Euro-Krise Regierung wirft Barroso Unbeweglichkeit vor

Die Bundesregierung will Änderungen am EU-Vertrag, um die Euro-Stabilität zu sichern – Kommissionschef Barroso aber tut dieses Anliegen als naiv ab. Nun legt Berlin nach.

Auf Konfrontationskurs zu Deutschland: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso

Auf Konfrontationskurs zu Deutschland: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso

Die Bundesregierung hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wegen seines Neins zur Änderung der EU-Verträge Unbeweglichkeit vorgeworfen. "Wenn wir über neue zusätzliche Instrumente in Europa debattieren, dann bedarf das letztlich unserer Ansicht nach einer Vertragsänderung", sagte ein Regierungssprecher mit Blick auf den Kampf gegen die Finanzkrise.

Der Hintergrund: Die Bundesregierung hatte im Kampf gegen die Abschwächung des Euro durch Angriffe aus der internationalen Finanzbranche bereits vorgelegt: Der Neun-Punkte-Plan der Bundesregierung beinhaltet erste konkrete Vorschläge zur Stabilisierung der Euro-Zone. Unter anderem ist darin von einer europäischen Schuldenbremse die Rede – nach deutschem Vorbild, wo der Staat in den nächsten Jahren zwingend Schulden abbauen muss. Frankreich unterstützt das Vorhaben bereits.

Unmissverständlich machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darin klar, dass es mit ein paar Minikorrekturen nicht getan ist . "Wenn wir einen dauerhaft tragfähigen Rahmen für die Währungsunion anstreben, müssen wir auch die Möglichkeit von Vertragsänderungen in unsere Überlegungen mit einbeziehen", heißt es in dem Regierungspapier, das vergangene Woche bekannt wurde. Mit entworfen haben es Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

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In Brüssel stieß es auf Widerwillen. Barroso hatte Deutschland in einem Zeitungsinterview Naivität vorgeworfen. "Wir werden keine Vorschläge für eine Vertragsänderung vorlegen, auch wenn wir für gute Ideen natürlich offen sind", hatte er erklärt. Man habe gerade eine Vertragsreform hinter sich, die teilweise traumatische Erfahrungen beschert habe. Damit meint Barroso die komplizierte Reform des EU-Grundlagenvertrages von Lissabon, der vor wenigen Jahren den Vertrag von Nizza ablöste und die Entscheidungsfindung in dem Staatenverbund gründlich umgestaltete. Großbritannien, Polen und Irland hatten sich – teils in Volksabstimmungen – dagegen gestellt.

Der frühere EU-Kommissionspräsident Jacques Delors hatte sich im ZEIT-Interview ähnlich wie Barroso geäußert. Um in der Finanzkrise das Vertrauen der Menschen nicht zu verlieren, seien "jetzt andere Regeln nötig", jedoch keine veränderten Verträge. "Regierungen sind der neuen Verträge müde", sagte er. Es genügten Verabredungen, etwa ein Pakt, der den Euro-Stabilitätspakt ergänzt.

Barroso unterstellte Deutschland auch indirekt, mit dem Änderungsbegehren eigene Interessen zu verfolgen. "Es wäre auch naiv, zu glauben, dass man eine Vertragsreform nur in den Bereichen machen kann, die für Deutschland wichtig sind", sagte der Kommissionschef.

Die Bundesregierung will das nicht hinnehmen. Wenn man sage, man könne über 20 Jahre keinen Punkt und Komma mehr ändern, "dann sind wir ein erstarrendes System", sagte der Sprecher. Die Bundesregierung wisse, dass Änderungen am Vertrag schwer seien, aber: "Die europäische Union muss auf die Herausforderungen der Zeit reagieren können."
 

 
Leser-Kommentare
  1. will denn unsere Regierungskoalition? Kann mir das jemand sagen?

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    • joG
    • 26.05.2010 um 17:02 Uhr

    ...damit hätte ich den Artikel begonnen.

    • joG
    • 26.05.2010 um 17:02 Uhr

    ...damit hätte ich den Artikel begonnen.

  2. Wenn man Herrn Barroso hier so hört, wundert einem nun wirklich gar nichts mehr. Es spricht für ein gerüttelt Maß an Infantilität, wenn Herr Barroso inmitten einer die EU existenzbedrohenden Krise glaubt, so als wäre nichts geschehen, weiter"wurschteln" zu können.
    Ginge es nach seinen Intentionen, so würde der Karren EU und EURO nun wirklich unweigerlich im Abgrund zerschellen.

    Hoffentlich setzen sich hier zur Abwechslung endlich mal vernünftige politische Kräfte durch!

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    • ddkddk
    • 26.05.2010 um 16:17 Uhr

    Eine Änderung der Verträge muss einstimmig erfolgen und dürfte nach den bisherigen Erfahrungen, selbst wenn alle Mitgliedstaaten zustimmen würden, viele Jahre dauern.

    Soviel Zeit besteht aber wohl nicht.

    Die Forderung unserer Bundesregierung ist offenbar allein dadurch motiviert, den Bürgern darzustellen, sie würde ja schon, aber das müsste dann eben durch die EU erfolgen und wenn diese eben nicht will kann sie eben auch nichts dafür.

    Die ganze bisherige Linie unserer Regierung deutet darauf hin, dass sie wohl glaubt, mit dieser Argumentation das Ei des Kolumbus gefunden zu haben.

    • ddkddk
    • 26.05.2010 um 16:17 Uhr

    Eine Änderung der Verträge muss einstimmig erfolgen und dürfte nach den bisherigen Erfahrungen, selbst wenn alle Mitgliedstaaten zustimmen würden, viele Jahre dauern.

    Soviel Zeit besteht aber wohl nicht.

    Die Forderung unserer Bundesregierung ist offenbar allein dadurch motiviert, den Bürgern darzustellen, sie würde ja schon, aber das müsste dann eben durch die EU erfolgen und wenn diese eben nicht will kann sie eben auch nichts dafür.

    Die ganze bisherige Linie unserer Regierung deutet darauf hin, dass sie wohl glaubt, mit dieser Argumentation das Ei des Kolumbus gefunden zu haben.

  3. ... spricht mit 27 Staatchefs. Die Frau Merkel mit niemand -siehe das Short-Selling Verbot.
    Von ihm aus gesehen, versucht Deutschland der EU ihren (wohlgemeinten) Willen aufzuzwingen.
    Ich glaube das sich hinter Barosos Worten ein paar kleine, in der Not steckenden Länder befinden die sich einfach nicht trauen den Mund gegen Fr.Merkel aufzumachen.
    Denn die Hand die einem das Fressen(Kredit) gibt beisst man nicht.

  4. Frankreich geforderten Verbesserungen schlussendlich dazu führen, daß das alte Konstrukt der EWG wieder durchscheint.

    • ddkddk
    • 26.05.2010 um 16:17 Uhr

    Eine Änderung der Verträge muss einstimmig erfolgen und dürfte nach den bisherigen Erfahrungen, selbst wenn alle Mitgliedstaaten zustimmen würden, viele Jahre dauern.

    Soviel Zeit besteht aber wohl nicht.

    Die Forderung unserer Bundesregierung ist offenbar allein dadurch motiviert, den Bürgern darzustellen, sie würde ja schon, aber das müsste dann eben durch die EU erfolgen und wenn diese eben nicht will kann sie eben auch nichts dafür.

    Die ganze bisherige Linie unserer Regierung deutet darauf hin, dass sie wohl glaubt, mit dieser Argumentation das Ei des Kolumbus gefunden zu haben.

    Antwort auf "Deutschland naiv ?"
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    "Die Forderung unserer Bundesregierung ist offenbar allein dadurch motiviert, den Bürgern darzustellen, sie würde ja schon, aber das müsste dann eben durch die EU erfolgen und wenn diese eben nicht will kann sie eben auch nichts dafür.

    Die ganze bisherige Linie unserer Regierung deutet darauf hin, dass sie wohl glaubt, mit dieser Argumentation das Ei des Kolumbus gefunden zu haben."
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    Man muß nicht in allem der Bundesregierung in ihrem Bemühen eine Ernsthaftigkeit absprechen.

    Auch dann nicht, wenn man nicht mit der Regierung konform geht.

    "Die Forderung unserer Bundesregierung ist offenbar allein dadurch motiviert, den Bürgern darzustellen, sie würde ja schon, aber das müsste dann eben durch die EU erfolgen und wenn diese eben nicht will kann sie eben auch nichts dafür.

    Die ganze bisherige Linie unserer Regierung deutet darauf hin, dass sie wohl glaubt, mit dieser Argumentation das Ei des Kolumbus gefunden zu haben."
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    Man muß nicht in allem der Bundesregierung in ihrem Bemühen eine Ernsthaftigkeit absprechen.

    Auch dann nicht, wenn man nicht mit der Regierung konform geht.

  5. "Welche Änderungen

    will denn unsere Regierungskoalition? Kann mir das jemand sagen?"
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    Bitte klicken Sie auf folgende Stelle in diesem Artikel:
    Der "Neun-Punkte-Plan der Bundesregierung"

  6. Der Austritt aus der EU wäre für D die einfachste und vor allem günstigste Lösung. Augenblicklich fließen zig Milliarden in die EU - und daran wird sich auch nichts ändern.

  7. "Die Forderung unserer Bundesregierung ist offenbar allein dadurch motiviert, den Bürgern darzustellen, sie würde ja schon, aber das müsste dann eben durch die EU erfolgen und wenn diese eben nicht will kann sie eben auch nichts dafür.

    Die ganze bisherige Linie unserer Regierung deutet darauf hin, dass sie wohl glaubt, mit dieser Argumentation das Ei des Kolumbus gefunden zu haben."
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    Man muß nicht in allem der Bundesregierung in ihrem Bemühen eine Ernsthaftigkeit absprechen.

    Auch dann nicht, wenn man nicht mit der Regierung konform geht.

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