Sicherheitspolitik Expertenkommission legt neue Nato-Strategie vor

Erstmals nach 9/11 will sich die Nato eine neue Strategie geben. Eine Expertenkommission unter Ex-US-Außenministerin Albright legte jetzt erste Vorschläge vor.

Die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright während der Vorstellung ihres Nato-Strategie-Konzeptes. Im Hintergrund Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen

Die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright während der Vorstellung ihres Nato-Strategie-Konzeptes. Im Hintergrund Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen

Gestützt auf Atomwaffen und eine eigene Raketenabwehr will die Nato den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen. Das sieht das neue strategische Konzept des Bündnisses vor, das eine Expertenkommission um die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright dem Nato-Rat in Brüssel präsentierte. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedsländer sollen die neue Strategie im November in Portugal beschließen.

"Solange Atomwaffen existieren, sollte die Nato sichere und verlässliche Nuklearkräfte behalten", heißt es in den 55-seitigen Empfehlungen der Experten. Zudem wirbt die Gruppe um Albright für den Aufbau einer eigenen Raketenabwehr in enger Zusammenarbeit mit Russland. Die US-Pläne für eine Raketenabwehr werden damit erstmals "voll in einen Nato-Kontext gestellt", wie es in dem Entwurf heißt.

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Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird auf Grundlage der Experten-Empfehlungen einen förmlichen Vorschlag für eine neue Strategie des Bündnisses erarbeiten. Sie soll die bisherige Strategie von 1999 ersetzen.

Nach den Terrorangriffen auf die USA im September 2001 folgte in Afghanistan die größte Militäraktion der Nato , neun Staaten sind dem Bündnis beigetreten, die Armeen der Nato-Mitglieder werden kleiner, die globalen Bedrohungen beispielsweise durch Atomwaffen größer. Mit der neuen Strategie will die Verteidigungsallianz auch gezielter auf Angriffe im Internet reagieren.

Die Nato hatte mit der letzten Strategie von 1999 klargemacht, dass sie auch zu Kriseneinsätzen bereit ist, denen nicht ein direkter Angriff auf ein Bündnismitglied gemäß Artikel 5 des Nato-Vertrags (Beistandsverpflichtung) vorausgeht. Seit der Gründung des Bündnisses 1949 ist die Strategie mehrmals geändert worden. Sie ist Grundlage der Struktur der Streitkräfte und der Verteidigungsplanung.

2006 aktualisierte die Nato die bestehende Strategie mit "Leitlinien". Diese sehen unter anderem vor, dass das Bündnis nicht mehr für einen einzigen großen Krieg plant. Künftig sollten zwei große und bis zu sechs kleine Einsätze gleichzeitig bewältigt werden können. Als groß gilt ein Einsatz mit 60.000, als klein ein Einsatz mit 20.000 bis 30.000 Soldaten.

Vor dem Beschluss im November erwarten Nato-Diplomaten kontroverse Debatten. Umstritten sind unter anderem die Beziehungen zu Russland, die Rolle von Atomwaffen, die Raketenabwehr und die Frage, wie stark die Nato weltweit aktiv sein soll. Deutsches Mitglied der Expertengruppe ist der frühere deutsche Botschafter in Russland, Hans-Friedrich von Ploetz.
 

 
Leser-Kommentare
  1. "Umstritten sind unter anderem die Beziehungen zu Russland, die Rolle von Atomwaffen, die Raketenabwehr und die Frage, wie stark die Nato weltweit aktiv sein soll."

    In Huntingtons "Kampf der Kulturen" ist bereits 1997 nachzulesen, dass der Westen in den letzten Jahrhunderten nicht etwa auf seine attraktiven Ideen (Demokratie usw.) stützte, sondern auf seine Überlegenheit in der "organisierten Gewalt". Offensichtlich soll die Überlegenheit in der militärischen strukturelle Gewalt - einschließlich der Atomwaffen - auch weiterhin mit ca 80 % der weltweiten Rüstungsausgaben gesichert werden, um den Globus weiterhin "im Griff" zu haben.

    Offensichtlich hat die NATO immer noch nicht geschnallt, dass die Sicherheit durch verseuchendes Öl, Klimawandel,ein "Kartenhaus Weltfinanzsystem", Ressourcenengpässe, Ungerechtigkeit, Armut, Terrorismus usw. bedroht ist:

    Will man diese "Unsicherheiten" mit den modernisierten Atomwaffen, für die OBAMA in den nächsten 10 Jahren 80 Milliarden Dollar ausgeben will, bekämpfen ???

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    • joG
    • 17.05.2010 um 15:15 Uhr

    ....zu pessimistisch, glaube ich. Das mit den Atomwaffen wird im Kontext der Herstellung eines internationalen Rahmens gesehen, der von allen getragen die Notwendigkeit des Besitzes solcher Waffen für einzelne Staaten unnötig machen soll. Bei heutigen Gegebenheiten wäre ein Abbau zumal auf Null wenig hilfreich und könnte die Sicherheitslage tendenziell destabilisieren.
    Auch wird eine supranationale Sicherheitsordnung nicht für sich alleine gesehen. Man sieht die Verflechtungen mit anderen Problemfeldern, die man als internationale öffentliche Güter bezeichnen kann, von denen sie oben einige gelistet haben. Es wird erkannt, dass man sie auf breiter internationaler Basis angehen muss und Einzellösungen als Stand-alones nicht funktionieren können.

    • joG
    • 17.05.2010 um 15:15 Uhr

    ....zu pessimistisch, glaube ich. Das mit den Atomwaffen wird im Kontext der Herstellung eines internationalen Rahmens gesehen, der von allen getragen die Notwendigkeit des Besitzes solcher Waffen für einzelne Staaten unnötig machen soll. Bei heutigen Gegebenheiten wäre ein Abbau zumal auf Null wenig hilfreich und könnte die Sicherheitslage tendenziell destabilisieren.
    Auch wird eine supranationale Sicherheitsordnung nicht für sich alleine gesehen. Man sieht die Verflechtungen mit anderen Problemfeldern, die man als internationale öffentliche Güter bezeichnen kann, von denen sie oben einige gelistet haben. Es wird erkannt, dass man sie auf breiter internationaler Basis angehen muss und Einzellösungen als Stand-alones nicht funktionieren können.

    • joG
    • 17.05.2010 um 15:15 Uhr

    ....zu pessimistisch, glaube ich. Das mit den Atomwaffen wird im Kontext der Herstellung eines internationalen Rahmens gesehen, der von allen getragen die Notwendigkeit des Besitzes solcher Waffen für einzelne Staaten unnötig machen soll. Bei heutigen Gegebenheiten wäre ein Abbau zumal auf Null wenig hilfreich und könnte die Sicherheitslage tendenziell destabilisieren.
    Auch wird eine supranationale Sicherheitsordnung nicht für sich alleine gesehen. Man sieht die Verflechtungen mit anderen Problemfeldern, die man als internationale öffentliche Güter bezeichnen kann, von denen sie oben einige gelistet haben. Es wird erkannt, dass man sie auf breiter internationaler Basis angehen muss und Einzellösungen als Stand-alones nicht funktionieren können.

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    Ich sehe es nicht "pessimistisch", sondern durch die
    Röntgenbrille der "Tiefenstruktur" der westlichen Kultur von der "Entdeckung" von Kolumbus (1492) bis zur Gegenwart.

    Das Ziel sollte es sein, einen Paradigmenwechsel (CHANGE) hin zu einem strukturellen und kulturellen Frieden anzustreben und nicht die alten Mechanismen der strukturellen und kulturellen Gewalt weiterzupflegen !

    Ich sehe es nicht "pessimistisch", sondern durch die
    Röntgenbrille der "Tiefenstruktur" der westlichen Kultur von der "Entdeckung" von Kolumbus (1492) bis zur Gegenwart.

    Das Ziel sollte es sein, einen Paradigmenwechsel (CHANGE) hin zu einem strukturellen und kulturellen Frieden anzustreben und nicht die alten Mechanismen der strukturellen und kulturellen Gewalt weiterzupflegen !

    • Akanda
    • 17.05.2010 um 16:01 Uhr

    Aus der Geschichte lernen wir, dass sich kein Land, kein Bündniss wirksam gegen Terrorattacken schützen kann.

    Die wirksamste Verteidigungs-Strategie stammt aus der uralten Vedischen Wissenschaft und beruht auf dem sogenannten Feldeffekt, der zu Ehren seines Begründers auch „Maharishi-Effekt" genannt wird:
    http://www.maharishi-welt...

    Der Maharishi-Effekt setzt auf der allem zu Grunde liegenden „unbesiegbaren" quantenmechanischen Ebene an, die nicht nur die Grundlage für alle physikalischen Phänomene im Universum ist, sondern auch allen psyschischen Erscheinungsformen eine Leinwand bietet.

    Dadurch kann die Entropie des sogenannten „kollektiven Bewußtseins" eines sozialen Systems verringert und ein Zustand der passiven „Unbesiegbarkeit" garantiert werden. Das wird in Krisengebieten ganz konkret in einer Abnahme von Kriegshandlungen und einer schnellen und andauernden Befriedung des Konfliktes beobachtet.

    Mit dieser Methode hat der ehemalige Präsident von Mosambik, Alberto J. Chissano Anfang der 90er Jahren einen langjährigen Bürgerkrieg innerhalb kürzester Zeit befriedet.
    Genauso wurde nach dem Ende der Apartheit die Situation in Südafrika beruhigt.

    Staaten, in denen der Maharishi-Effekt implementiert wird, fallen regelmäßig durch ein abruptes Ansteigen wünschenswerter Tendenzen auf allen Ebenen im ganzen Land auf: in den 90er Jahren war es Neuseeland, 2006-2008 die Niederlande, jetzt zahlreiche Länder in Lateinamerika.

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    und die Folgebücher.

    Auch da ging es ja schlußendlich um das Erwecken des "kollektiven Bewusstseins" zur Veränderung der Welt ins Positive.

    Der "Ghandi"-Effekt scheint da ja auch artverwandt.

    Für wirkliche überregionale Veränderungen erscheinen mir aber mindestens 10% weltweit nötig.

    und die Folgebücher.

    Auch da ging es ja schlußendlich um das Erwecken des "kollektiven Bewusstseins" zur Veränderung der Welt ins Positive.

    Der "Ghandi"-Effekt scheint da ja auch artverwandt.

    Für wirkliche überregionale Veränderungen erscheinen mir aber mindestens 10% weltweit nötig.

  2. Ich sehe es nicht "pessimistisch", sondern durch die
    Röntgenbrille der "Tiefenstruktur" der westlichen Kultur von der "Entdeckung" von Kolumbus (1492) bis zur Gegenwart.

    Das Ziel sollte es sein, einen Paradigmenwechsel (CHANGE) hin zu einem strukturellen und kulturellen Frieden anzustreben und nicht die alten Mechanismen der strukturellen und kulturellen Gewalt weiterzupflegen !

    Antwort auf "Das sehen Sie...."
    • hego5
    • 17.05.2010 um 17:26 Uhr

    un dann ist ja immer noch nicht genau geklärt was am 11. September genau geschehen ist? Die Filmchen sind ja überall im Netz vorhanden, aber das Rekrutieren der weltweiten 9/11-Verschwörungstheoretiker ist schon recht lang geworden!
    Jetzt sagen schon Politiker, Professoren, Ingenieure...aus!

    http://patriotsquestion91...

    Sind die alle so dumm??? Wie kann man nur den 11. September in Frage stellen??? Das waren doch die 16 Terroristen!!!

  3. Der Kalte Krieg wurde siegreich beendet. Doch welch Sieg? Wenn einem der Feind flöten geht, muss ein neuer Feind oder auch mehr, zur Sinngebung eines anachronistischen Militärbündnisses her.

    Heute reicht der Terrorismus - eigentlich eine polizeiliche Aufgabe - und das eigene Vorhandensein von Atomwaffen. Ob das allerdings Sinn macht, darf bezweifelt werden, aber es gibt Zeit zum Nachdenken. Vielleicht fällt diesen Leuten noch etwas Neues, Nachvollziehbareres ein.
    Zeit wird es.

  4. und die Folgebücher.

    Auch da ging es ja schlußendlich um das Erwecken des "kollektiven Bewusstseins" zur Veränderung der Welt ins Positive.

    Der "Ghandi"-Effekt scheint da ja auch artverwandt.

    Für wirkliche überregionale Veränderungen erscheinen mir aber mindestens 10% weltweit nötig.

    • pisie
    • 18.05.2010 um 5:08 Uhr

    Die neue Natostrategie sollte darin bestehen dass alle Besatzer nach Hause gehen muessen. So viele Nationen, so viele Jahre, so viele Tote und Schaeden die von denen angerichtet worden sind haetten schon laengst zu der Strategie des Abzugs fuehren muessen.

    Teilweise entfernt. Beteiligen Sie sich mit differnzierten und gut begründeten Thesen an der Diskussion. Die Redaktion/sh

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