Unruhen in Bangkok Thailands Regierungschef gerät in Bedrängnis

Der Armeechef ist öffentlich auf Distanz zu Abhisit Vejjajiva gegangen. Die Wahlkommission fordert zudem die Auflösung der Regierungspartei.

Die Rothemden fordern die Auflösung der Regierung

Die Rothemden fordern die Auflösung der Regierung

Militärchef Anupong Paochinda, der bislang loyal hinter dem Präsidenten stand, sprach sich für die von Abhisit abgelehnte Auflösung des Parlaments aus, falls kein Ausweg aus der Krise gefunden werde. Das fordern auch die als Rothemden bekannten Regierungsgegner, die seit vier Wochen gegen den Ministerpräsidenten demonstrieren.

Die Wahlkommission des Landes forderte die Auflösung der Partei Abhisits, der Demokraten, wegen illegaler Wahlkampfspenden. Folgt das oberste Gericht dieser Empfehlung, müsste Abhisit zurücktreten – wie sein Vorgänger, dessen Partei 2008 wegen Wahlbetrugs aufgelöst worden war. Bis zu einem Urteil könnten allerdings Monate vergehen.

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Die Rothemden zogen mit den Särgen von zwei Mitstreitern durch die Straßen und beschimpften Abhisit als Tyrannen. Die meisten sind Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Die Machtbasis des ins Exil geflüchteten Milliardärs sind die armen Massen. Beobachter gehen davon aus, dass seine Parteigänger eine Wahl gewinnen würden. Die Demonstranten wollen so rasch wie möglich Neuwahlen.

Bei den Unruhen waren am Wochenende 21 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 800 verletzt worden. Autopsien zeigten, dass mehrere Opfer aus dem Lager der Rothemden erschossen wurden. Abhisit beteuerte, Militär und Polizei hätten nicht gezielt mit scharfer Munition gefeuert. "Terroristen" hätten die regierungsfeindlichen Rothemden unterwandert und Gewalt verursacht. "Die Regierung, das Militär und die Polizei sind immer noch geeint", sagte er.

Die Demonstranten halten nach wie vor eines der wichtigsten Geschäftsviertel und eine Brücke in der Altstadt von Bangkok besetzt. Das Militär und die Polizei waren mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen sie vorgegangen, doch in ihrer Übermacht hatten die Demonstranten die Sicherheitskräfte in die Flucht geschlagen. Die Soldaten ließen Panzer und Mannschaftswagen zurück, die von den Rothemden geplündert wurden.

Trotz der angespannten Lage in Thailand hat das Auswärtige Amt keine Reisewarnung für Bangkok herausgegeben. Die Tourismusregionen seien von den Unruhen nicht betroffen. Die Bundesregierung verfolge die Unruhen dennoch mit großer Sorge, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). "Derzeit gibt es keine Hinweise, dass Deutsche bei den Auseinandersetzungen zu Schaden gekommen sind", meinte er. Westerwelle rief dazu auf, "die Auseinandersetzung mit friedlichen Mitteln zu führen".

Die Börse in Bangkok reagierte zu Wochenbeginn mit deutlichen Kursverlusten auf die gewaltsamen Zusammenstöße. Der führende Index SETI ging mit einem Minus von fünf Prozent aus dem Handel. Analysten gingen davon aus, dass die Aktienmärkte weiter von den Unruhen belastet würden. "Es wird die Aktienmärkte sicherlich schmerzlich treffen, weil das Ausmaß der Krawalle jenseits der Erwartungen liegt", sagte Prapas Tonpibulsak von Ayudhya Fund Management. Als erstes betroffen seien der Tourismus und damit verwandte Geschäftszweige. Kurzfristig gehe er von einem Minus von bis zu zehn Prozent aus.

 
Leser-Kommentare
  1. Bislang war ich der Meinung, dass die Gefolgsleute von Thaksin - die "Rothemden" - den Bogen weit überspannten.
    Thaksin befindet sich mit seinem vielen Geld im Ausland
    und finanziert von dort die Demonstrationen der "Roten".
    Das diese sich in der Vergangenheit nicht gerade mit "Ruhm bekleckert" haben dürfte hinreichend bekannt sein und ist bewiesen.
    Aber jüngst war zu erfahren, dass die "Gelben" - also die derzeitige Regierung und deren Anhänger - eben auch keine "reine Weste" haben. Unsaubere Parteien-Finanzierung wirft man ihnen vor. So bleibt zu erwarten, dass auch diese Regierung per Gerichtsbeschluss "den Stuhl vor die Tür gesetzt" bekommt. Angeleiert soll ein Verfahren bereits sein. Dann hätten die "Roten" natürlich Oberwasser.
    Korruption ist - wie fast überall - so auch in Thailand ein
    weit verbreitetes Übel(!).
    Leider ist es so, dass ein großer Teil des Volkes - fast überall auf der Welt - zu wenig Ahnung davon hat, was Demokratie bedeutet und wie sie funktioniert. Wer kennt denn Parteiprogramme? Viele sind insofern mit Wahlen glatt überfordert.
    Ich vermute, dass demnächst das Militär den polit. Weg bestimmt. Es wäre nicht das erste Mal.
    Zwar genießt das Königshaus - allen voran der König - im Volk zu Recht sehr hohes Ansehen; aber man hört in diesen Tagen zu den Ereignissen nichts.
    Der König ist schon sehr alt und gesundheitlich wohl auch angeschlagen.
    Die bange Frage lautet daher: Was kommt danach?
    Das lässt für Vermutungen und Spekulationen einen weiten Raum.

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