Nahost-Konflikt Verhandeln, um Krieg zu verhindern

Israel und die Palästinenser sollen jetzt verhandeln, zumindest indirekt. Sinnlos, nennen das die Nahost-Pessimisten. Doch es ist ohne Alternative, kommentiert Michael Thumann.

Die Grenzen sind wieder durchlässiger geworden: Palästinenser warten auf der israelischen Seite eines Checkpoints im Westjordanland auf ihre  Arbeitgeber

Die Grenzen sind wieder durchlässiger geworden: Palästinenser warten auf der israelischen Seite eines Checkpoints im Westjordanland auf ihre Arbeitgeber

Wenden wir uns dem Nahen Osten zu, um kurz einmal aufatmen zu dürfen. Während die Finanzhändler Europa und die Welt mit nachgerade apokalyptischem Trieb in die Krise stürzen, kommen aus dem Heimatland der Apokalypse gute Nachrichten. Der Friedensprozess in Israel und Palästina wird vorangetrieben. Endlich. Die US-Administration ist entschlossen, die Streithähne durch indirekte Verhandlungen einem Ausgleich näher zu bringen. US-Unterhändler George Mitchell ist in den Nahen Osten gereist, um die Gespräche mit dem Segen von Barack Obama zu führen. Kann daraus etwas werden?

"Auf keinen Fall!", werden die Pessimisten jetzt rufen. Die Palästinenser sind tief zerstritten, in Ramallah regieren moderate Fach- und Fatah-Leute, in Gaza extreme Hamas-Männer, beiden fehlt heute jede demokratische Legitimation. Auf Neuwahlen können sie sich nicht einigen.

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Auf israelischer Seite sieht es gleichfalls düster aus. Die von halblinks bis extrem rechts reichende Koalition von Premier Netanjahu hat bisher alles getan, um den Friedensprozess zu torpedieren. Sie hofiert radikale Siedler, lässt Palästinenser aus ihren Häusern vertreiben, hat Israel in der Region weiter isoliert. Netanjahu hat es sogar fertiggebracht, sich mit einer Israel sehr wohlgesinnten US-Regierung zu zerstreiten.

Volkes Stimme gibt Pessimisten weitere Argumente. Leider schauen viele Israelis und Palästinenser heute mit Verachtung auf den "Friedensprozess", der so oft im Sande verlief, dass kaum noch einer darauf hofft. Manche halten einen baldigen Krieg für unausweichlich. Im Ausmalen apokalyptischer Szenarien stehen Israelis und Palästinenser den internationalen Finanzspekulanten in nichts nach.

Doch irren sie. Diese Friedensgespräche sind überfällig, notwendig - und sie könnten – richtig geführt - einem wichtigen Zweck dienen. Drei Gründe machen das klar.

Die USA sind mit Barack Obama wirklich entschlossen, voranzukommen – anders als unter der Vorgängerregierung Bush, die Verhandlungen zunächst als Übel, am Ende als lästige Pflicht ansah. Die jetzige Regierung und der Generalstabschef der USA sehen den Palästinakonflikt zu Recht als Bedrohung für ihre Truppen im Mittleren Osten an. Sie haben begriffen, wie Radikale jedes neue Siedlerhaus in Jerusalem und der Westbank zum Aufruf gegen die "Kolonisatoren" aus dem Westen missbrauchen. George Mitchell ist der richtige Verhandler, ruhig, erfahren und von einer geduldig-insistierenden Ausdauer, über die sich Araber und Israelis noch wundern werden.

Leser-Kommentare
  1. So, der George Mitchell versucht sich mal wieder? Zuerst dachte ich im Archiv gelandet zu sein, doch das Datum stimmt: 07.05.2010.

  2. Nur ein israelisch-palästinesicher Staat aus Israel und allen besetzten Gebieten ist eine realistische Lösung.

    Eine 2-Staaten-Lösung ist angesichts der massiven Landnahme Israels längst nicht mehr machbar.

    siehe http://tinyurl.com/yjt2ykj

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    Karte auf http://tinyurl.com/yjt2ykj

    Wissenswertes dazu unter http://bit.ly/aafNwA :

    "1.in der ersten karte steht gruen, fuer all die gebiete, wo keine juden wohnen. es steht NICHT fuer arabisches oder von arabern bewohntes land. in dem land gibt es noch beduinen und drusen, [...]. der ganze sueden war 48 von den arabern ueberhaupt oder kaum bewohnt. [...]

    2. in der zweiten karte sieht man nur den teilungsplan. und schon kann man sehen, dass der sueden ganz weiss ist, da dort gar keine araber gewohnt haben, aber juden angfangen haben das land zu kaufen und zu siedeln. [...]

    3.waehrend in der ersten karte, alle von juden nicht bewohnte gebiete, als gruen bezeichnet wurden, sieht man hier eine wendung. im norden israels gibt es sehr viele arabische staedte und doerfer. wo sind sie ploetzlich hin? ich weiss, dass der autor, jetzt mit den farben, staatsgebiete meint, aber ein einfacher leser wuerde es nicht merken.

    4. die dritte und vierte karte, darf man ohne erklaerung eigentlich nicht stehen lassen. denn ein einfach leser, wuerde denken, dass die israelis 1967 sich einfach noch mehr land besetzt haben. er weisst ja nicht, dass es einen sechs-tage-krieg gab, [...].

    und in der vierten karte gibt es noch ein weiteren propagandatrick. mit gruen sind nicht die arabischen gebiete gekennzeichnet, sondern nur die autonome und teilautonome gebiete. da hat der autor einfach den spiess aus der ersten karte umgedreht."

    Karte auf http://tinyurl.com/yjt2ykj

    Wissenswertes dazu unter http://bit.ly/aafNwA :

    "1.in der ersten karte steht gruen, fuer all die gebiete, wo keine juden wohnen. es steht NICHT fuer arabisches oder von arabern bewohntes land. in dem land gibt es noch beduinen und drusen, [...]. der ganze sueden war 48 von den arabern ueberhaupt oder kaum bewohnt. [...]

    2. in der zweiten karte sieht man nur den teilungsplan. und schon kann man sehen, dass der sueden ganz weiss ist, da dort gar keine araber gewohnt haben, aber juden angfangen haben das land zu kaufen und zu siedeln. [...]

    3.waehrend in der ersten karte, alle von juden nicht bewohnte gebiete, als gruen bezeichnet wurden, sieht man hier eine wendung. im norden israels gibt es sehr viele arabische staedte und doerfer. wo sind sie ploetzlich hin? ich weiss, dass der autor, jetzt mit den farben, staatsgebiete meint, aber ein einfacher leser wuerde es nicht merken.

    4. die dritte und vierte karte, darf man ohne erklaerung eigentlich nicht stehen lassen. denn ein einfach leser, wuerde denken, dass die israelis 1967 sich einfach noch mehr land besetzt haben. er weisst ja nicht, dass es einen sechs-tage-krieg gab, [...].

    und in der vierten karte gibt es noch ein weiteren propagandatrick. mit gruen sind nicht die arabischen gebiete gekennzeichnet, sondern nur die autonome und teilautonome gebiete. da hat der autor einfach den spiess aus der ersten karte umgedreht."

  3. Alle Feststellungen treffen natürlich zu.

    @blurred

    Leider ist ein gemeinsamer Staat nicht möglich, war es auch nie.

    Würden die Plästinenser eingebürgert, die in den besetzten Gebieten leben und diejenigen, die bereits eingebürgert sind hinzugezählt, würden dort mehr Moslems als Juden leben und der Sinn und Zweck Israels ist es, ein jüdischer Staat zu sein, so wurde das Land konzipiert. Nun, die Juden sehen das vergleichsweise hohe Bevölkerungswachstum der eingebürgerten Palästinenser als Gefahr an.

    Es ist zuviel Blut geflossen und unrecht geschehen, insbesondere gegenüber den Palästinensern.

    Es ist ebenso wenig denkbar, wie es ein deutsch-französisches Reich 1960 gewesen wäre.

    Die Zwei-Staaten-Lösung ist die einzige wirklich nachhaltige Lösung und die Arabische Liga macht verständlicherweise Druck, auch Europa und die USA, was längst Zeit und gut ist.

    Die Legitimation einer eventuellen Annektion der palästinensischen Gebiete durch die Siedlungspolitik vor der UN ist nicht machbar, nichtmal von Ostjerusalem, da dies ein geplanter Betrug ist.

    Gruß

  4. Eine schöne, berechtigte Hoffnung.
    Aber es kann auch anders kommen. Durch Verhandlungen kann
    auch die Kriegsgefahr dramatisch ansteigen. Und- es könnte
    durchaus zu einem neuen bewaffneten Konflikt kommen.
    Wieder gegen Gaza, gegen den Libanon, gegen Syrien.

    Denn das Ergebnis von "Friedensverhandlungen" kann nur sein,
    das Israel etwas von seinem aktuellem "Besitzstand" abgibt.
    Vom Land, dem Wasser, der Macht über die Palästinenser.

    Ob dazu die Herren Netanyahu und Lieberman bereit sind, darf durchaus bezweifelt werden.
    Das West-Jordanland und Ost-Jerusalem betrachten sie jedenfalls als Bestandteil Israels, und die Rechte der Palästinenser betrachten sie keinesfalls als gleichwertig mit den Rechten jüdischer Menschen.

    Und unerwünschte Ergebnisse von "Friedens-Verhandkungen" mit dem Ausweg "Krieg" zu verhindern, wäre nicht das erste Mal in der Geschichte von Nahost.
    Insofern ist die Auffassung von Hr.Thumann nicht so ganz
    nachzuvollziehen. Aber - man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

  5. Keine Toten mehr, keine Raketen, keine Militärkosten mehr, Israelis und Palästinenser können endlich friedlich schlafen.
    Aber natürlich ist diese Lösung zu einfach, man möchte lieber alles haben, die Gier ist auch hier zu mächtig.

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    als geographisches Lösungsfeld für wohl alle irdischen zwischenmenschlichen und territorialen Konflikte erwähnt zu werden ?

    Israel nach Deutschland verlegen, ein Bundesland für die Nachfahren der Überlebenden lässt sich sicher auftreiben. Und wenn die Deutschen nicht damit einverstanden sind, dann warum nicht die Palästinenser: keine Raketen, keine Terrorkosten mehr, Palestinenser und Israelis können endlich ruhig schlafen (zur Zufriedenheit der selbstlosen deutschen Menschenrechtler wie Vantast).

    ..........Warum lässt die Zeit-online so einen (kaum verhohlenen) rassistischen Mumpitz zu ........??!

    als geographisches Lösungsfeld für wohl alle irdischen zwischenmenschlichen und territorialen Konflikte erwähnt zu werden ?

    Israel nach Deutschland verlegen, ein Bundesland für die Nachfahren der Überlebenden lässt sich sicher auftreiben. Und wenn die Deutschen nicht damit einverstanden sind, dann warum nicht die Palästinenser: keine Raketen, keine Terrorkosten mehr, Palestinenser und Israelis können endlich ruhig schlafen (zur Zufriedenheit der selbstlosen deutschen Menschenrechtler wie Vantast).

    ..........Warum lässt die Zeit-online so einen (kaum verhohlenen) rassistischen Mumpitz zu ........??!

  6. Endlich stimmt der Hinweis, dies sei ohne Alternative, doch genau jetzt wird er nichts, aber auch gar nichts bewirken.

    So einfach ist das, aber auch so schlecht und deprimierend.

  7. Mitchel, du hast zwar keine Chance aber nutze sie!

  8. als geographisches Lösungsfeld für wohl alle irdischen zwischenmenschlichen und territorialen Konflikte erwähnt zu werden ?

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