Militäroffensive Die Anführer kapitulieren – die Randalierer brandschatzen

Tag der Konfrontation in Bangkok: Soldaten rücken vor, Menschen sterben, die Rothemden kapitulieren – doch Unruhen brechen aus, Dutzende Gebäude brennen.

Bangkok erlebt die schlimmsten Ausschreitungen seit Beginn der Rothemden-Proteste: Militante setzen ein Geschäft in Brand

Bangkok erlebt die schlimmsten Ausschreitungen seit Beginn der Rothemden-Proteste: Militante setzen ein Geschäft in Brand

Eine unnatürliche Stille hängt am Abend über weiten Teilen von Thailands Hauptstadt Bangkok. Die Straßen sind menschenleer. Fast nur Armeefahrzeuge und Polizeiwagen sind auf den Straßen zu sehen. Seit 20 Uhr gilt eine strikte Ausgangssperre. Die Armee droht, auf "Unruhestifter und Plünderer" zu schießen.

Doch dichte Rauchschwaden von brennenden Gebäuden, die bis in die Nacht über die Stadt ziehen, und vereinzelte Schüsse erinnern daran, dass die Kämpfe im Stadtzentrum weiter anhalten. Versprengte, schwer bewaffnete Angreifer liefern sich dort, wo noch bis zum Mittag Tausende von Demonstranten der "Einheitsfront für Demokratie gegen Diktatur" (UDD) für den Rücktritt der Regierung von Premier Abhisit Vejjajiva demonstriert haben, Schießereien mit der Armee.

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Dort sollen Berichten ausländischer Journalisten zufolge immer noch Hunderte Menschen in einer Klosteranlage gefangen sein, die als Schutzzone ausgewiesen wurde. Sie können sie offenbar nicht verlassen, weil dort immer noch gekämpft wird. Unter ihnen sollen viele Verletzte sein.

Dieser Teil der Stadt sieht nach den Ereignissen des Tages aus, als wäre eine feindliche Armee einmarschiert. Die riesige Central World-Shoppingmall, das zweitgrößte Einkaufszentrum Südostasiens, ist komplett ausgebrannt und droht einzustürzen. Ein Kino, das ebenfalls in der "roten Stadt" in Bangkoks Zentrum lag, ist nach einem Brand in sich zusammengesackt. Gewalttätige Rothemden-Demonstranten haben Feuer gelegt und Geschäfte geplündert, bevor sie vor der vorrückenden Armee geflohen sind.

Deren Angriff kam am frühen Morgen ganz überraschend. Am Dienstag hatte sich die Lage nach schweren Zusammenstößen weitgehend beruhigt. Die Demonstranten hatten sich von den weit ausgelagerten Barrikaden tief ins Innere ihres Camps zurückgezogen. An den Checkpoints der Armee waren nur wenige Soldaten zu sehen.

Entsprechend geschockt zeigten sich viele Einwohner Bangkoks, als sie an diesem Morgen aufwachten und sahen, wie tiefschwarze Rauchsäulen aus der Innenstadt aufzogen. Sie stammten von Barrikaden aus Autoreifen und Bambusspeeren. Die Rothemden hatten sie angezündet, nachdem die Armee im Morgengrauen begonnen hatte, mit gepanzerten Truppentransportern und Soldaten auf ihr Lager vorzurücken.

Das vielfach befürchtete Blutbad blieb aus. Stattdessen berichteten Reporter, die mit den Soldaten vorrückten, dass sich die Armee sehr langsam und vorsichtig auf die Hauptbühne im Zentrum des Protestcamps zubewegt habe. Sie sei auf weniger bewaffneten Widerstand getroffen als erwartet. Dennoch kamen bei Schusswechseln sechs Menschen ums Leben, unter ihnen ein italienischer Fotoreporter.

Leser-Kommentare
  1. Liebe Leser, Liebe Redaktion,

    sollten wir nicht Solidarität mit Menschen zeigen, die für demokratische Verhältnisse demonstrieren?

    Gibt es schon Terminvorschläge für eine SoliDemo evtl. von Attac oder Globalmarshallplan oder gar der CDU oder sogar der SPD?

    Herzliche Grüße

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 20.05.2010 um 6:39 Uhr

    ....die Regierung und führenden Parteien ihre Legitimität in den Augen der Wähler und Bürger verlieren, werden solche Demonstrationen, wie wir sie in Thailand sehen, wahrscheinlicher. Je grösser die Gruppe der dem Staatswesen entfremdeten Menschen ist, desto grösser werden die Ansammlungen und wahrscheinlicher gewalttätige Ausschreitungen.
    Bei uns nimmt die Legitimität des Staates aus Sicht der Bürger in den letzten Jahren zunehmend ab. Besonders betroffene Gruppen sind auch hier Gewaltbereit. Wie wird unsere Regierung reagieren, wenn randalierende Autonome die Innenstadt von Berlin blockieren und das Hilton in Brandt setzen, weil die AKW Laufzeiten verlängert werden oder die Kassenmenschen und Rentner weniger haben im Monat als die Gehaltsbesserung der Abgeordnenten?
    Wie würde unsere Regierung reagieren, wenn die Blockade einen, zwei oder drei Monate andauert?

    Solidarität mit Terroristen?
    Es geht hier doch gar nicht um Demokratie es geht um Macht.
    Die Roten sind Terroristen die sich hinter Frau, Kinder und Alten verstecke. Nur weil sich jemand Demokratisch nennt bedeutet das nicht, dass sie auch demokratisch sind. Dahinter stecken mit die reichsten des Landes die außer Geld auch noch die Macht haben wollen. Der alte Präsident ist während seiner Amtszeit zum Multi Milliardär geworden. Der finanzier die Sache doch aus dem Ausland.
    In Thailand werden Wahlen gekauft die Roten haben es nur übertrieben, so das wegen Wahlbetrugs rechtmäßig verurteilt wurden. Die friedlichen Demonstranten wurde mit Geld versprechen zusammen gekarrt und dann saßen sie mehr oder weniger in Bangkok fest. Diese werden jetzt von der Polizei nach Hause gebracht. Die Arme schiest nicht wahllos auf Demonstranten diese Aussage ist einfach falsch.
    Der Großteil der Bevölkerung steht hindert der Arme.
    Hier wird die Arme mit Sehnsucht erwartet da Mopp wahllos plündert und Brandschatz.

    Bitte geben Sie, gerade in einer kontroversen Diskussion, nach Möglichkeit Quellen für ihre Argumente und Tatsachenbehauptungen an. Danke, die Redaktion/fk

    • joG
    • 20.05.2010 um 6:39 Uhr

    ....die Regierung und führenden Parteien ihre Legitimität in den Augen der Wähler und Bürger verlieren, werden solche Demonstrationen, wie wir sie in Thailand sehen, wahrscheinlicher. Je grösser die Gruppe der dem Staatswesen entfremdeten Menschen ist, desto grösser werden die Ansammlungen und wahrscheinlicher gewalttätige Ausschreitungen.
    Bei uns nimmt die Legitimität des Staates aus Sicht der Bürger in den letzten Jahren zunehmend ab. Besonders betroffene Gruppen sind auch hier Gewaltbereit. Wie wird unsere Regierung reagieren, wenn randalierende Autonome die Innenstadt von Berlin blockieren und das Hilton in Brandt setzen, weil die AKW Laufzeiten verlängert werden oder die Kassenmenschen und Rentner weniger haben im Monat als die Gehaltsbesserung der Abgeordnenten?
    Wie würde unsere Regierung reagieren, wenn die Blockade einen, zwei oder drei Monate andauert?

    Solidarität mit Terroristen?
    Es geht hier doch gar nicht um Demokratie es geht um Macht.
    Die Roten sind Terroristen die sich hinter Frau, Kinder und Alten verstecke. Nur weil sich jemand Demokratisch nennt bedeutet das nicht, dass sie auch demokratisch sind. Dahinter stecken mit die reichsten des Landes die außer Geld auch noch die Macht haben wollen. Der alte Präsident ist während seiner Amtszeit zum Multi Milliardär geworden. Der finanzier die Sache doch aus dem Ausland.
    In Thailand werden Wahlen gekauft die Roten haben es nur übertrieben, so das wegen Wahlbetrugs rechtmäßig verurteilt wurden. Die friedlichen Demonstranten wurde mit Geld versprechen zusammen gekarrt und dann saßen sie mehr oder weniger in Bangkok fest. Diese werden jetzt von der Polizei nach Hause gebracht. Die Arme schiest nicht wahllos auf Demonstranten diese Aussage ist einfach falsch.
    Der Großteil der Bevölkerung steht hindert der Arme.
    Hier wird die Arme mit Sehnsucht erwartet da Mopp wahllos plündert und Brandschatz.

    Bitte geben Sie, gerade in einer kontroversen Diskussion, nach Möglichkeit Quellen für ihre Argumente und Tatsachenbehauptungen an. Danke, die Redaktion/fk

  2. gibt's im ständig aktualisierten News Blog des Guardian
    http://www.guardian.co.uk...

  3. Man sollte doch hier nicht von Randalieren sprechen.

    Hier sind in Konfrontation, normale Leute, meist verarmt, mit der "Elite" die das Geld kontrolliert.

    Es ist der Versuch eines Befreiungskampfs.

    Überheblichkeit ist nicht angebracht. Nachdenken schon.

    Wenn die EU die Kurve nicht bekommt; Gibt es ähnliche Feuer in Europäischen Städten. Will man so lange warten?

    • pbosch
    • 20.05.2010 um 0:33 Uhr

    Das ist gar nicht so weit weg von uns wie manche noch glauben.
    Einzelne Brandherde in der Welt mag man so brutal wie jetzt in Thailand "löschen" mögen. Aber das Löschwasser der "Herrscher" dort ist verdammt empfindlich und explosiv.

    Hierzulande vermisse ich Proteste der Jungen wie schon gehabt. Die Demos kürzlich in den Universitäten ließen hoffen. Aber zu mehr ist unser Nachwuchs offensichtlich nicht mehr fähig - sieht man mal von Einzelereignissen in Hamburg oder Berlin mal ab welche so nichts bewirken außer mehr öffentlicher Sicherheit für die Besitzer von Luxuskarossen.

    Ich hatte das Glück - zur Produktion eines Filmes über Patioka - vor 28 Jahren in Thailand drei Monate zu verbringen. So ein wunderbares Land. Freundliche Leute - happy people - auch in den Armenbereichen. Allerdings - so wie die in den letzten Jahren von den Herrschenden - also den Reichen - beschissen wurden, ist es kein Wunder wenn jetzt der letzte Funke das Pulverfass explodieren ließ. Wir werden erleben wie so oft anderswo, dass das Volk sehr vieles verändern wird. So viel staatliche Feuerwehr gibt es auch da nicht bei den vielen Brandnestern. Und ein Abkapseln mit chinesischer Rückendeckung wird in Thailand aus ganz anderen Strukturgründen nicht möglich sein.

    Siam – „stolzes Volk der Freien“. Diese uralte Tradition vermögen die Globalkapitalisten sicher nicht zu tilgen in der Lage sein. Und wenn, dann sehe ich die Ampel auch anderswo auf rot.

  4. Unruhen brachen nicht nur wie von der ZEIT beschrieben in Bangkok aus, sondern auch hier: Khon Khaen, Chiang Mai, Nonthaburi, Udon Thani, Ubon Ratchathani ...

  5. Fuer diejenigen die in letzter Zeit und auch gestern nicht in der "Roten Zone" von Bangkok waren, hier eventuell doch einige Kommentare.

    Es ist natuerlich einfach schwarz weiss zu malen und wenn ich das in den Nachrichten ueber ein anderes Land sehen wuerde, wuerde ich auch in die Falle fallen und Sagen hier ist ein Diktator der die Muskeln spielen laesst.

    Man muss aber leider sagen, dass beide auf der falschen Seite sind. Der radikale Arm der Rothemden (5000) war in den letzten Tagen noch in der roten Zone, mit eher wenigen "Familien" ... Die Regierung hatte 2 Monaten die Demonstranten zur Aufgaben gebeten ...
    Das Problem: Innerhalb der roten Zone gab es Waffenlager mit Granaten, Maschinengewaehren, und selbstgebauten Sprengsaetzen. Rote Terroristen, haben damit ueber die Zeit hin Anschlaege auf Menschen und Einrichtungen in der Stadt ausgeuebt. Rote Leader haben wiederholt im TV zur Gewalt aufgerufen.

    Fast 70% des Landes waren dafuer das die Regierung ihren Kompromiss Kurs aufgibt und handelt.

    Am Dienstag Abend haben die Roten Leader das erste mal, von "Frieden" und "Aufgabe" auf ihrer Buehne geredet und sind mit boos begruesst worden und eine ganze Reihe Flaschen wurden auf die Buehen geschmissen ...

    Am Ende haben die Leiter der Roten aufgegeben oder sind gefluechtet als die Sicherheitskraefte die "Roten Guards" ueberwunden hatten. 2 Monate spaeter!

  6. (2/2)
    Mit der Verhaftung wurde die Aktion gestoppt, danach sind entaeuschte Anhaenger durch alle Stadtteile (Arm und Reich, nicht wie oben berichtet nur in Sukhumvit) gegangen und haben Geldautomaten gepluendet, Gebaeude angezuendet, auf Passanten geschossen usw ...

    Hat es Verfehlungen der Sicherheitskraeft gegeben: Ja! Die muessen geahndet werden.
    Waren die Mehrheit der Sicherheitskraefte darin verwickelt: Nein!
    Sind alle Roten Terroristen: Nein.
    Gibt es einen Gewaltbereiten kern mit Armee-Ausbildung und schweren Waffen: Ja!

    Das ist in hunderten von Bildern und Videos belegt. Beides.

    Sehr geehrter Leser, gerade bei einer Gegenargumentation oder Tatsachenbehauptungen ist die Angabe von Quellen für die Diskussion meist von Vorteil. Die Redaktion/fk

    Fuer die Toten von bitten nicht Schwarz/Weiss zu sehen. Die Roten haben ein Anliegen (sie stellen ca. 40-50% der Bevölkerung da) und das ist auch ok, aber die Roten Terroristen muss man mit Rechtsstaatlichen mitteln bekämpfen duerfen!

    • joG
    • 20.05.2010 um 6:39 Uhr

    ....die Regierung und führenden Parteien ihre Legitimität in den Augen der Wähler und Bürger verlieren, werden solche Demonstrationen, wie wir sie in Thailand sehen, wahrscheinlicher. Je grösser die Gruppe der dem Staatswesen entfremdeten Menschen ist, desto grösser werden die Ansammlungen und wahrscheinlicher gewalttätige Ausschreitungen.
    Bei uns nimmt die Legitimität des Staates aus Sicht der Bürger in den letzten Jahren zunehmend ab. Besonders betroffene Gruppen sind auch hier Gewaltbereit. Wie wird unsere Regierung reagieren, wenn randalierende Autonome die Innenstadt von Berlin blockieren und das Hilton in Brandt setzen, weil die AKW Laufzeiten verlängert werden oder die Kassenmenschen und Rentner weniger haben im Monat als die Gehaltsbesserung der Abgeordnenten?
    Wie würde unsere Regierung reagieren, wenn die Blockade einen, zwei oder drei Monate andauert?

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