Die Firma Asgaard German Security Group aus Münster schickt ehemalige Bundeswehrsoldaten in den Kampf gegen die somalische Übergangsregierung © Majid Saeedi / getty images

Mehr als 100 ehemalige Bundeswehrsoldaten sollen nach Informationen von NDR Info schon bald in den Bürgerkrieg in Somalia eingreifen. Die Firma Asgaard aus Telgte bei Münster hat einen entsprechenden Vertrag mit dem somalischen Politiker Galadid Abdinur Ahmad Darman geschlossen, der in Opposition zur international anerkannten Übergangsregierung Somalias steht.

Experten warnen davor, dass ein weiterer Kriegsherr mit auf höchstem Niveau ausgebildeten Soldaten an seiner Seite die Lage in Somalia erheblich verschärfen könnte. Annette Weber von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte: "Wenn jetzt eine deutsche Firma eine somalische Miliz ausbildet und unterstützt, dann geht das sicherlich gegen die Interessen Deutschlands." Mehrere Bundestagsabgeordnete kritisierten das Verhalten Asgaards.

"Der Vertrag beinhaltet weitreichende und exklusive Aufgaben- und Kompetenzbereiche: von der strategischen Beratung und Planung zur Sicherheit bis hin zur operativen Umsetzung und Durchführung aller Maßnahmen, die notwendig sind, um Sicherheit und Frieden wieder herzustellen", heißt es in einer Pressemitteilung der Firma "Asgaard German Security Group".

In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg . Große Gebiete der Hauptstadt Mogadischu sowie des Südens und des Zentrums des Landes befinden sich in der Hand der islamistischen Shebab-Miliz.

Geschäftsführer Thomas Kaltegärtner, ein ehemaliger Hauptfeldwebel der Bundeswehr, sagte, es gehe in Somalia um militärischen Personen-, Objekt-, und Konvoischutz in einem Hochrisikoland unter Vollbewaffnung. "Für den Fall der Fälle, das heißt, wenn ein Angriff auf die Patrouille, den Konvoi stattfindet, reagiert dieses Team gleich", so Kaltegärtner. Er rekrutiere sein Personal zu "99,9 Prozent" aus Deutschland und rechne mit einer Mannstärke im "deutlich dreistelligen Bereich". Ein erstes Team sei bereits nach Somalia gereist.

Besondere Brisanz bekommt der Vertrag zwischen der Firma Asgaard und Darman zusätzlich dadurch, dass die Europäische Union somalische Sicherheitskräfte der Übergangsregierung in Uganda ausbildet. An der Mission "EUTM" sind auch 13 Bundeswehrsoldaten beteiligt.

Oppositionspolitiker Darman sagte, es seien auch Kampfeinsätze der Deutschen angedacht. "Sie bekommen gegebenenfalls ebenso den Auftrag zu kämpfen. Sie werden gemeinsam mit unseren Einheiten kämpfen." Er werde gegen Piraten, Islamisten und Terroristen vorgehen. Die von der internationalen Gemeinschaft installierte "Exilregierung" von Präsident Sharif Sheikh Ahmed habe versagt und im Gegensatz zu ihm keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Darman bezeichnete sich selbst als "gewählten Präsidenten der Republik Somalia".

SWP-Expertin Weber warnte vor einer weiteren Miliz in Somalia: "Wenn ein neuer bewaffneter Akteur mit in das Spiel kommt, hat das sicherlich keine friedlichen Auswirkungen." Der FDP-Außenpolitiker Rainer Stinner forderte, Asgaard zur Rechenschaft zu ziehen, weil der Vertrag gegen die verhängten UN-Sanktionen verstoße. Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Paul Schäfer, sprach von einem "Sündenfall", vor dem er schon immer gewarnt habe.

Das Auswärtige Amt hat nach eigenen Angaben nichts von dem Vertrag gewusst. "Über die Aktivitäten der Firma Asgaard German Security Group ist dem Auswärtigen Amt nichts bekannt", sagte ein Ministeriumssprecher. Das Bundesverteidigungsministerium teilte mit, dass es keinerlei vertragliche Beziehungen zu Asgaard unterhalte oder unterhalten habe.