Finanzregulierung EU-Abgeordnete warnen vor Macht der Banken-Lobby

In Europa wächst der Frust über uneinsichtige Banker, aussichtslose Reformbemühungen und mächtige Lobbyisten. Jetzt sorgen sich EU-Parlamentarier um die Demokratie.

Als der Schock der Lehman-Pleite noch groß war, appellierten Politik wie Teile der Wirtschaft unisono: Das bisherige Gebaren der Banken müsse ein Ende haben, die Finanzbranche strenger kontrolliert und das Durchsetzungsvermögen des Staates gestärkt werden. Gut eineinhalb Jahre später sieht die Realität anders aus: Viele Reformbemühungen kommen über Absichtserklärungen nicht hinaus .    

Führende Europaabgeordnete, die die Reform der Finanzmärkte vorantreiben wollen, sehen den Grund für die mühevollen Verhandlungen vor allem in der übermächtigen Lobby der Banken. "Wir, die für die Regulierung der Finanzmärkte und des Bankgewerbes zuständigen europäischen Abgeordneten, stehen täglich unter dem Druck des Finanz- und Banksektors", heißt es in einem fraktionsübergreifenden Aufruf .

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Die Parlamentarier, darunter der SPD-Politiker Udo Bullmann und der Grüne Sven Giegold, sehen sogar die Volksherrschaft in Europa bedroht. Es sei zwar in Ordnung, dass die Branche ihre Standpunkte bekanntmache, schreiben sie. Aber "der Mangel an Gegen-Expertise erscheint uns eine Gefahr für die Demokratie". Denn es gehe um einen Kontext, "in dem die politische und Finanzelite sich sehr nahestehen ".

Den Einfluss der Lobbyisten auf die Arbeit der Abgeordneten beschreibt Bullmann in der Financial Times Deutschland ( FTD ). So würden die Banken Horrorszenarien über die Folgen schärferer Finanzmarktregeln verbreiten. "Es gibt keine neutrale Instanz, die die Zahlen der Banken überprüfen kann", wird der SPD-Politiker zitiert. "Aber es ist eine Menge Geld fürs Lobbying da, um jeden dummzuschwätzen."

Auch der Grünen-Europaabgeordnete Giegold beklagt in der Zeitung das Übergewicht der Finanzbranche in den Expertengruppen der EU-Kommission, in denen sich die Brüsseler Behörde für ihre Gesetzesinitiativen beraten lässt. "Niemand weiß, was dort besprochen wird, es werden keine Protokolle öffentlich", sagte Giegold und forderte ein verbindliches Lobbyregister.

Auf ein weiteres Problem macht der CDU-Parlamentarier Burkhard Balz aufmerksam: Anders als etwa der Bundestag oder auch die Landtage verfüge das EU-Parlament über keinen eigenen wissenschaftlichen Dienst, der die Abgeordneten bei ihrer Recherche unterstützen könne. "Da sehe ich ein Defizit", sagte Balz in der FTD . Demgegenüber seien die Hedgefonds- und Private-Equaty-Manager "geballt nach Brüssel" gefahren, um mit Abgeordneten zu sprechen. "Das war die reinste Überflutung an Terminwünschen", erzählt Balz aus seinem Politiker-Alltag. "Manche Lobbyisten wollten mich sogar am Wochenende zu Hause besuchen."

Grund für die Übermacht der Lobby-Industrie sei auch das Fehlen einer "ausreichenden Gegenmacht" . Deshalb seien nun auch die Bürger in Europa gefordert. "Wir rufen die Zivilgesellschaft auf, eine oder mehrere Nichtregierungsorganisationen zu bilden, um eine Gegenexpertise zu entwickeln und diese Erkenntnisse effizient über die Medien zu verbreiten", heißt es in dem Appell der Parlamentarier. Dies sei – im Gegensatz etwa zu den Themen Umwelt, Gesundheit oder Sozialpolitik – auf dem Gebiet der Finanzbranche bislang ausgeblieben. "Uns fehlen Stimmen, wie wir sie mit Greenpeace oder Misereor haben", sagte Giegold der FTD .

Bereits am Wochenende hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet , das Verhalten von Banken nach der Finanzkrise verurteilt. "Die wären alle weg, wenn wir sie nicht gerettet hätten, das hatten wir vor Augen", sagte er der Welt am Sonntag . Deswegen sei es unverständlich, warum Bankmanager glaubten, so weitermachen zu können wie vor der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Exzessive Vergütungen und Bonuspakete sowie rein kurzfristig erzielte Gewinne, die keinen Bezug zur Realwirtschaft hätten, seien unhaltbare Zustände. "Das ist mit unseren bestehenden demokratischen Grundwerten nicht vereinbar", sagte Trichet.

 
Leser-Kommentare
  1. Eben haben ich zu einem anderen Artikel in einem Kommentar ausgeführt, warum die Banken mittlerweile viel Einfluss auf die Entscheidungen haben.

    http://www.zeit.de/2010/2...

    Es sind die Bürgschaften für die Banken, welche wie ein Damoklesschwert über uns kreisen und mit der Fälligkeit drohen.

    Da wir diesen Fall verhindern müssen, werden wir zu Erfüllungsgehilfen der Banken.

    • TDU
    • 21.06.2010 um 12:23 Uhr

    Der Ruf nach externer Beratung ist nichts anderes als ein Armutszeugnis. Noch vor kurzem war in der "Zeit" zu lesen, dass in der EU eine strenge Personalauswahl herrscht.

    Sind das alles Menschen, die sich mit Wirtschaftsstruktur und Finanzwirtschaft nicht auskennen?. Der pauschale Verweis auf die Lobbyisten ist doch banal und populistisch.

    Und NGO`S? Die werden dann schon wieder andere Ziele verfolgen und auf Gesinnung setzen, wo knallharte Rationalität und Kalkül gefordert ist.

    Und der eher an staatlicher Präferenz ausgerichtete Herr Präsident sollte den Prozess des Widerstands in Gang setzen, statt zu klagen.

    Wenn der Verdacht entstehen kann, man sei im Grunde an der Bewahrung des "Status Quo" interessiert oder man könne den Haien der Finanzwirtschaft nichts entgegen setzen, wird die Gefahr für die Demokratie auch von der Politik erzeugt.

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    ...sondern das genaue Gegenteil: Ein Hilferuf der Politik an die Bürger. Ich bin megadankbar für solche Stimmen.

    die sich mit Wirtschaftsstruktur und Finanzwirtschaft nicht auskennen?

    Ja schauen Sie sich die Elitetruppe doch einmal an!
    Da versteht keiner etwas vom normalen Leben, geschweige denn von Wirtschaft und Finanzen!

    Frau Koch-Mehrin z.B. sagt man Leistungsverweigerung und absolute Unkenntnis (in Hart aber Fair vor laufender Kamara bewiesen) nach! Und sie ist nicht einmal das abschreckenste Beispiel totaler Überforderung und Unfähigkeit. Dieses Phänomen herrscht nicht nur im EU-Parlament und in den EU-Kommissionen vor, es ist ebenso deutlich in Bundesregierung und -Parlament zu beobachten. Alles nur externe Leute, am Besten die aus den jeweils zuständigen Lobbys, die schreiben sich dann auch noch die für sie geltenden Gesetze selber.
    Warum ist das denn nicht schon längst allgemein bekannt?
    Oft genug wurde doch darüber in den Medien berichtet. Allerdings nicht im Stadel und nicht bei DSDS etc.

    ...sondern das genaue Gegenteil: Ein Hilferuf der Politik an die Bürger. Ich bin megadankbar für solche Stimmen.

    die sich mit Wirtschaftsstruktur und Finanzwirtschaft nicht auskennen?

    Ja schauen Sie sich die Elitetruppe doch einmal an!
    Da versteht keiner etwas vom normalen Leben, geschweige denn von Wirtschaft und Finanzen!

    Frau Koch-Mehrin z.B. sagt man Leistungsverweigerung und absolute Unkenntnis (in Hart aber Fair vor laufender Kamara bewiesen) nach! Und sie ist nicht einmal das abschreckenste Beispiel totaler Überforderung und Unfähigkeit. Dieses Phänomen herrscht nicht nur im EU-Parlament und in den EU-Kommissionen vor, es ist ebenso deutlich in Bundesregierung und -Parlament zu beobachten. Alles nur externe Leute, am Besten die aus den jeweils zuständigen Lobbys, die schreiben sich dann auch noch die für sie geltenden Gesetze selber.
    Warum ist das denn nicht schon längst allgemein bekannt?
    Oft genug wurde doch darüber in den Medien berichtet. Allerdings nicht im Stadel und nicht bei DSDS etc.

  2. Der Hund beißt in die Hand, die ihn füttert ....

  3. Wenn man als Abgeordneter weiß, daß man von Lobbyisten über den Tisch gezogen wird, dann läßt man sich auf Treffen eben nicht ein!

    Ich öffne doch auch nicht jedem Hausierer die Tür, wenn ich schon einmal nach so einem Gespräch ein Zeitschriftenabo abgeschlossen hatte, ohne nachher noch zu wissen warum eigentlich.

    Merke: Die besten und skrupellostesten Drücker gehen in den Lobbyismus.

  4. Anscheinend haben die Abgeordneten auch mal bemerkt wie sehr sie bereits im Schraubstock von Lobby-Gruppen stecken.

    Es gab mal Alternativen auch an den Hochschulen. Dann kam der Radikalenerlass und sog. "kommunistische" Profs waren weg vom Fenster. Wie können sich Organisationen bilden wenn das Know How zerstört wurde?

    Alles hat Folgen.

    Alle beten den amerikanischen Weg der wirtschaftsliberalen "Nobel"preisträger nach. Dazu muss man wissen, das Alfred Nobel niemals einen Preis für Wirtschaftswissenschaften gestiftet hat. Dies ist ein reiner Bankenpreis zu Ehren von Nobel.

    So muss es folgerichtig nach Wirtschaftsnobelpreis es heißen: Alles was gut ist für die Banken ist immer gut für die Wirtschaft.

    Man sollte sich von Wirtschaftsnobelpreisträger nicht blind leiten lassen, sondern alles im Kontext sehen.

    • isualK
    • 21.06.2010 um 13:33 Uhr

    Wenn ich mir vorstelle, dass in Deutschland der oberste Lobbyist, Herr Asmussen, als Staatssekretär im Finanzministerium sitzt und dort die Fäden zieht, dann kann ich nur sagen, dass wir schon viel zu weit gegangen sind. Dieser Herr, selbst SPD-Mitglied hatte unter den SPD-Finanzministern Eichel und Steinbrück freie Hand im Finanzministerium und dem Schäuble wurde er auf Druck der Kanzlerin aufs Auge gedrückt. Wahrscheinlich hat da der Ackermann Joe die Angie nach der Wahl angerufen und ihr befohlen, dass der Asmussen auf alle Fälle im Amt bleiben muss. Dann hat die Angie diesen Druck an Schäuble weitergegeben!

  5. ...sondern das genaue Gegenteil: Ein Hilferuf der Politik an die Bürger. Ich bin megadankbar für solche Stimmen.

    Antwort auf "Armutszeugnis"
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    der Bürger kann nur in ein paar Jahren wieder wählen und was wird das verändern?? am Ende gar nichts

    die Gesetze müssen schon die Abgeordneten verabschieden und ebenso die Spielregeln aufstellen, der Bürger kann das alles nicht

    es wäre doch ganz einfach, jeder der als Abgeordneter Geld von jemandem aus der Wirtschaft annimmt, genau so wie derjenige, der an Politiker Geld bezahlt, muss für Jahre hinter Gitter: wegen Korruption, wegen Staatszersetzung usw

    das wollen die Abgeordneten nicht, denn dann könnte man nicht schön leicht Geld verdienen bzw wäre mit einem Bein im Knast

    der Bürger kann nur in ein paar Jahren wieder wählen und was wird das verändern?? am Ende gar nichts

    die Gesetze müssen schon die Abgeordneten verabschieden und ebenso die Spielregeln aufstellen, der Bürger kann das alles nicht

    es wäre doch ganz einfach, jeder der als Abgeordneter Geld von jemandem aus der Wirtschaft annimmt, genau so wie derjenige, der an Politiker Geld bezahlt, muss für Jahre hinter Gitter: wegen Korruption, wegen Staatszersetzung usw

    das wollen die Abgeordneten nicht, denn dann könnte man nicht schön leicht Geld verdienen bzw wäre mit einem Bein im Knast

    • peto1
    • 21.06.2010 um 14:32 Uhr

    "Führende Europaabgeordnete, die die Reform der Finanzmärkte vorantreiben wollen, sehen den Grund für die mühevollen Verhandlungen vor allem in der übermächtigen Lobby der Banken."

    Anscheinend gibt es Korrupte Parlamentarier im EU Parlament.

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    zu wenig Geld kassiert

    bei Politikern gibt es keine Korruption, da ist so ein Nebenverdienst Wählerstimmenarbeit und auf alle Fälle immer legalisiert auch wenn jeder normal denkende Mensch das als Korruption ansehen würde

    zu wenig Geld kassiert

    bei Politikern gibt es keine Korruption, da ist so ein Nebenverdienst Wählerstimmenarbeit und auf alle Fälle immer legalisiert auch wenn jeder normal denkende Mensch das als Korruption ansehen würde

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