Überraschungsstopp Köhler besucht deutsche Truppen in Afghanistan

Der Bundespräsident stoppt auf seiner Rückreise aus China überraschend in Afghanistan. Es ist der erste Besuch eines deutschen Staatsoberhaupts seit über vierzig Jahren.

Horst Köhlers Besuch in Afghanistan ist der erste eines deutschen Staatsoberhauptes seit 43 Jahren

Horst Köhlers Besuch in Afghanistan ist der erste eines deutschen Staatsoberhauptes seit 43 Jahren

Bundespräsident Horst Köhler hat auf dem Rückflug von der Weltausstellung in Shanghai überraschend einen Zwischenstopp in Afghanistan eingelegt. Zusammen mit seiner Ehefrau Eva Luise besucht er das Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif.

Köhler sprach den Soldaten seine Hochachtung und seinen Respekt aus. "Ihr Einsatz ist schwierig und gefährlich, aber richtig und legitim." Der Bundespräsident zeigte sich zufrieden darüber, dass in Deutschland inzwischen intensiv über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan diskutiert werde. Sein Besuch war aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt worden.

Anzeige

Es ist die erste Reise eines deutschen Staatsoberhauptes nach Afghanistan seit mehr als 40 Jahren. Der letzte Besuch datiert aus dem März 1967, der damalige Bundespräsident hieß Heinrich Lübke.

Köhler und seine Frau gingen im Bundeswehr-Feldlager zum Ehrenhain für getötete Soldaten, verneigten sich dort und hielten im Gedenken inne. Begleitet wurden sie vom deutschen Kommandeur, Brigadegeneral Frank Leidenberger, mit dem sich Köhler anschließend zu einem Gespräch traf.

Köhler hat sich bislang relativ wenig zu dem zunehmend umstrittenen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geäußert. Im August vergangenen Jahres hatte er eine breite Debatte über das Engagement gefordert . Kurz darauf kochte die Diskussion hoch, nachdem am 4. September bei einem von der Bundeswehr angeordneten Luftschlag im nordafghanischen Kundus neben Taliban-Kämpfern auch Zivilisten starben.

Köhler hatte vor dem Bombardement gesagt: "Wir alle, vor allem die Politik, haben die Aufgabe, den Einsatz in Afghanistan zu erklären." Die Gesellschaft nehme an dem Einsatz zu wenig Anteil. "Ich glaube, das freundliche Desinteresse hat sich noch nicht wirklich gewandelt in ein auch sorgenvolles Interesse." Der Präsident hatte damals hinzugefügt: "Die Soldaten haben unser aller Anerkennung und Dank verdient." Wenige Tage nach dem Luftschlag in Kundus sagte Köhler, die Bundeswehr sei "zu einer Armee im Kampf" geworden.

Am Tag vor Köhlers Besuch war die Bundeswehr in Nordafghanistan gleich zweimal angegriffen worden. Bei einem Anschlag nördlich von Kundus-Stadt wurde ein Soldat leicht verletzt. Wenige Stunden später wurde in der Region Feisabad eine Patrouille beschossen. Nach Angaben der Bundeswehr kam niemand zu Schaden.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war zuletzt Mitte April in Afghanistan gewesen . Am letzten Tag seines Besuches waren in der Provinz Baghlan, die an Kundus angrenzt, vier deutsche Soldaten bei Taliban-Angriffen getötet und fünf Soldaten verletzt worden. Guttenberg brach damals seine Rückreise ab und kehrte nach Afghanistan zurück.

Der Tod der Soldaten verschärfte die Debatte in Deutschland über den Einsatz weiter. Zwei Wochen zuvor waren am Karfreitag bereits drei deutsche Soldaten in einem Hinterhalt der Taliban ums Leben gekommen. Eine klare Mehrheit der Bevölkerung ist in Umfragen für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.

Seit Beginn des Einsatzes im Jahr 2002 sind in Afghanistan insgesamt 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen , 26 von ihnen bei Anschlägen oder Gefechten. Im Rahmen der Internationalen Schutztruppe ISAF sind derzeit nach Angaben der Bundeswehr mehr als 4300 Soldaten im Einsatz. Der Bundestag hatte die im Mandat festgesetzte Obergrenze im Februar von 4500 auf maximal 5350 Soldaten erhöht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war bislang zweimal in Afghanistan. Zuletzt besuchte sie im April vergangenen Jahres deutsche Soldaten im Norden des Landes.
 

 
Leser-Kommentare
  1. denn da ist er in " Sicherheit " -

    keine Angie - kein GW - kein Euro -

    und Jever gibts da auch...........

  2. >>im Feldlager Masar-i-Scharif sagte er: "Hier, finde ich, fühlen die Soldaten weitgehend, es ist ein Krieg. Und dem werde ich nicht widersprechen."<<
    falls das zitat urheberrechtlich...blah, hier der link:
    http://www.n-tv.de/politi...

    ich mag Köhlers Gradlinigkeit:

    Er widerspricht nicht. nie.

    auch schade...

  3. Gähn, was ein Aufreger. Der Sack Reis, der letzte Woche in China umgefallen ist hätte mich eher interessiert. Oder das Paarungsverhalten von kanadischen Steppenfröschen.

    Okay ich hab übertrieben, aber was bitteschön soll das mahnende Wort eines machtlosen, mit geringen Befugnissen ausgestatteten Staatsoberhauptes bewirken?

    MfG
    AoM

  4. Der Einsatz wird bestimmt noch eine Weile fortgesetzt werden. Ich habe jetzt noch mehr Angst davor bekommen, als ich im Fernsehen sehen musste, wovon hier auch berichtet wird, wie Köhler die Heimatfront gleichmachen will in der Befürwortung. Bald darf keiner mehr Zweifel daran äußern, dass unsere Soldaten dort zur Vaterlandsverteidigung töten und getötet werden. Der christliche Militarismus, der preußische Gott-mit- uns Stiefel, soll wieder hoffähig gemacht werden, ohne religiöse Unterfütterung ist das Töten nicht auszuhalten. "Vater, in deine Häne befehle ich meinen Geist!"In der Nachfolge Jesu wird also Krieg geführt. Das ist auch theologisch eine entsetzliche Gefahr. Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Der Frieden ist der Ernstfall.

  5. Gute Aktion von Köhler, den Soldaten in Afghanistan einen Besuch abzustatten.

    Selbst wenn die Soldaten selbst erheblich überrascht von seinem Besuch waren, wirkt vieles seitens der Bundeswehr recht linkisch.

    Ranghohe Offiziere, die ohne Kopfbedeckung salutieren. Ist das neu, oder haben es Soldaten ab einem gewissen Rang nicht mehr nötig, ihre Unifomteile beeinander zu halten (gerade beim Besuch eines Staatsoberhauptes)? Im zweifelsfall Barett vom Kameraden leihen, wenn man den Präsidenten begrüßt.

    Geeignetes Schuhwerk hätte man dem Präsidenten und seiner Frau sicherlich zur Verfügung stellen können, damit sie souverän und trittsicher auftreten können.

    Tut es not, daß jeder Soldat dem Präsidenten mit gezückter Digitalkamera zu Leibe rückt?

    Siehe dazu http://www.spiegel.de/pol...

  6. Nicht nur Afghanistan gilt als Kriegsschauplatz,der Neue
    liegt in Somalia!Nach dem Vorbild von Blackwaters kämpfen
    ehemalige Bundeswehrsoldaten als Söldner auch bald für die
    deutsche Firma Asgaard German Security,Telgte,in Somalia!
    Da darf der Bundespräsident auch nicht fehlen,das Kriegs-
    handwerk und ihre jahrhunderte Tradition auch als Söldner
    hat wieder Konjunktur wie damals bei Kongo-Müller,Rolf Stei-
    ner,Schramme usw.im Kongo,wo es Diamanten zu holen gab in
    Katanga,der ehemals belgischen Kolonie!Erst in Afghanistan
    das Kämpfen lernen und später als Söldner in der ganzen Welt
    kämpfen,das will auch die deutsche Regierung,denn diese Fir-
    ma wirbt damit auf ihrer Internetseite sowie mit Heckler und
    Koch,alles nach Vorbild der Amis!Einen Vertrag gibt es auch
    schon mit einem Politiker,der mit Hilfe deutscher Söldner in
    Somalia an die Macht will,aber Herr Westerwelle weiss nichts
    davon als Aussenminister.Also Arbeitslose,wer ein bisschen
    Abenteuer braucht,viel Geld verdienen will und gerne mal in
    einem Bürgerkrieg Menschen tötet,der hat eine gute Karriere
    vor sich in Afrika,nur erlitten die Amis 1993 dort eine ge-
    hörige Niederlage,aber wir Deutschen machen das besser.Unser
    Land entwickelt sich immer mehr zu einem Kriegsland,aber
    man muss sich wirtschaftliche Interessen sichern und sollte
    Somalia mal Geld haben,so wird sich die Rüstungsindustrie
    über die Aufträge freuen,das bringt neue Absatzmärkte,die
    mit Krieg erschlossen werden,ganz im Sinne der Regierung!

  7. Köhler im Deutschlandradio:
    "Es sei in Ordnung, wenn kritisch über den Einsatz diskutiert werde. Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler 'freie Handelswege'. Es gelte, Zitat 'ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen' und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten."
    Follath im neusten SPIEGEL:
    "Sie verkennen die tieferen Gründe für diesen Krieg, für jeden Krieg der Neuzeit (...). Reden wir von Geopolitik, von Militärbasen und Bodenschätzen, von Pipelines und Drogenrouten. Cui bono: Reden wir darüber, wer heute wirklich warum in Afghanistan kämpft".
    "Außerdem sollen Teherans Exportmöglichkeiten begrenzt werden, keine Erdöl- und Erdgasleitungen von iranischen Feldern durch Afghanistan führen."
    "Afghanistan ist aber nicht nur als Transitstaat von großer Bedeutung: Es besitzt riesige ungehobene Bodenschätze, die (...) vor allem aber den Förderländern und Förderfirmen exorbitante Gewinne versprechen".

  8. Der Bundespräsident besucht deutsche Truppen in Afghanistan
    Deutsche Truppen im Kampfeinsatz in Afghanistan. Kampfeinsätze – Kriegseinsatz. Mir ist nicht bekannt, dass der deutsche Bundestag ein Mandat zur Kriegführung in Afghanistan beschlossen hat. Der Besuch des Bundespräsidenten bei der Truppe bedeutet dann auch-der Bundespräsident Deutschlands- nimmt illegitimes Handeln hin.
    Der Hüter von Recht und Verfassung kann auch mit seinem Besuch im Kriegsgebiet mit seinem Besuch keine Legitimität des Kriegseinsatzes herstellen.
    Walter Wasilewski

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service