Die Gipfeltreffen im Rahmen der G 20 sind zum wichtigsten globalen Forum geworden, um die internationale Reaktion auf die Krise des globalen Finanzsystems abzustimmen. Am Aufstieg der G 20 wird die gewachsene wirtschaftliche und politische Bedeutung der Schwellenländer deutlich, allen voran China und Indien.

Doch auch eineinhalb Jahre nach dem nur knapp und mit Hunderten Milliarden Steuergeldern und Staatsbürgschaften abgewendeten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems hat sich der Eindruck verfestigt, dass die G 20 keine substantiellen Systemänderungen auf den Weg bringen wird. Zu unterschiedlich sind ihre Ansätze und Interessen – und zu wenig demokratisch legitimiert das Forum.

Tiefgreifende und anscheinend unüberbrückbare Interessengegensätze dominieren auch andere internationale Politikfelder. Beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember gab es statt eines neuen Abkommens nur ein von 25 Staaten ausgehandeltes Schlussdokument, das von der Konferenz lediglich zur Kenntnis genommen wurde. Ein neuer verbindlicher Weltklimavertrag ist derzeit noch nicht in Sicht.

Die Doha-Entwicklungsagenda unter dem Dach der Welthandelsorganisation ist praktisch zum Erliegen gekommen. Konflikte um den Abbau von Agrarsubventionen stehen seit Jahren im Weg. Und der im März 2006 gegründete Menschenrechtsrat wird dem eigenen Anspruch nicht gerecht. Weiterhin werden Mitglieder gewählt, die selbst die Menschenrechte mit Füßen treten.

Aber auch die UN selbst sind nicht in der Lage, wegweisende Beschlüsse zu fassen – zu antiquiert sind ihre Strukturen. Doch die Strukturreform der UN schleppt sich weitgehend ergebnislos dahin. Die Arbeitsgruppe der UN-Generalversammlung zur Reform des Sicherheitsrates tagt seit 1993. Ein Durchbruch wäre überraschend.

Die Friedensdividende nach dem Kalten Krieg war nur von kurzer Dauer. Gemessen an den Rüstungsausgaben ist die Welt heute so unsicher wie seit zwanzig Jahren nicht. Mit weltweit rund 1,2 Billionen Euro haben die Ausgaben 2009 ein neues Hoch erreicht.

Die in den 1990er Jahren so optimistisch ausgerufene "Weltinnenpolitik" steckt also in einer tiefen Krise. Überkommene völkerrechtliche Prämissen und Strukturen machen die Welt inzwischen anscheinend unregierbar.