Paris und Berlin Europäer verzweifelt gesucht

Der deutsch-französische Motor braucht eine Generalüberholung – sonst kommt Europa nicht aus der Krise. Ein Appell von vier liberalen Abgeordneten des Europaparlaments.

Müssen die Initiative ergreifen: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel

Müssen die Initiative ergreifen: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel

Politik lebt von Bildern – und Inhalten. Helmut Kohl und François Mitterand, Hand in Hand auf den Schlachtfeldern von Verdun, oder Helmut Schmidt und Giscard d´Estaing, die Köpfe vertraulich zusammengesteckt.

Und heute? Deutschland-Frankreich, "la tiefe amitié"? In dieser Freundschaft knirscht es zurzeit, die großen Bilder für die Geschichtsbücher fehlen. In der grundlegenden Frage, wie auf die tiefe Krise des Euro, die gleichzeitig eine Vertrauenskrise der Märkte und der Bürger Europas ist, reagiert werden muss, liegen beide Länder auseinander.

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Auf ihrem Treffen am 14. Juni haben Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sich immerhin für eine europäische Wirtschaftsregierung bestehend aus allen 27 EU-Staaten ausgesprochen. Zugleich soll es aber weiter die Möglichkeit von Sondertreffen der 16 Staaten geben, die bereits den Euro eingeführt haben. Das ist ein solider Kompromiss. Jetzt muss nur noch klar werden, was genau unter einer Wirtschaftsregierung zu verstehen ist!

Divergenzen über die gemeinsame Europapolitik gab es seit jeher. Jahrelang haben französische und deutsche Politiker ihren Völkern zudem nur eine Hälfte der Euro-Geschichte erzählt. Während für Deutschland in erster Linie die Inflationsbekämpfung, Wahrung der Stabilität und eine klare Absage an jegliche Umwandlung in eine Transferunion auf der Agenda standen, ging es bei den Franzosen eher um Wirtschaftswachstum und die strategische Rolle der Gemeinschaftswährung. Jetzt ist es an der Zeit, beide Stränge zu vereinen.

Wir sollten die Stunde strategisch nutzen, Europa ist historisch gerade durch Krisen stärker zusammengewachsen. Auch die Eurokrise bietet die Chance, einen Quantensprung in der europäischen Integration zu machen. Auf dem EU-Gipfel am heutigen Donnerstag  müssen Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Sarkozy deshalb eine wirkliche Euroinitiative ergreifen, um Europa voranzubringen.

Der deutsch-französische Europa-Motor braucht eine Generalüberholung. Für uns als Europaparlamentarier aus Frankreich und Deutschland sind folgende zehn Punkte die zentralen Werkzeuge, um sie zustande zu bringen. Das Projekt Europa darf nicht weiter beschädigt werden. Gemeinsam sollten Deutschland und Frankreich jetzt folgende Leitlinien verinnerlichen und in die Praxis umsetzen:

1) Der Euro ist unsere gemeinsame Währung, wir müssen seinen Erhalt ohne Wenn und Aber verteidigen – als europäische Patrioten. Der Euro hat für Europa eine strategische Funktion gegenüber den wachsenden Exportmärkten China und Indien: Er stärkt die Rolle Europas und unserer Wirtschaft.

2) Die enge Abstimmung zwischen Frankreich und Deutschland ist Wesenselement eines erfolgreichen Euro. Alleingänge in der Wirtschafts- und Währungspolitik verbieten sich daher für beide Partner.

3) Der Euro hat unsere Wirtschaft vorangebracht; er schafft Transparenz für Europas Verbraucher und ist damit auch ein ordnungspolitisch wertvolles Gut. Dass er die Exporte innerhalb der EU erleichtert, ist eine allgemein akzeptierte Wahrheit. Er sichert und er schafft Arbeitplätze. Nur durch konsolidierte Haushalte werden die Eurostaaten global wettbewerbsfähig bleiben können.

Leser-Kommentare
  1. "Jahrelang haben französische und deutsche Politiker ihren Völkern zudem nur eine Hälfte der Euro-Geschichte erzählt."
    Das haben wir alle schon immer geahnt.
    Deshalb sind Durchhalteartikel wieder dieser wirkungslos.
    Man möge uns damit nicht länger langweilen.

    • WIHE
    • 17.06.2010 um 15:49 Uhr

    Der Euro ist unsere gemeinsame Währung, wir müssen seinen Erhalt ohne Wenn und Aber verteidigen – als europäische Patrioten.<

    Als deutschem Patrioten ist mir die Verteidigung der DM nicht gelungen,
    weshalb sollte ich mich jetzt ausgerechnet für den EURO einsetzen?
    Irgendwie empfinde ich eine offene Freude, dass ich
    in den neunziger Jahren zu den EURO-Gegnern gehörte, denn sonst müsste ich mir jetzt große Dummheit eingestehen.

    Der Spruch Euro, "Sprengstoff für Europa" (1997, Die Woche)stand über einem meiner Leserbriefe. Über einem anderem las man "Euro-Sprengstoff" (1998, Die WELT).

    • joG
    • 17.06.2010 um 18:11 Uhr

    .....Leitlinien verinnerlichen und in die Praxis umsetzen:...."

    Wieso denn das? Da müsste man, wenn man schon solche Forderungen stellt, auch erklären, warum das denn gut sein soll und vor allem, wem es nutzt. Wirtschaftliche Vorteile werden dem Euro zwar nachgesagt. Kennen tue ich eigentlich aber keine. Ich kenne auch niemanden, der wirklich überzeugende wirtschaftliche Argumente fand. Aber bitte, vielleicht weiß hier Einer welche. Und einfach eine "strategische" Funktion zu behaupten, die auch noch "gegen" andere Nationen gerichtet sein soll.... Also das ist nicht schwach. Das unterstellt dem Leser eine ungemeine Unbildung.

    Zur Erfüllung dieser Forderungen sind auch teilweise Souveränitätsübertragungen nach Brüssel notwendig, die eine völlig neue Kontrollmechanik und Organisation erfordern würden, wenn man auch nur scheinbar eine Demokratie oder ein Rechtsstaat sein will. Das GG wäre geweidet wie ein toter Bock. Dazu muss aber das Volk gefragt werden. Selbst Karlsruhe könnte das nicht verdecken. Wie will man das Volk ohne Argumente überzeugen? Einfach weiter lügen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Bleibt die Frage, wie lange der Souerän, das Volk, das böse Spiel auf seine Kosten zu etragen gewillt ist. Wer weiß schon, wann Wut und Resignation umschlagen in Rebellion. Auch gelenkte Demokratien sind auf Dauer nicht immun gegen den Volkswillen."

    Dr. Bruno Banduleit in der JF von heute

    "Bleibt die Frage, wie lange der Souerän, das Volk, das böse Spiel auf seine Kosten zu etragen gewillt ist. Wer weiß schon, wann Wut und Resignation umschlagen in Rebellion. Auch gelenkte Demokratien sind auf Dauer nicht immun gegen den Volkswillen."

    Dr. Bruno Banduleit in der JF von heute

  2. "Jetzt muss nur noch klar werden, was genau unter einer Wirtschaftsregierung zu verstehen ist!"

    Das frage ich mich schon seit Tagen wenn ich diese Worthülse höre.

  3. "Bleibt die Frage, wie lange der Souerän, das Volk, das böse Spiel auf seine Kosten zu etragen gewillt ist. Wer weiß schon, wann Wut und Resignation umschlagen in Rebellion. Auch gelenkte Demokratien sind auf Dauer nicht immun gegen den Volkswillen."

    Dr. Bruno Banduleit in der JF von heute

  4. Um die Macht zu erhalten, wird alles geopfert. Was haben wir uns an "politische Elite" herangezüchtet. Ob Euro oder
    Deutsche Mark, die Deutsch-Französische Freundschaft, egal,
    hauptsache die "ostdeutsche Marienerscheinung" bleibt an der Macht.

    • WIHE
    • 18.06.2010 um 13:30 Uhr

    J.F. Kennedy oder etwa dieses unsäglich rechte Blatt namens "Junge Freiheit" = neue Versklavung?<

    Die junge freiheit ist ein Blatt, in dem Probleme ohne verschleiernde politische Korrektheit angesprochen werden.
    Das erhöht den Durchblick für den Leser.

  5. Dieser undemokratischer macht üben ,durch paris, und berlin, wird für Europa und seine Völker einer kreuzt-gesteinigt weg.Diese eu ist vom oben modelliert worden,mit seinem elitär Konstrukt ist wie die SOWJETUNION zum scheitern verurteilt.Das euro ist einem Attentat auf der portemonnaie und der wohlstandder Menschen

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