65 Jahre UN-Charta Wie die UN wegweisend werden könnenSeite 3/3

Das System der internationalen Organisationen ist von schwerwiegenden Koordinationsproblemen und dadurch bedingten Effizienzverlusten geprägt. Revitalisierte und demokratisierte UN könnten tatsächlich zu einem Mittelpunkt gemacht werden, in dem die Weltgemeinschaft ihre politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ziele definiert und aufeinander abstimmt. Die UN könnten so zu einem Forum werden, das tatsächlich in der Lage ist, die vielfältigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzugehen.

In den letzten zwanzig Jahren haben unzählige hochrangige Ausschüsse, Expertenkommissionen, Denkfabriken und politische Gremien einen endlosen Strom von Empfehlungen und Berichten über solche und andere Reformen in die Welt gesetzt. Darauf kann aufgebaut werden.

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65 Jahre nach Gründung der UN ist es an der Zeit, eine neue Weltordnungskonferenz wie seinerzeit in San Francisco einzuberufen – gewissermaßen ein San Francisco 2.0. Nur dass diese Konferenz wahrscheinlich in Shanghai tagen müsste, um den neuen geopolitischen Gewichten Rechnung zu tragen. Die UN-Charta selbst weist dazu in Artikel 109 den Weg: Eine Revisionskonferenz tritt zusammen, wenn dies eine Zweidrittelmehrheit der UN-Generalversammlung und neun beliebige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates beschließen.

Andreas Bummel ist Vorsitzender des Komitees für demokratische UN. Hermann E. Ott ist Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag

 
Leser-Kommentare
  1. Ein großes Dankeschön an die Zeit, dass sie sich diesem äußerst wichtigem Thema widmet.

    ÜBRIGENS:

  2. Kampagne für die Einrichtung eines Parlaments bei den Vereinten Nationen: http://de.unpacampaign.org/

    Komitee für eine demokratische UNO: http://www.kdun.org/de/

    • lpzig
    • 25.06.2010 um 11:46 Uhr

    Das letzte was diese Welt braucht, sind mehr Behoerden, Politiker und Beamten!

  3. Eine demokratische UN ist der mit Abstand beste Weg, das folgende Jahrhundert am besten und gerehtesten zu gestalten. Eine globale EU wäre lanfristig im Interesse aller, die armen Staaten haben Macht und bekommen Unterstützung, die Reichen staaten können ihre globalisierten Finanzmärkte wieder unter Kontrolle bringen.

    Tut es!

  4. Mit Erschrecken stelle ich fest, wie ohne Bedenken die Errichtung eines Superstaates gefeiert wird, der allein durch seine Ausdehnung und fehlende Konkurenz allmächtig sein würde. Im Text wurde ein wenig scheinheilig das Wort "Forum" für eine ermächtigte VN gewählt, wohl wissend, dass wenn "Vorgaben für nationale Gesetzgeber" gemacht würden, eine neue Legeslative konzipiert würde, die weit mehr als eine Diskussionsplattform, denn ein Staat, ist. Der Traum eines Weltrechtssystems und der Auflösung von Außen- und Innenpolitik knüpft an Kants Idee der Reinen Republik und des Weltbürgerrechts an, ignoriert jedoch die von Kant nie für möglich gehaltene unglaubliche Ballung von Macht. Eine unabhängige Rückbindung derer an das Volk müsste mittels Plebisziten gewährleistet sein, sollte tatsächlich - und dies bleibt zu fürchten - ein machtvolles Parlament der Regierungen, was die Vn ist und war, entstehen. Der Text ist wenig ausgewogen, geht er doch kaum auf die schon lange in der Politischen Theorie beschriebenen Befürchtungen betreffs einer - im qualitativen Sinne - abgehobenen Bürokratie ein. Nicht die Masse der Apparates ist dabei das Bedrohliche, wohl aber seine Entfernung von Bürger, Problematik und demokratischer Legitimation.

    Ganz davon zu schweigen, dass ein Wertekonsens gefunden werden müsste, den es empirisch nicht gibt. So verwendet der Autor ungenannt Habermas Ideal einer [globalen] liberativen Demokratie, die jedoch für andere Länder keineswegs selbstverständlich ist.

  5. Für "Weltinnenpolitik" hat sich bereits der Universalgelehrte Carl Friedrich von Weizsäcker engagiert. Sein Co-Direktor am Starnberger Institut, Jürgen Habermas, ist ihm später darin gefolgt. Weltinnenpolitik sollte zur Überwindung der Institution des Krieges dienen und greift damit in der Tat Kants Idee "Zum Ewigen Frieden auf". Von Weizsäcker engagierte sich von 1990 an für Hans Küngs Weltethosidee, weil ihm die große Bedeutung der Weltreligionen und Kulturen auf das 21. Jahrhundert bewusst war. Auch in dieser Einschätzung folgte Habermas ihm erst ab dem Jahre 2 000.

    In Kofi Annans Manifest für den Dialog der Kulturen - Brücken in die Zukunft" sind über den Mitverfasser Richard von Weizsäcker weltinnenpolitisches Gedankengut einschließlich der notwendigen Reformierung der UNO und über Hans Küng die Weltethosidee integriert.

    Das Manifest zielt - wie der vorliegende Artikel - auf eine demokratischere UNO, die den Anforderungen des neuen Jahrhunderts gerecht werden muss, was zur Zeit nicht der Fall ist, so dass ständig nur Symptome bekämpft werden

  6. Nein! Nicht noch eine Quasselbude für Wichtigtuer und entsorgte Politiker aller Länder! Reicht das EU-Parlament nicht als europäische Altlasten-Station?
    Die UNO ist, wie sie ist. Sie ist das Spiegelbild der Welt mit ihren eingebildeten, selbstverliebten Potentaten - ob nun gewählt oder nicht. Besseres gibt es unter diesen Bedingungen nicht.

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