Polen Kaczynski, versöhnlich

Jaroslaw Kaczynski eröffnet den Kampf ums polnische Präsidentenamt. Der als krachledern bekannte Bruder des getöteten Staatsoberhaupts schlägt inzwischen sanfte Töne an.

Wahlkampf im Schatten des Hochwassers: Der nationalkonservative Bewerber für das Präsidentenamt in Polen, Jaroslaw Kaczynski, hat bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Tod seines Zwillingsbruders Solidarität mit den Flutopfern gefordert. In der Krise stehen Polen zusammen, mahnte Kaczynski vor seinen Anhängern in Warschau. "Die Solidarität ist unsere große Stärke", betonte der 60-jährige Oppositionsführer. Das könne dem Land eine "gute große Zukunft" bringen. "Wir werden siegen", riefen seine Anhänger. 

Nach dem Tod von Präsident Lech Kaczynski beim Flugzeugabsturz vor eineinhalb Monaten soll am 20. Juni ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden. Ursprünglich sollte die Wahl im Herbst stattfinden. Seit Anfang dieser Woche haben Hochwasserfluten weite Landstriche Polens verwüstet. Rund 100.000 Haushalte sind betroffen, zwölf Menschen kamen ums Leben.

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Kaczynski bot anderen Parteien an, bei der Bekämpfung der Flutfolgen zusammenzuarbeiten. Statt einer ursprünglich geplanten politischen Kundgebung gab es ein Wohltätigkeitskonzert für die Hochwasseropfer.

Nach dem Tod seines Bruders hatte Jaroslaw Kaczynski wochenlang die Öffentlichkeit gemieden. Zu politischen Themen äußerte er sich nur noch im Internet oder in Zeitungen. Er wandte sich dabei von seinen früheren Positionen, darunter einer radikalen Abrechnung mit den Kommunisten, ab und sprach sich für eine Kooperation mit der Regierung von Donald Tusk, seinem politischen Hauptgegner, aus. Als Regierungschef hatte der Politiker noch vor wenigen Jahren als Scharfmacher agiert und Tusk mit allen Mitteln bekämpft. 

Mit dem neuen Versöhnungskurs konnte Kaczynski gegen den liberalkonservativen Favoriten bei der Präsidentenwahl, Bronislaw Komorowski, punkten. Komorowskis Partei, die Bürgerplattform (PO), war auf eine Konfrontation mit den Nationalkonservativen vorbereitet und hatte Probleme, sich auf einen völlig gewandelten Gegner einzustellen. In den vergangenen Tagen konnte Komorowski seinen Vorsprung wieder ausbauen. Nach einer Umfrage der Gazeta Wyborcza würde Komorowski aktuell 49 Prozent, Kaczynski 31 Prozent der Stimmen erhalten.

 
Leser-Kommentare
  1. Vom Regen in die Traufe?
    Bitte nicht!!

  2. Jarosław Kaczyński geht, wie schon die Jahre zuvor, auf schlichten Emotionsfang. Die Hochwasserkatastrophe könnte sich für ihn als Segen entpuppen, ähnlich den Anschlägen in den USA im Jahr 2001, als der hoffnungslose George W. Bush mit seinem harten Kurs vor allem konservative Wähler überzeugen konnte und sich mit der Terrorthematik unentbehrlich machte.

    Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Am Ende könnte trotzdem die Vernunft siegen, vor allem, wenn die amtierende Regierung und ihr Präsidentschaftskandidat, der Interimspräsident Bronisław Komorowski nun im Zusammenhang mit dem Hochwasser keine Fehler machen.

    Generell sollten sich die Polen aber fragen, was sie für die Zukunft mehr brauchen. Starken emotionalen Zusammenhalt, oder eine starke Infrastruktur. Denn auch wenn das Land in den letzten 20 Jahren stark voran gekommen ist, infrastrukturell hapert es immer noch. Nicht nur beim Autobahnbau, auch beim Dammbau, wie sich nun zeigt. Und dieser ist nötig, das flache Polen liegt zu großen Teilen unter oder nur knapp über dem Meeresspiegel und hat mit den im Süden gelegenen Karpaten, Beskiden und Sudeten nur wenige Gebirge.

    Am 20. Juni 2010 wird jedenfalls gewählt. Voraussichtlich wird es zu einer Stichwahl kommen, Hauptsache, diese gewinnt am Ende der liberale Bronek, wie ihn seine Landsleute nennen.

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