sie zur Abwechslung die Links im Kommentar 5 und steigen Sie mal tiefer in das Thema ein.

    Hier noch ein weiterer Verweis:

    "Die CBP verlangt diese elektronische Bereitstellung der Kundendaten, noch bevor die Pakete in den USA eintreffen. Vier Stunden vor der Landung des Transportflugzeugs müssen die Daten den US-Behörden vorliegen. Ein Handelsabkommen ( Trade Act ) mit der Europäischen Union aus dem Jahr 2004 sieht vor, dass auch Strafverfolgungsbehörden sie einsehen können und dass sie mit kommerziellen Datenbanken abgeglichen werden dürfen.

    !!!
    Dieses Vorgehen hat erhebliche Auswirkungen auf das deutsche Post- und Briefgeheimnis sowie auf den Datenschutz.
    !!!

    Daher hätte es einer umfassenden Information des Parlaments und der Öffentlichkeit bedurft.

    Doch waren stattdessen klammheimlich Fakten geschaffen worden."

    http://www.zeit.de/online...

    Wenn wir ein Produkt aus der Volksrepublik China kaufen unterstützen wir doch auch die dortige Terrorherrschaft, wo ist denn da die Moral?
    Und wir kaufen sehr viel aus China. Drehen sie mal ihre Tastatur um und sehen sie nach wo die hergestellt wurde.

    ... das sind inzwischen die Blogger ihrer Länder geworden. Natürlich kann man solche Tendenzen verschlafen und dann sagen, nie gehört. Klar, die werden von den Medien nicht groß gefeiert. Und die meisten Journalisten sind faul und tragen nur das weiter, was ihnen sowieso vor die Nase gehalten wird. Auf Menschen, die in gefährderter Kleinarbeit die Verhältnisse verändern wollen, wird man auf diese Weise nicht aufmerksam. Von denen, wie auch den ägyptischen Bloggern, hört man nur durch Menschenrechtsorganisationen. Meistens, wenn es zu spät ist.

  6. Ich dachte bei den ersten paar Zeilen, dass Sie das ironisch meinen.

    Nun, der letzte Satz aber zeigt, dass Sie wohl einem Märchen aufsitzen. Große Unternehmen machen natürlich Politik, sonst könnten sie auch nicht ihre Interessen bei den Regierungen vertreten! Die Unternehmen sind allerdings geschickt darin, das Märchen von den unpolitischen Unternehmen, natürlich rein profiorientierten Unternehmen aufrecht zu erhalten.
    Die Frage nach den Menschenrechten, wie im Artikel beschrieben, könnte man auch so beantworten, dass es eine sozialpolitische oder einfach eine moralische Frage ist. Moral im Kapitalismus? *lach*

  7. "...helfen sie diesem unlegitimen, authoritären Regime, ihre Bevölkerung weiterhin zu unterdrücken und Ihnen sämtliche humane Rechte zu enthalten. Eine Frechheit, sowas gutzuheißen!"

    Na aber, da werden ganz andere Sachen für gut befunden.

    Bevor Sie sich also weiter über Kuba aufregen, lesen Sie zur Abwechslung die Links im Kommentar 5 und steigen Sie mal tiefer in das Thema ein.

    Hier noch ein weiterer Verweis:

    "Die CBP verlangt diese elektronische Bereitstellung der Kundendaten, noch bevor die Pakete in den USA eintreffen. Vier Stunden vor der Landung des Transportflugzeugs müssen die Daten den US-Behörden vorliegen. Ein Handelsabkommen ( Trade Act ) mit der Europäischen Union aus dem Jahr 2004 sieht vor, dass auch Strafverfolgungsbehörden sie einsehen können und dass sie mit kommerziellen Datenbanken abgeglichen werden dürfen.

    !!!
    Dieses Vorgehen hat erhebliche Auswirkungen auf das deutsche Post- und Briefgeheimnis sowie auf den Datenschutz.
    !!!

    Daher hätte es einer umfassenden Information des Parlaments und der Öffentlichkeit bedurft.

    Doch waren stattdessen klammheimlich Fakten geschaffen worden."

    http://www.zeit.de/online...

    Antwort auf "Empörung"

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