Ölkatastrophe Obamas Schlachtplan gegen das Öl

Die Lage ist so ernst, dass er erstmals direkt aus dem Oval Office zum Volk sprach: US-Präsident Obama muss die Ölpest in den Griff bekommen. Hat er überzeugt? Eine Analyse

Der Ort, die Tonlage und die Sprache waren gezielt gewählt. Der Präsident wollte zeigen, wie ernst er die Lage nimmt. Erstmals sprach er direkt aus dem Oval Office, dem Zentrum der Macht, zu den Bürgern. Strategische Reden zu Reformen hält er in anderer Umgebung, meist stehend vor größerem Publikum, das zwischendurch klatscht. Nun saß er im dunklen Anzug hinter seinem Schreibtisch, was die Möglichkeit einschränkte, seine Botschaft mit Gesten zu verstärken. Sein Gesichtsausdruck war düster-entschlossen. Auch seine Vorgänger haben diese Inszenierung nur in Ausnahmesituationen gesucht: George W. Bush nach dem Terrorangriff von 9/11; Ronald Reagan nach der Explosion der Raumfähre "Challenger"; John F. Kennedy, um die Bürgerrechtsgesetzgebung voranzutreiben.

Auf den Tag genau acht Wochen zuvor ist die Ölbohrplattform Deepwater Horizon explodiert. Seither fließen täglich viele Millionen Liter Rohöl in den Golf von Mexiko. Die Schätzungen der Menge sind gerade wieder nach oben korrigiert worden. Neue Studien sprechen von 5,6 bis 9,6 Millionen Liter pro Tag; zuvor war von gut vier Millionen Litern die Rede. Die Korrekturen sind das Ergebnis präziserer Methoden, mit denen unabhängige Wissenschaftler die Bilder der Kameras in 1500 Meter Tiefe auswerten.

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Nur einen Teil des Öls, rund 2,4 Millionen Liter, fängt BP mit seiner Absaugeinrichtung über dem Unglücksbohrloch auf. Am Nachmittag war Obama von seiner vierten Reise an die Südküste zurückgekehrt. Dort hatte er aufgebrachten Fischern und Anwohnern, die vom Tourismus leben, versichert, dass er sich kümmert und ihnen in der Not helfen werde.

Was will Obama tun?

Seine 18-minütige Rede beginnt militärisch. Es gelte, "die Schlacht gegen das Öl zu gewinnen, das unsere Küsten und unsere Bürger angreift". Die Golfküste ist jetzt die dritte Front neben dem Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie den Kriegen im Irak, in Afghanistan und gegen das Terrornetzwerk al-Qaida. 30.000 Menschen habe er in die Schlacht zur Landesverteidigung gegen die drohende Pest geschickt. Dies sei eine ganz andere Art von Ölkatastrophe. Ihre Folgen seien nicht so rasch sichtbar wie nach dem Unfall des Tankers Exxon Valdez vor Alaska. Aber ihr Ausmaß sei auf die Dauer viel schlimmer. Nicht nur Monate, sondern Jahre werden Mensch und Natur die Auswirkungen spüren.

Obamas Schlachtplan: die Küsten vor dem Öl schützen, befallene Strandabschnitte säubern und parallel das Bohrloch schließen. Das kann freilich frühestens Mitte August gelingen. So lange dauern die beiden Entlastungsbohrungen. Auf Kosten BP’s wird ein Hilfsfonds von 20 Milliarden Dollar eingerichtet, aus dem die Anwohner für entgangene Einkünfte aus Fischerei und Tourismus entschädigt werden. Im letzten Drittel der Rede warb Obama für eine Energiewende. Sprachlich verglich er Amerikas Ölverbrauch mit einem Drogenabhängigen. Zudem habe die Kontrolle der Ölfirmen versagt; oft sei es zu Korruption gekommen. Er schließt mit reichlich nationalem Pathos und dem Rückblick auf Herausforderungen von historischer Bedeutung wie dem Zweiten Weltkrieg, die Amerika schließlich auch gemeistert habe. Sowie der Bitte, die Nation solle für die Menschen an der Küste beten.


Leser-Kommentare
  1. Wer hätte das gedacht. Aus einer ganz anderen Ecke ist eine große Gefahr für das Wohlbefinden der Menschen in den USA hervorgekrochen.

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