Anschläge im Irak Terroristen töten Dutzende Menschen in Bagdad

Bei mehreren Bombenanschlägen auf schiitische Moscheen sind mindestens 63 Menschen getötet worden. Sicherheitskräfte geben al-Qaida die Schuld.

Sieben Explosionen erschütterten verschiedene Viertel in der irakischen Hauptstadt zur Zeit des Freitagsgebets. Die meisten Attacken ereigneten sich einem Mitarbeiter des Innenministeriums zufolge in der Nähe von Moscheen und einem Marktplatz. Ein Sprecher der Sicherheitskräfte von Bagdad vermutete hinter der Tat einen Racheakt des Extremistennetzwerks al-Qaida, nachdem am Sonntag dessen Irak-Chef getötet worden war. Die Aufständischen hätten Betende der schiitischen Mehrheit im Irak ins Visier genommen. "Wir rechnen damit, dass solche terroristischen Angriffe anhalten werden."

Mindestens 21 Menschen starben bei der Detonation von drei Sprengsätzen in dem vornehmlich von Schiiten bewohnten Viertel Sadr City. Bei einem weiteren Anschlag nahe einer Moschee im Südosten der Stadt kamen mindestens elf Menschen ums Leben. Zuvor wurden drei Menschen nach Polizeiangaben durch die Explosion einer Autobombe im Nordwesten Bagdads getötet.

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Zudem starben acht Menschen bei Bombenanschlägen in der westlichen Unruheprovinz Anbar, die als Rückzugsgebiet der al-Qaida gilt. In der Stadt Chalidija starben sieben Mitglieder einer Familie, als Aufständische mehrere Bomben gleichzeitig zündeten. Ein Polizist wurde bei dem Versuch getötet, zwei weitere Sprengsätze zu entschärfen. In der Provinz Anbar leben vornehmlich Sunniten.

Von irakischen Sicherheitskräften verlautete bereits vor der Anschlagsserie, dass mit Rache-Aktionen von al-Qaida zu rechnen sei. Abu Ajjub al-Masri, Chef der al-Qaida im Irak, war irakischen Angaben zufolge vom Geheimdienst getötet worden. Auch der mutmaßliche Chef der verbündeten Extremistengruppe Islamischer Staat Irak, Abu Omar al-Baghdadi, sei bei dem Einsatz ums Leben gekommen. US-Soldaten seien an der Aktion beteiligt gewesen. Zudem wurden den Angaben zufolge bei mehreren Einsätzen mehr als 300 mutmaßliche Al-Qaida-Angehörige festgenommen und 19 getötet.

Die Gewalt im Irak ist in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen. Die Spannungen im Land hatten aber zugenommen, nachdem aus den Parlamentswahlen Anfang März kein klarer Sieger hervorgegangen war. Der schiitische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki führt derzeit Koalitionsgespräche, um sein Amt behalten zu können. Die Gespräche könnten sich über Wochen oder Monate hinziehen.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 23.04.2010 um 18:36 Uhr

    ....ob und wie lange man internationale Sicherheitskräfte im Lande belassen sollte. Offensichtlich ist die Stabilität des Landes noch gefährdet, wenn die Ausländer abziehen und würde vermutlich nach militärischen Auseinandersetzungen nur durch eine Diktatur hergestellt werden können. Andererseits scheint das Land auf gutem Weg zu einer Protodemokratischen Ordnung zu sein, das man durch weiteren Verbleib im Land festigen könne. Was soll man tun? Das Geld und die Leben der Soldaten einsetzen oder einen Diktator akzeptieren?

  1. Nachdem die Anglo-Amerikanischen Invasoren einen "Diktator" erledigt haben, können diese Aggressoren kaum einen anderen - nichtwestlichen - dulden.
    In diesem Land kann nur eine Starke Hand (Diktator) die widerstrebenden Einflüsse bündeln. Soweit können die Möchtgern-Demokraten aus USA und UK jedoch nicht denken.

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    deshalb nur diktatorisch regiert werden können, ist eine im Nahen Osten weit verbreitete Ansicht. Vieles spricht dafür, dass es stimmt. In Syrien beispielsweise, wo ein anderer Zweig der Baath-Partei die Geschicke des Staats bestimmt, ist das fragile Mosaik aus sunnitischen Moslems, griechisch-katholischen und syrisch-orthodoxen Christen, Armeniern, Drusen, Aliviten und Juden in seiner Balance auf die harte Hand des Sicherheitsapparats angewiesen. Die Angehörigen von Minderheiten zeigen sich dort oftmals überzeugt davon, dass ein politisches System mit Mehrheitsentscheidungen sofort zu einer Diktatur des sunnitischen Islam (80% Bevölkerungsanteil) führen würde und dann andere religiöse Gruppen vernichten würden. Genau dies ist es, was derzeit im Irak passiert.

    • joG
    • 24.04.2010 um 9:59 Uhr

    ..... widerstrebenden Einflüsse bündeln."

    Wenn Sie darin recht hätten, was ich persönlich allerdings nicht glaube, wäre nur noch die Frage, welchen Diktator Sie haben wollen also unterstützen oder ob Sie das lieber einfach dem Zufall eines Bürgerkriegs überlassen wollen. Was wollen Sie also?

    deshalb nur diktatorisch regiert werden können, ist eine im Nahen Osten weit verbreitete Ansicht. Vieles spricht dafür, dass es stimmt. In Syrien beispielsweise, wo ein anderer Zweig der Baath-Partei die Geschicke des Staats bestimmt, ist das fragile Mosaik aus sunnitischen Moslems, griechisch-katholischen und syrisch-orthodoxen Christen, Armeniern, Drusen, Aliviten und Juden in seiner Balance auf die harte Hand des Sicherheitsapparats angewiesen. Die Angehörigen von Minderheiten zeigen sich dort oftmals überzeugt davon, dass ein politisches System mit Mehrheitsentscheidungen sofort zu einer Diktatur des sunnitischen Islam (80% Bevölkerungsanteil) führen würde und dann andere religiöse Gruppen vernichten würden. Genau dies ist es, was derzeit im Irak passiert.

    • joG
    • 24.04.2010 um 9:59 Uhr

    ..... widerstrebenden Einflüsse bündeln."

    Wenn Sie darin recht hätten, was ich persönlich allerdings nicht glaube, wäre nur noch die Frage, welchen Diktator Sie haben wollen also unterstützen oder ob Sie das lieber einfach dem Zufall eines Bürgerkriegs überlassen wollen. Was wollen Sie also?

  2. deshalb nur diktatorisch regiert werden können, ist eine im Nahen Osten weit verbreitete Ansicht. Vieles spricht dafür, dass es stimmt. In Syrien beispielsweise, wo ein anderer Zweig der Baath-Partei die Geschicke des Staats bestimmt, ist das fragile Mosaik aus sunnitischen Moslems, griechisch-katholischen und syrisch-orthodoxen Christen, Armeniern, Drusen, Aliviten und Juden in seiner Balance auf die harte Hand des Sicherheitsapparats angewiesen. Die Angehörigen von Minderheiten zeigen sich dort oftmals überzeugt davon, dass ein politisches System mit Mehrheitsentscheidungen sofort zu einer Diktatur des sunnitischen Islam (80% Bevölkerungsanteil) führen würde und dann andere religiöse Gruppen vernichten würden. Genau dies ist es, was derzeit im Irak passiert.

    Antwort auf "Diktator akzeptieren ?"
    • joG
    • 24.04.2010 um 9:59 Uhr

    ..... widerstrebenden Einflüsse bündeln."

    Wenn Sie darin recht hätten, was ich persönlich allerdings nicht glaube, wäre nur noch die Frage, welchen Diktator Sie haben wollen also unterstützen oder ob Sie das lieber einfach dem Zufall eines Bürgerkriegs überlassen wollen. Was wollen Sie also?

    Antwort auf "Diktator akzeptieren ?"

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