Historisches Abkommen Der Start-Vertrag ist nur ein Auftakt

USA und Russland rüsten ab. Doch am Montag geht es bereits um die Sicherung globalen Nuklearmaterials - und im Mai um den Nichtverbreitungsvertrag.

Einsatzbereit? Technische Überprüfung an einer Interkontinentalrakete der 
U.S. Air Force

Einsatzbereit? Technische Überprüfung an einer Interkontinentalrakete der U.S. Air Force

Der 8. April 2010 wird in die Geschichtsbücher eingehen. Nicht nur, weil die Präsidenten der beiden größten Atommächte in Prag ihre Unterschrift unter einen wichtigen bilateralen Abrüstungsvertrag mit dem bedeutsamen Namen "New Start" gesetzt haben. Sondern weil diese seit Langem erwartete, feierliche Unterzeichnung der Auftakt zu einem über viele Wochen andauernden Abrüstungsreigen ist. Er führt von Prag über Washington nach New York.

Den Anfang machen der neue Start-Vertrag und Obamas soeben verkündete neue nukleare Sicherheitsstrategie. Sie heißt Nuclear Posture Review und stuft die Bedeutung der Atombombe für Amerikas Verteidigung deutlich herab. Sodann treffen sich am Montag und Dienstag in der amerikanischen Hauptstadt 47 Staats- und Regierungschefs zum Atomgipfel, um Maßnahmen zu beraten gegen in aller Welt herumvagabundierendes strahlendes Material, das Terroristen in die Hände fallen könnte.

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Im Mai jedoch geht es schließlich um das Eigentliche, um das Zentrum aller Anstrengungen: Unter dem Dach der Vereinten Nationen versammeln sich die 189 Mitglieder des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags (NPT). Sie wollen das vierzig Jahre alte Werk auf den neuesten Stand bringen – und retten. Amerika drängt und drängelt, denn am Ende dieses Reigens möchte Barack Obama seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt ein Stück nähergekommen sein.

Es war fast auf den Tag genau vor einem Jahr, da verkündete der frischgebackene amerikanische Präsident am 5. April 2009 unter strahlend blauem Himmel auf dem Prager Burgplatz: "Hier und heute verkünde ich klar und voller Überzeugung Amerikas Bereitschaft und Verpflichtung, nach Frieden und Sicherheit einer Welt ohne Atomwaffen zu streben."

Dreh- und Angelpunkt dieses Traums und dieses Versprechens ist der Nichtverbreitungsvertrag mit seinen drei zentralen Verpflichtungen: Erstens, die fünf sich bekennenden Atommächte rüsten schrittweise ab. Zweitens, alle anderen verzichten auf den Bau der Bombe. Als Gegenleistung dürfen sie, drittens, die Kernspaltung für zivile Zwecke nutzen und werden dabei unterstützt. Die Wiener Internationale Atomenergieorganisation IAEO überwacht die Einhaltung des Vertrags und leistet Hilfe bei der friedlichen Nutzung der Kernspaltung. Alles, was in diesen Wochen unterschrieben und verhandelt wird, dient diesen drei Verpflichtungen.

Also auch der Start-Vertrag. Wenige Tage vor der Prager Rede hatten sich Barack Obama und der russische Präsident Dmitrij Medwedjew in London bereits auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zur Verminderung strategischer Atomwaffen geeinigt. Am 5. Dezember 2009 lief dieser Vertrag aus – und spätestens bis dahin sollte ein neuer unter Dach und Fach sein. Eigentlich sah man keine großen Hindernisse und glaubte die Hürden bis dahin schnell ausgeräumt zu haben. Doch es dauerte viel länger. Zehnmal trafen sich die Verhandler in Genf, 14 mal sprachen die beiden Präsidenten miteinander. Einmal, so ist verbürgt, soll Barack Obama entnervt den Hörer aufgelegt haben.

Am Ende aber einigte man sich, die atomaren Sprengköpfe und ihre Trägersysteme um ein Drittel zu reduzieren. Beide Staaten dürfen künftig bis zu 1550 einsatzbereite Sprengköpfe und 700 Trägersysteme – Langstreckenraketen, Schiffe, Flugzeuge – besitzen. Weitere 100 Trägersysteme dürfen sie in Reserve halten. Bis zu 18 mal im Jahr können Russen und Amerikaner zu gegenseitigen Inspektionsreisen aufbrechen, um nachzuprüfen, ob die Vereinbarung auch eingehalten wird.

Leser-Kommentare
  1. Wenn man will das sich Atomwaffen nicht weiter verbreiten dann geht das schlecht über eine Angriffsdrohung. Die "friedliche" Nutzung der Atomenergie muß beendet werden. Es sind nur zwei Seiten einer Medallie.

  2. Aber bereits jetzt hat Netanjahu schon seine Teilnahme an dem Gipfel abgesagt.
    Da kann der beste nicht in Frieden wohnen, wenn der Nachbar es nicht will.
    Aber trotz allem ist der neue Vertrag nur zu begrüßen. Sicher ist es richtig den gänzlichen Verzicht auf Atomwaffen zu fordern. Gleichwohl wird eine solche Forderung nie eingelöst werden können.

  3. kallewestrich: Abrüsten-aufrüsten-abrüsten-aufrüsten... Die Maschine muss laufen, sonst bringt das ja nichts, oder? Deutschland verhält sich podiumsmoralisch auch wahnsinnig zurückhaltend, ist aber der 3.größte Waffenexporteur.

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    .. Schnauze halten und weiter dealen. Da is nix podiumsmoralisch. War schon immer so, wird wohl auch so bleiben. Waffen darf man getrost verkaufen. Wenn ich aber ne Maschine in den Iran liefern möchte, die z.B. Dichtungen herstellen kann, hab ich durch die Ausfuhrkontrolle schon Kopfweh, bevor die Quotation abgeschickt ist.

    Denn schauen wir uns die Exporte mal an. Das absolute Groß geht an andere EU Staaten, das ist quasi Inland (sag ich einfach mal so, ich finde zwischen EU und BRD kann man realpolitisch nicht mehr trennen?!).

    Und wenn Israel deutsche Uboote geliefert bekommt, fast geschenkt weil die Bundesregierung einen Millionenbeträg drauflegt, dann finden das auch Linke auf einmal toll. Wenn schon die Linken so widersprüchlich und inkonsistent sind wie soll es da eine starke Öffentlichkeit gegen Rüstungsexporte geben.

    Im Übrigen sind mir 100.000 Panzer mit konventionellen Waffen lieber als eine Atombombe.

    Zwei Weltkriege verloren, schlimm draufgezahlt und wieder Waffenexport und wieder "wir sind die ersten, wir sind die besten, wir sind die EU, hochverschuldet, abe das kriegen wir schon hin." Kriegen? ... und das Volk sagt nichts dazu!

    .. Schnauze halten und weiter dealen. Da is nix podiumsmoralisch. War schon immer so, wird wohl auch so bleiben. Waffen darf man getrost verkaufen. Wenn ich aber ne Maschine in den Iran liefern möchte, die z.B. Dichtungen herstellen kann, hab ich durch die Ausfuhrkontrolle schon Kopfweh, bevor die Quotation abgeschickt ist.

    Denn schauen wir uns die Exporte mal an. Das absolute Groß geht an andere EU Staaten, das ist quasi Inland (sag ich einfach mal so, ich finde zwischen EU und BRD kann man realpolitisch nicht mehr trennen?!).

    Und wenn Israel deutsche Uboote geliefert bekommt, fast geschenkt weil die Bundesregierung einen Millionenbeträg drauflegt, dann finden das auch Linke auf einmal toll. Wenn schon die Linken so widersprüchlich und inkonsistent sind wie soll es da eine starke Öffentlichkeit gegen Rüstungsexporte geben.

    Im Übrigen sind mir 100.000 Panzer mit konventionellen Waffen lieber als eine Atombombe.

    Zwei Weltkriege verloren, schlimm draufgezahlt und wieder Waffenexport und wieder "wir sind die ersten, wir sind die besten, wir sind die EU, hochverschuldet, abe das kriegen wir schon hin." Kriegen? ... und das Volk sagt nichts dazu!

  4. .. Schnauze halten und weiter dealen. Da is nix podiumsmoralisch. War schon immer so, wird wohl auch so bleiben. Waffen darf man getrost verkaufen. Wenn ich aber ne Maschine in den Iran liefern möchte, die z.B. Dichtungen herstellen kann, hab ich durch die Ausfuhrkontrolle schon Kopfweh, bevor die Quotation abgeschickt ist.

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  5. Denn schauen wir uns die Exporte mal an. Das absolute Groß geht an andere EU Staaten, das ist quasi Inland (sag ich einfach mal so, ich finde zwischen EU und BRD kann man realpolitisch nicht mehr trennen?!).

    Und wenn Israel deutsche Uboote geliefert bekommt, fast geschenkt weil die Bundesregierung einen Millionenbeträg drauflegt, dann finden das auch Linke auf einmal toll. Wenn schon die Linken so widersprüchlich und inkonsistent sind wie soll es da eine starke Öffentlichkeit gegen Rüstungsexporte geben.

    Im Übrigen sind mir 100.000 Panzer mit konventionellen Waffen lieber als eine Atombombe.

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  6. Zwei Weltkriege verloren, schlimm draufgezahlt und wieder Waffenexport und wieder "wir sind die ersten, wir sind die besten, wir sind die EU, hochverschuldet, abe das kriegen wir schon hin." Kriegen? ... und das Volk sagt nichts dazu!

    Antwort auf "New Start"
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    ich find schon immer "interessant" wie es plötzlich "wir Deutsche" und "Volk" heißt wenn es um die Nazis geht, die gleichen Leute im zeitgenössischen Kontext sich aber stets nur als "Europäer" bezeichnen.

    Davon abgesehen dass ich 23 bin und ich weder einen Krieg angefangen noch miterlebt habe und mich auch für nichts in Sippenhaft nehmen lasse ist es schon verwunderlich wie man es schaffen kann jedes Thema, hier geht es um zwei Nuklearmächte, über zwei Ecken zurück auf Deutschland und dann natürlich auf die deutsche Geschichte in der ersten Hälfe des letzten Jahrhunderts zu bringen. Es geht hier nicht um Deutschland, ist halt so.

    ich find schon immer "interessant" wie es plötzlich "wir Deutsche" und "Volk" heißt wenn es um die Nazis geht, die gleichen Leute im zeitgenössischen Kontext sich aber stets nur als "Europäer" bezeichnen.

    Davon abgesehen dass ich 23 bin und ich weder einen Krieg angefangen noch miterlebt habe und mich auch für nichts in Sippenhaft nehmen lasse ist es schon verwunderlich wie man es schaffen kann jedes Thema, hier geht es um zwei Nuklearmächte, über zwei Ecken zurück auf Deutschland und dann natürlich auf die deutsche Geschichte in der ersten Hälfe des letzten Jahrhunderts zu bringen. Es geht hier nicht um Deutschland, ist halt so.

  7. ich find schon immer "interessant" wie es plötzlich "wir Deutsche" und "Volk" heißt wenn es um die Nazis geht, die gleichen Leute im zeitgenössischen Kontext sich aber stets nur als "Europäer" bezeichnen.

    Davon abgesehen dass ich 23 bin und ich weder einen Krieg angefangen noch miterlebt habe und mich auch für nichts in Sippenhaft nehmen lasse ist es schon verwunderlich wie man es schaffen kann jedes Thema, hier geht es um zwei Nuklearmächte, über zwei Ecken zurück auf Deutschland und dann natürlich auf die deutsche Geschichte in der ersten Hälfe des letzten Jahrhunderts zu bringen. Es geht hier nicht um Deutschland, ist halt so.

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