Die Sozialisten haben bei den Parlamentswahlen in Ungarn eine schicksalhafte Niederlage erlitten. Triumphieren können die Konservativen – und die Rechtsextremisten. Jubeln kann vor allem ein Politiker, der als bereits abgeschrieben galt: Der scheinbar ermüdete Ex-Ministerpräsident Viktor Orbán setzte sich mit dem Sieg in einem Wahlkampfmarathon über ein Jahrzehnt hinweg durch: 52,8 Prozent der Wähler stimmten für seinen Bund Junger Demokraten (Fidesz). Er eroberte in der ersten Wahlrunde damit auf Anhieb 206 der 386 Parlamentssitze.

Die absolute Mehrheit seiner nationalkonservativen Partei Fidesz sorgt für das erstaunliche Comeback des eigentlich abgehalfterten Nationalpopulisten. Er spricht nun von einem historischen Ereignis für Ungarn. "Wir werden morgen in einem neuen Land aufwachen", versprach Orbán seinen Anhängern bei der Stimmenabgabe.

Überschattet wird der Erfolg der Nationalkonservativen durch den dramatischen Ruck nach Rechtsaußen. Auch die rechtsextreme Partei Jobbik jubelt. Der Faschist Vona steht als einer der beiden großen Gewinner der Wahl dar. Er holte für seine Partei 16,7 Prozent - nur 1,6 Prozentpunkte weniger als die bisher regierenden Sozialisten. Jobbik zog damit erstmals ins Parlament ein.

Für die acht Jahre lang regierenden Sozialisten bedeutet das Wahlergebnis eine vernichtende Niederlage und vielleicht der endgültige Glaubwürdigkeitsverlust. Für Fidesz und Jobbik steht die Wahl für eine historische Selbstbestätigung. Fidesz hat endgültig den Status einer Volkspartei erlangt. Und die Jobbik, die einen paramilitärischen Arm unterhält, wird ihre Kräfte von der Straße im neuen demokratischen Umfeld des Parlaments sammeln müssen.

Neue politische Auseinandersetzungen stehen Ungarn nun bevor. Fidesz wird versuchen, verschiedene Strömungen im rechten Lager einzusammeln, um den neuen politischen Gegner Jobbik abzuwehren. Wahrscheinlich wird sie sich weiterhin sanft von den Rechtsextremen distanzieren. Zu stark wird die Ablehnung allerdings nicht ausfallen können: Immerhin koalierten Fidesz und Jobbik bereits auf kommunaler Ebene miteinander.

Die Jobbik wird versuchen, Wähler von der Fidesz wegzulocken. Mit ihren Parolen wie "Versklavung der Nation" und "Weg mit der Zigeunerkrimininalität" erhält sie einen beängstigenden Widerhall in der Bevölkerung. Die Minderheit der Roma sieht sich immer noch der Abneigung der Mehrheitsbevölkerung ausgesetzt. Dieses Problem scheint in absehbarer Zeit nicht lösbar zu sein. Im Gegenteil: Die Situation der Roma hat sich mit dem Zusammenbruch des Sozialismus noch verschlimmert.