Korrespondenten-Dinner Obama zwischen Comedy und Ölpest

Einmal im Jahr treffen sich Regierungsmitglieder und Journalisten in Washington, um gemeinsam zu lachen. Diesmal war es nicht ganz so einfach. Von Christoph von Marschall

Late-Night-Talk-Legende Jay Leno, die First Lady Michelle Obama und der Präsident beim Korrespondenten-Dinner im Weißen Haus (v.l.n.r.)

Late-Night-Talk-Legende Jay Leno, die First Lady Michelle Obama und der Präsident beim Korrespondenten-Dinner im Weißen Haus (v.l.n.r.)

Das Dinner der White House Correspondent Association ist eine Mischung aus Bundespresseball, freilich ohne Tanzen, und der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst. Die Gäste tragen Abendkleid und Smoking. Vor Urzeiten hatte die Tradition als geselliger Abend begonnen, an dem jene Journalisten, die täglich aus dem Weißen Haus berichten, einmal im Jahr unbeschwert mit Regierungsmitgliedern und den weniger prominenten Angestellten des Präsidenten essen und scherzen.

Daraus ist "the hottest ticket in town" geworden. Hollywoodstars fliegen eigens in die Hauptstadt, in diesem Jahr unter anderem Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Alec Baldwin, Steven Spielberg, Teenie-Schwarm Justin Bieber und die Popband Jonas Brothers. Die großen Medienkonzerne wetteifern darin, ganze Tische aufzukaufen, um ihre VIP-Gäste zu platzieren.

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Im harten Verteilungskampf werden die Plätze für die ursprüngliche Zielgruppe, die im Weißen Haus arbeitenden Korrespondenten, immer rarer. Nur wenige Ausländer ergattern eine der begehrten Eintrittskarten zu der Veranstaltung, die in einem Hotel stattfindet. Als Höhepunkt des Abends hält der Präsident eine Rede, in der er das politische Jahr Revue passieren lässt und sich selbst, den politischen Gegner sowie die Medien auf die Schippe nimmt. (Youtube-Video der Rede)

Am Sonnabend war jedoch die Frage: Darf Barack Obama sich das erlauben, während über die Südküste eine Ölpest hereinbricht, die womöglich Hunderttausenden die Existenzgrundlage nimmt und die Natur schwer schädigt? Andererseits: Soll er im Wahljahr die Medienelite durch eine Absage verärgern?

Obama wählte den Mittelweg. Er lieferte das erwartete Pointen-Feuerwerk zu Finanzkrise, Kampf um die Gesundheitsreform und die verlorene Senatsnachwahl in Massachusetts – unter den beifälligen Blicken seiner Frau Michelle, die ein rostrotes Abendkleid trug, erneut mit nackten Oberarmen. Er habe ja absagen wollen, aber sein Vize Joe Biden habe ihn überzeugt: "This is a big f… speech!"

Ein Auslassungston überlagerte den mit "f" beginnenden Kraftausdruck – eine Anspielung auf die ebenfalls nicht jugendfreie Gratulation zur Gesundheitsreform, die Biden Obama ins Ohr flüsterte, was aber ein Richtmikrofon auffing. Sein Auftritt werde "präsentiert von Goldman Sachs", fuhr er im Fernsehwerbeton fort. "Und die verdienen, ob Sie lachen oder nicht." Die Republikaner, die die Gesundheitsreform bekämpft hatten, verspottete er, weil die ein ähnliches Gesetz in Massachusetts verabschiedet haben. "Aber keine Sorge, Gedächtnisverlust ist eine Krankheit, die seit meiner Reform zum Leistungskatalog der Versicherer zählt."

Leser-Kommentare
  1. Die bevorstehende Bedrohung der US-Küste durch die britische Ölkatastrophe wird ernster, falls man den ständig näher rückenden Ölteppich nicht vorher einfangen bzw. abfackeln kann. British Petroleum will die Verantwortung übernehmen.

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