Machtwechsel In Kirgistan brechen erneut Unruhen aus
Schützenpanzer, Schusswechsel, Straßenschlachten: Im Süden Kirgistans ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. 37 Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.
Gut zwei Monate nach dem Sturz von Kirgistans Staatschef Kurmanbek Bakijew gibt es neue Unruhen im Süden des Landes. Am frühen Morgen waren in der Stadt Osch Schusswechsel zu hören, Häuser und Autos gingen in Flammen auf. Das Militär fuhr in der Innenstadt mit Schützenpanzern auf, um für Ordnung zu sorgen. Nach Schätzungen der Polizei waren mehrere Tausend Menschen an den gewaltsamen Auseinandersetzungen beteiligt.
Mindestens 37 Menschen kamen bei den Unruhen ums Leben. Mehr als 500 Menschen seien verletzt worden, teilte das kirgisische Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Bischkek mit. Interims-Regierungschefin Rosa Otunbajewa warnte trotz des ausgerufenen Ausnahmezustands und einer nächtliche Ausgangssperre vor einer Zunahme der Gewalt. "Es ist unabdingbar, Ärzte und weitere Sicherheitskräfte nach Osch zu schicken, denn die Lage könnte sich mit Beginn der Nacht verschlechtern", erklärte Otunbajewa.
Ein Grund für den plötzlichen Ausbruch der Gewalt wurde nicht genannt. Beobachter bezeichneten den neuen Ausbruch von Gewalt als Provokation vor der geplanten Volksabstimmung Ende Juni. Bei dem Referendum soll nach dem Sturz von Bakijew über eine neue Verfassung abgestimmt werden. In der Region gibt es besonders viele Anhänger des gestürzten Präsidenten. Mitte Mai hatten sich Bakijew-Anhänger in Osch und Dschalalabad blutige Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften geliefert. Bakijew hat inzwischen Asyl in Weißrussland gefunden.
"Ungeachtet des Ausnahmezustandes wird in der Stadt immer noch geschossen", sagte Regierungssprecher Asimbek Beknasarow im Radio. "Die vor Ort geschickten Polizisten entdecken immer mehr Leichen." Die Ausschreitungen seien ethnisch motiviert. Nach Berichten von Augenzeugen waren Feindseligkeiten zwischen Usbeken und Kirgisen Auslöser der Unruhen. Auch in anderen Städten im Süden des Landes kam es dem Regierungssprecher zufolge zu Ausschreitungen zwischen Gruppen von Jugendlichen.
Bakijew war Anfang April gestürzt worden, dabei kamen 87 Menschen ums Leben. Er floh ins Exil nach Weißrussland, die Übergangsregierung vermutet ihn inzwischen in der Türkei. Die Chefin der bei dem blutigen Umsturz an die Macht gekommenen Übergangsregierung, Rosa Otunbajewa, will nun neue Präsidentin des Landes werden. Die Lage in der verarmten ehemaligen Sowjetrepublik ist seit dem Umsturz sehr gespannt. Immer wieder kommt es zu ethnisch motivierten Zusammenstößen zwischen Usbeken und Kirgisen.
- Datum 11.06.2010 - 16:28 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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Die vor Ort übliche Schreibweise bei Transkription in die lateinische Schrift, die auch ins Englische übernommen wurde, lautet "Kyrgyzstan", zusammengesetzt aus der Eigenbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung "Kyrgyz" und der Endung "-stan", d.h. "Land der ...". Das Bindungs-i, das im Deutschen gelegentlich hinzugefügt wird, ist den Kirgisen unbekannt und klingt in ihren Ohren eher skurril, da sie ihr Land tatsächlich als "Kirgistan" aussprechen. Kurzum, "Kirgisistan" mag grammatikalisch korrekt sein, wogegen "Kirgistan" die phonetisch bessere Übertragung ins Deutsche ist. In der heutigen Situation dürfte den meisten Bewohnern des Landes dieses deutsche Sprachproblem aber wohl eher gleichgültig sein.
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