Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) zufolge haben die USA bei einem Angriff im Jemen einen Marschflugkörper mit Streumunition eingesetzt. Bei dem Beschuss eines mutmaßlichen Al-Qaida-Lagers im Südjemen seien im Dezember 55 Menschen getötet worden, sagte der Ai-Rüstungsexperte Mike Lewis. Die meisten der Opfer seien Zivilisten gewesen. Amnesty lägen Fotos vor, auf denen Reste eines explodierten Tomahawk-Marschflugkörpers aus US-Produktion zu sehen seien. Amnesty sei "sehr besorgt", dass im Jemen Streubomben zum Einsatz kämen, sagte Lewis.

Als "grob fahrlässig" bezeichnete der Vizechef des Ai-Programms für Nahost und Nordafrika, Philip Luther, den Angriff mit so vielen Frauen und Kindern unter den Opfern. Das gelte insbesondere für den Einsatz von Streubomben.

Jemens Verteidigungsministerium hatte die Verantwortung für den Angriff auf die Gemeinde El Maadschala in der Provinz Abjan übernommen, ohne eine Beteiligung der US-Armee zu erwähnen. Es hieß, al-Qaida unterhalte in El Maadschala ein Ausbildungslager. Nach Regierungsangaben wurden bei dem Angriff bis zu 30 Extremisten getötet. Später kam eine parlamentarische Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass 41 Zivilisten, überwiegend Frauen und Kinder, und 14 mutmaßliche Al-Qaida-Kämpfer ums Leben kamen.

In der Amnesty-Erklärung wird darauf hingewiesen, dass eine Tomahawk-Rakete, deren Trümmer auf den Fotos zu sehen seien, mit 166 Streubomben bestückt werden könne. Jede von ihnen setze bei der Explosion 200 scharfkantige Stahlgeschosse frei. Diese könnten noch in 150 Metern Entfernung Verletzungen verursachen. Außerdem würden chemische Stoffe freigesetzt, die Feuer entfachten. Die jemenitische Parlamentskommission hatte nach ihrem Ortstermin davon berichtet, dass im Umkreis des Raketeneinschlags sämtliche Hütten verbrannt gewesen seien.