BP-Chef Tony Hayward hat eine "beispiellose Serie von Fehlern" als Ursache für die Ölpest im Golf von Mexiko eingeräumt. In einer schriftlichen Erklärung, die Hayward für einen Auftritt vor dem Kongressausschuss vorbereitet hat, gibt Hayward zu, dass die Sicherheitsmaßnahmen und -technologien bei Tiefseebohrungen "deutlich" verbessert werden müssten. Die Katastrophe "hätte niemals geschehen dürfen". BP werde tun, "was wir können, um sicherzustellen, dass das nicht noch einmal passiert".

Bereits zuvor hatte sich der britische Konzern bereit erklärt, einen Treuhandfonds im Umfang von 20 Milliarden Dollar einzurichten: Aus diesem Topf sollen die Ölpest-Opfer entschädigt werden. Außerdem will BP 100 Millionen Dollar für Ölarbeiter bereitstellen, die durch die Katastrophe arbeitslos geworden sind. Der Konzern wird zudem in diesem Jahr keine Dividenden an seine Teilhaber auszahlen. Diese Maßnahmen wurden bei einem Treffen mit Präsident Barack Obama im Weißen Haus vereinbart.

Trotz dieser Schritte steht auf Hayward ein schwerer Gang bevor: Der BP-Chef muss sich bei der geplanten Anhörung im Energie- und Handelsausschuss des Abgeordnetenhauses auf einen Sturm der Kritik einstellen. Hayward ist in den acht Wochen seit Beginn der Katastrophe in den USA zum Gesicht der Ölkatastrophe geworden. Nicht nur spielte er das Ausmaß des Desasters zunächst herunter, er beklagte sich auch darüber, wie zeitaufwändig der Kampf gegen die Katastrophe sei: "Ich will mein Leben zurückhaben." Obama selbst war so wütend auf Hayward, dass er noch vor Kurzem in einem Interview sagte, dass er den BP-Chef schon längst gefeuert hätte – wenn er es könnte.

In seiner vorbereiteten Erklärung zum Auftakt der Anhörung hat sich Hayward jetzt entschuldigt: "Ich begreife die schreckliche Realität der Situation voll und ganz." Die Unglücksursache ist nach seinen Worten noch nicht geklärt. Der BP-Chef spricht von einem komplexen Vorfall und einer noch nie dagewesenen Kombination von Problemen. Seine "Trauer" über das Unglück sei mit jedem Tag gewachsen.

Im US-Kongress wurden die angekündigten Entschädigungszahlungen vor allem von Obamas Parteifreunden begrüßt. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sprach von einem "guten ersten Schritt". BP signalisiere, dass es gewillt sei, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warnte den Konzern: "Sollte es mehr als 20 Milliarden Dollar brauchen, wird BP die volle Summe für die Familien, Arbeiter und kleinen Geschäftsleute der Golfküste zahlen müssen." Die Zahlungen des Konzerns würden genau beobachtet, notfalls werde der Kongress "harte Gesetze" verabschieden, sollte BP seiner Verantwortung nicht nachkommen.

Der führende Republikaner Eric Cantor bewertete den Schritt von BP positiv, kritisierte aber zugleich Obama. Der habe immer noch nicht gesagt, wie er das Problem lösen wolle.

Obama lud eine Gruppe von Senatoren beider Parteien zu Beratungen über saubere Energien und eine Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energien ein. In einer Fernsehansprache hatte Obama als Konsequenz aus der Katastrophe ein Umdenken in der Energiepolitik gefordert. Die Ölpest sei "die bisher schmerzlichste und nachdrücklichste Ermahnung, dass die Zeit zur Nutzung sauberer Energien gekommen ist", sagte der Präsident.