Die Abgeordneten des Parlaments in Athen stimmten mehrheitlich für das Programm, das die griechische Regierung mit den Euroländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgehandelt hatte. 172 Abgeordnete votierten für das Sparprogramm, 121 votierten dagegen, drei enthielten sich. Das Sparpaket soll Griechenland vor dem Bankrott retten und ist Voraussetzung für die Hilfen des IWF und der Euroländer in Höhe von 110 Milliarden Euro. 

Der griechische Regierungschef Giorgios Papandreou hatte im Parlament kurz vor der Abstimmung noch einmal für das heftig umstrittene Sparpaket geworben. "Die Zukunft Griechenlands steht auf dem Spiel", sagte Papandreou vor den Abgeordneten. Die derzeitige Lage stelle die Wirtschaft, die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt Griechenlands auf die Probe. "Gewalt ist keine Lösung", sagte Papandreou. Sie schade auch dem Ansehen des Landes.

Das zur Debatte stehende Sparpaket sieht drastische Einschnitte vor. Trotz der heftigen Proteste in der Bevölkerung warb die griechische Regierung um Unterstützung. "Wir werden nicht einen Schritt zurückgehen", sagte Finanzminister Giorgios Papakonstantinou vor dem Parlament. Die sozialistische Regierung sei bereit, "einen hohen politischen Preis" zu bezahlen, um das Land aus der Schuldenkrise zu führen. Man werde das Vorhaben notfalls auch ohne die Unterstützung der Opposition vorantreiben, sagte Papakonstantinou. Die Zustimmung der Abgeordneten gilt als wahrscheinlich, da die Pasok-Partei von Regierungschef Giorgios Papandreou über 160 der 300 Mandate verfügt.

Neue Proteste in Athen

Derweil formierten sich neue Proteste in Athen. Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten gegen das Sparprogramm, wie ein Polizeisprecher sagte. Rund 5000 Menschen versammelten sich vor dem Parlament und riefen Parolen Richtung Parlamentsgebäude wie "Gebt uns unser Geld zurück". Andere rollten zum Zeichen der Trauer über die drei Toten bei den Protesten vom Vortag ein langes schwarzes Band aus. Auf einem weiteren Platz kamen etwa 6000 Menschen zu einer friedlichen Kundgebung zusammen.

Auf den Straßen regiert dagegen seit Tagen der Unmut. Am Mittwoch waren die Proteste gegen das Sparpaket eskaliert: In Athen lieferten sich Hunderte Autonome und wütende Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei und randalierten in der Innenstadt. Drei Menschen wurden getötet, als ein Bankgebäude in Flammen aufging .

Am Donnerstag kamen zahlreiche Menschen zu dem Haus, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Die Polizei fahndet derweil nach den Tätern des Brandanschlags. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, dass ein Vermummter zunächst die Scheiben der Bank mit einem Hammer einschlug. Anschließend warfen mindestens drei andere Vermummte Brandsätze in das Gebäude. Es werde jedoch sehr schwer sein, ihre Identität zu ermitteln, sagten Polizeiexperten.

In der Nacht war die Lage in der griechischen Hauptstadt ruhig geblieben. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Straßen im Stadtzentrum und kontrollierte jeden Verdächtigen. Straßenarbeiter beseitigten die Trümmer der Unruhen.