Sie dienen Allah und dem Mammon. Irans Revolutionäre Garden verstehen sich als das militärisch-ideologische Rückgrat der Islamischen Republik, stehen kompromisslos hinter dem Regime und kontrollieren immer mehr Schalthebel in Wirtschaft und Politik. Mahmud Ahmadineschad war einer von ihnen, sein halbes Kabinett hat in der Elitetruppe gedient genauso wie ein Drittel aller Parlamentsabgeordneten. Die USA führen diese "Sepah Pasdaran" seit 2007 auf ihrer Terrorliste, der UN-Sicherheitsrat stellte sie am Mittwoch mit ins Zentrum seiner neuen Sanktionen.

"Wir werden die Augen aller Störenfriede blenden", tönte dagegen unbeirrt der Vizekommandeur, Ali Fazli, im Blick auf mögliche Demonstrationen am Samstag, dem ersten Jahrestag der umstrittenen Präsidentenwahl. Seinem Kommando unterstehen auch die rund eine Million Basidschi-Milizen, die sich während der Unruhen durch besondere Brutalität gegen die grüne Bewegung hervorgetan haben. Die Bilder vom Todeskampf der 26-jährigen Neda Agha-Soltan, die auf offener Straße von einem Basidschi-Mitglied erschossen wurde, gingen um die ganze Welt. Die iranischen Oppositionsführer Karroubi und Moussawi haben die Demonstrationen am Donnerstag inzwischen abgesagt, wohl auch wegen der zu befürchtenden Brutalität der Basidschi.

Die 120.000 Revolutionswächter in ihren dunkeloliven Uniformen verfügen mit Heer, Luftwaffe und Marine über eine komplette Streitmacht – meist moderner bewaffnet, als das reguläre Militär. Sie kontrollieren die Raketen-Einheiten und Teile des Atomprogramms. Ihre Al-Quds-Kommandotruppen sind für Einsätze im Ausland trainiert. Erst kürzlich hielten die Garden im Persischen Golf wieder Militärmanöver ab. Ihre vierzig mit Torpedos bewaffneten Schnellboote patroulilieren in der Straße von Hormuz, durch die 40 Prozent aller Öltanker passieren müssen.

Bereits drei Monate nach dem Sturz des Schahs wurden die Pasdaran, wie sie im Volksmund heißen, von Ajatollah Chomeini geschaffen, "um die Revolution und ihre Errungenschaften zu schützen". Heute sind sie allein Revolutionsführer Ali Chamenei Rechenschaft schuldig, mit dem sich eine geradezu symbiotische Beziehung entwickelt hat. Die persische Prätorianergarde hält dem in seiner Autorität erschütterten Chef-Geistlichen innenpolitisch den Rücken frei. Dafür gewährt er ihr freie Hand in der iranischen Wirtschaft, die zu 70 Prozent dem Staat gehört.

Mit am besten im Geschäft ist das Industriekonsortium Khatam al-Anbya, das zusammen mit 14 weiteren Unternehmen der Garden auf der UN-Boykottliste steht. Der Konzern baut Öl- und Gasanlagen, Häfen und Straßen. 812 Einzelfirmen arbeiten unter seinem Dach – darunter sogar Augen- und Zahnkliniken. Für eine Milliarde Euro legen seine Ingenieure eine neue Gaspipeline vom Persischen Golf in die Provinz Sistan-Baluchestan. Bei der Erschließung von Teilen des großen Süd-Pars-Gasfeldes bekam Khatam al-Anbya den Vorzug vor einem norwegischen Konkurrenten. Und der Baukonzern Sepasad baut für zwei Milliarden Euro die Metro in Teheran und Tabriz aus.

Aber auch am lukrativen Schmuggel sanktionierter Güter aus Dubai verdienen die Revolutionswächter kräftig mit. 400.000 Iraner wohnen in dem arabischen Emirat, rund 9000 iranische Import-Export-Firmen sind hier registriert – mindestens die Hälfte, wenn nicht zwei Drittel gelten als Tarnunternehmen der Sepah. "Die Garden dominieren nicht nur die Wirtschaft, sie kontrollieren auch zunehmend den Staat", erläutert Alireza Nader, Mitautor einer 144-seitigen Expertise der Rand-Stiftung in Kalifornien über das iranische Macht- und Regierungssystem. So konnte im letzten Oktober das Konsortium Etemad-e-Mobinein für 5,3 Milliarden Euro die Hälfte der staatlichen iranischen Telekom erwerben. Damit besitzen die Revolutionswächter künftig die totale Kontrolle über das nationale Festnetz, die beiden größten Handynetze und alle iranischen Internetanschlüsse.

Ein Beitrag aus dem Tagesspiegel