Rettungsschirm EU sieht keinen Handlungsbedarf wegen Spanien

Bundesregierung und EU-Kommission weisen Gerüchte zurück, eine Rettungsaktion für Spanien stehe bevor. Die spanische Regierungspartei spricht von "Spekulationen".

Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich vorerst nicht um Spanien. Sie warnt davor, Gerüchte herbei zu reden

Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich vorerst nicht um Spanien. Sie warnt davor, Gerüchte herbei zu reden

Die EU-Kommission und die Bundesregierung halten Hilfskredite an Spanien aus dem Euro-Rettungsschirm derzeit nicht für nötig. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte bei einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy davor, Probleme in Spanien herbeizureden. Es gebe ein Rettungspaket für den Euro-Raum. "Insoweit brauchen wir hier auch keine Sorge zu haben."

Sollte es Probleme geben, könne dieser Rettungsschirm jederzeit aktiviert werden. Spanien – oder welches Land auch immer – wisse, dass es diesen Schirm nutzen könne. "Aber ich finde, wir haben alle ein Interesse daran, die Dinge nicht herbeizureden, die gerüchtemäßig da sind", sagte Merkel weiter.
 

Anzeige

 
Auch die EU-Kommission wies einen neuen Medienbericht zurück, wonach sich Brüssel auf eine Rettungsaktion für Spanien einstellt. "Die Kommission hat keinesfalls die Absicht, einen spezifischen Plan für Spanien vorzubereiten", sagte deren Chef José Manuel Barroso. Einem Sprecher der Behörde zufolge gibt es auch keine entsprechende Anfrage aus Madrid.

Der spanische Bankensektor gilt als angeschlagen , da die Kreditinstitute stark in heimischen Staatsanleihen engagiert sind.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, die Voraussetzungen für die Mobilisierung des Rettungsschirmes seien die Zahlungsschwierigkeiten eines Eurolandes sowie die Gefährdung der Stabilität des Euro insgesamt. Dafür lägen die Voraussetzungen nicht vor. Spanien sei vergangene Woche erfolgreich an den Kapitalmarkt gegangen. Zudem verfüge das Land über einen nationalen Banken-Rettungsfonds. Dieser wäre dann auch die erste Anlaufstelle für spanische Banken.

Die spanische Regierungspartei PSOE trat den Spekulationen über drohende Probleme entgegen. "Gerüchte und Spekulationen" über einen unmittelbaren Zusammenbruch der spanischen Wirtschaft schadeten am meisten, sagte die PSOE-Sekretärin Leire Pajín. Die Wirtschaft des Landes sei gesund. "Das Vertrauen und die Zahlungsfähigkeit der spanischen Wirtschaft – die trotz Schwierigkeiten solide ist – ist die beste Garantie dafür, dass es dem Land gut geht."

Die EU-Kommission hatte schon länger angekündigt, sich im Rahmen von laufenden Defizitstrafverfahren gegen europäische Schuldensünder auch zu Spanien zu äußern. Spanien gilt neben Italien, Portugal oder Irland als ein möglicher Wackelkandidat der Euro-Zone. Die Neuverschuldung betrug im vergangenen Jahr 11,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt – erlaubt sind höchstens 3 Prozent.

Unterdessen stufte eine weitere Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Griechenlands auf Ramschstatus ab. Die Bonitätsnote sinke um vier Stufen von "A3" auf "Ba1", teilte Moody's mit. Den Ausblick schätzt die Rating-Agentur als stabil ein. Das bedeutet, dass mittelfristig keine weitere Abwertung in Erwägung gezogen wird.

Moody's folgt damit der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P), die die Bonität Griechenlands bereits Ende April auf Ramschstatus gesenkt hatte. Moody's begründet die Herabstufung vor allem mit Risiken des drastischen Spar- und Restrukturierungsprogramms der griechischen Regierung.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete am Montag mit Hinweis auf Berliner Regierungskreise, dass es in dieser Woche in Brüssel Gespräche zu Spanien geben solle. Demnach sollen vor allem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, für Hilfen plädieren. Eine Schuldenkrise in Spanien wäre für die EU deutlich schwieriger zu bewältigen als die in Griechenland.

Die Financial Times Deutschland hatte am vergangenen Freitag berichtet, falls sich die Probleme im Bankensektor Spanien verschärften, solle Madrid Kredite aus dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm der EU und des Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Gibt es keine neuen Ideen, wie man schlechte Nachrichten gut verkaufen kann?

  2. Schon interessant wie seit Jahrzehnten den Menschen verschwiegen wird, dass es andere Geldsysteme gibt die auch funktionieren!

    Geldsysteme ohne Zinsen oder mit negativen Zinsen, die eine zu starke konzentration von Besitz verhindern, werden aus der Geschichte getilgt. Und sie wissen schon warum, da es die bestehenden Machtverhältnisse grundlegend verändern würde.

    Den Menschen wird auch nicht gesagt, dass solche Systeme dazu führen, dass das Geld zwischen den Menschen zirkuliert und nicht im Finanzsystem. Auch in solchen Systemen wären Investitionen mit Krediten möglich, nur das hier die Kredite zu realen Werten werden.

    Auch wird den Menschen nicht gesagt, dass solche Systeme viel stabiler sind, da sie nicht auf Wachstum angewiesen sind und keine Zinsen abbezahlt werden müssen!

    Aber anstatt dessen wird den Menschen erklärt, dass die Finanzmärkte uneren Wohlstand sichern und wir über sie unsere Rente absichern können. Doch wie Wahrheit sieht wie so oft genau anders herum aus. Die Riester Rente war wohl die größte Volkslüge in unserer jüngeren Geschichte. Und wer glaubt die Riester Rente sei sicher, dem sei gesagt, er/sie solle sein Geld lieber verbrennen, denn in Zukunft wird es sich ausgeriestert haben und alle wussten das! Es ging nämlich nur darum noch mehr Geld in die Märkte zu pumpen, damit sie noch ein bischen länger überleben.

  3. Daher Leute informiert euch mal über fließendes Geld, welches in Mitteleuropa für ca. 300 Jahre zu friedlichen Verhältnissen beigetragen hatte. Es gibt historische Aufzeichnungen über die großen Dombauten dieser Zeit, die in einer 4 Tage Woche hochgezogen wurden! Komisch, dass genau diese Zeit als Dunkles Mittelalter bezeichnet wird! Lag dies etwa am Geldsystem, da es für Spekulanten sicherlich ein dunkles Zeitalter war.

    Würde sagen unser Kernproblem ist unser Geldsystem, da Zinsen irgendwann einen exponentiellen Verlauf annhemen! Das einzige was dieses System retten würde, wäre eine Währungsreform gekoppelt mit einer globalen Entschuldung. Aber genau das ist nicht möglich, daher Kaaabooooom!!!

    Grüße an alle.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • holzi
    • 15.06.2010 um 12:29 Uhr

    Nur kommen wird es nicht so bald. Es ist doch evident, dass man versucht, dass Ende so weit wie möglich hinauszuschieben.
    Aber dann: Kaabooom, wie Sie so schön gesagt haben...

    • holzi
    • 15.06.2010 um 12:29 Uhr

    Nur kommen wird es nicht so bald. Es ist doch evident, dass man versucht, dass Ende so weit wie möglich hinauszuschieben.
    Aber dann: Kaabooom, wie Sie so schön gesagt haben...

    • holzi
    • 15.06.2010 um 12:29 Uhr

    Nur kommen wird es nicht so bald. Es ist doch evident, dass man versucht, dass Ende so weit wie möglich hinauszuschieben.
    Aber dann: Kaabooom, wie Sie so schön gesagt haben...

    Antwort auf "Teil II"
  4. It is bizarre to interject 19th century nationalism in a situation where the conflict should be described as between multinational corporations and the public at large.

    • joG
    • 15.06.2010 um 15:23 Uhr

    .....kein Thema. Das Paket deckt dieses Risiko völlig ausreichend ab. Das Problem ist vielmehr am Ende der Deckungsperiode. Diese ist zu kurz. Die Länder werden bis dahin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch immer in unhaltbaren Umständen sein und de Fakto entweder pleite oder drecksarm sein. Das wissen die Teilnehmer an den Märkten und kein Politiker wird ihnen etwas anderes vormachen können und lügt er noch so süß. Das ist das Gute an Märkten.

  5. Kommt es mir nur so vor, oder hat diese Kanzlerin tatsächlich wesentlich weniger "Handlungsbedarf" als alle ihre Vorgänger?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service