Unruhen in Zentralasien Russland sollte Kirgistan helfen
Die Regierung Kirgistans hat die Unruhen im Süden nicht im Griff. Ein internationaler Einsatz unter Leitung Russlands könnte die Gewalt beenden. Ein Kommentar
© STR/AFP/Getty Images

Ausgebrannt: Ein Airline-Büro in der südkirgisischen Stadt Osch
Einen Gewaltexzess dieser Dimension hat das verarmte Kirgistan lange nicht mehr erleben müssen. 120 Menschen sollen bereits ermordet worden sein, 1500 verletzt. Nach Angaben von Vertretern der usbekischen Minderheit Kirgistans könnte es sich gar um mehrere hundert Tote handeln. Zehntausende Usbeken flüchten in ihre Heimat. Kirgisische Banden und Marodeure sollen für diesen Ausbruch im Süden des Landes verantwortlich sein. Die Lage in den von den Unruhen vor allem betroffenen Städten Osch und Dschalalabad gilt weiterhin als angespannt.
Die Gewalt richtet sich hauptsächlich gegen Usbeken, Augenzeugen berichten, kirgisische Banden setzten Häuser in Brand und nähmen die fliehenden Bewohner unter Beschuss. Etwa 15 Prozent der kirgisischen Bevölkerung sind Usbeken, im Süden stellen sie jedoch die Hälfte. Getrennt wird das Land von einem 3000 Meter hohen Bergkamm zwischen Norden und Süden.
Der Grund für den Exzess ist undurchsichtig. Die Regierung in der Hauptstadt Bischkek hat den im April gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew im Verdacht, hinter den Unruhen zu stehen. Am 27. Juni sollten die Kirgisen in einer Volksabstimmung über eine neue Verfassung abstimmen, ein Referendum, das dem Aufbau demokratischer Strukturen dienen soll. Die Regierung in Bischkek bezichtigt Bakijew, diese Abstimmung verhindern zu wollen. Die neue Regierung von Ex-Außenministerin Rosa Utanbajewa ist im April durch einen Aufstand an die Macht gekommen und sucht nun nach Legitimität.
Von der Hand zu weisen ist der Verdacht gegen Bakijew nicht, immerhin ist der Süden auch die Hochburg seines Clans. Bakijew – er lebt im weißrussischen Exil – war 2005 in der sogenanten Tulpenrevolutuion an die Macht gekommen, bei der eine Demonstration mit gerade einmal 15.000 Menschen ausreichte, um den Autokraten Akajew zu stürzen. Doch auch Bakijew erwies sich als hochgradig korrupt. Er durchsetzte Staat und Wirtschaft mit Verwandten, die in der Folge das Land aussaugten. So blieb es in Kirgistan beim Clan-System, politische und institutionelle Reformen fanden nicht statt. Die verspricht nun seine Nachfolgerin Utanbajewa.
Es können aber auch ganz einfach dumpfe Ressentiments von Kirgisen gegen Usbeken sein, die sich in Süd-Kirgistan zu dem furchtbaren Exzess hochgeschaukelt haben. Genauso wie es möglich ist, dass diese Ausschreitungen durch eine Verquickung mit organisierter Bandenkriminalität befeuert wurden. Zu bedenken ist, dass es gerade einmal 20 Jahre her ist, als sich mit dem sich abzeichnenden Zusammenbruch der UdSSR die beiden Volksgruppen wegen Streits um Wasserrechte gegenseitig niedermetzelten.
Die Regierung in Bischkek ist mit dem Konflikt offensichtlich überfordert. Ein den Bürgern Sicherheit garantierender Staat ist nicht vorhanden, zumindest noch nicht. Um dem Wüten des Mobs und der Banden ein Ende zu bereiten, braucht Kirgistan daher Hilfe von Außen. Und die muss primär aus Russland kommen.
- Datum 14.06.2010 - 15:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das "System", was auch bei Kirgisistan zur Anwendung kommen soll, ist doch altbekannt. Wir können es in Somalia, dem Iran, Afghanistan, dem Sudan, Jemen oder Pakistan mit unterschiedlichem Erfolg beobachten.
All diese Staaten haben gemein, dass weite Teile der Bevölkerung arm sind, sie eine oft noch archaische Clanstruktur aufweisen und demographisch viele junge Männer nur rudimentär gebildet mit Zukunftsangst heranwachsen.
Mit der Kaaba-Besetzung 1979 begann eine neue Runde im heiligen Krieg dogmatischer Islamisten zur Eroberung der Welt.
Die Vorgehensweise dabei ist simpel, aber hoch effizient.
- Zuerst werden über Prediger, "Entwicklungshilfeprojekte", König-Fahd-Akademien, Migration etc. personelle Grundlagen im Zielland geschaffen.
- Hat man so Zugang zu etwa 5 % der Bevölkerung, wird diese radikalisiert. Man separiert sich, propagiert Symbole wie Burka oder Minarett, geht gegen andere Symbole wie das Kreuz vor, aber auch gemäßigte Muslime sind Ziel von Einschüchterung.
- Dann schafft/nutzt man einen Destabilisierungsimpuls, um Fakten zu schaffen. Im Fahrwasser von Staatskrisen o.ä. beginnt man mit Morden und macht bekannt, was die Bedingungen sind: Unterordnung oder Tod.
Da
a) die öffentliche Ordnung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr schützen kann und
b) die meisten Menschen Feiglinge sind und sich entweder unterwerfen oder flüchten,
hat man dann das Land für den Islamismus übernommen.
Die eigenen Kämpfer werden dann mit dem Eigentum der Ermordeten belohnt.
@Julia09: du hast die masche von us geheimdiensten und der mossad sehr gut beschrieben. nur versuchst du es auf muslime zuzuschreiben. die weltweiten intrigen, sabotagen auf politischem ebene die zu putschs führen ist ein alter rezept der pro-zionistischen länder.
frage:warum gibt es in den usa nie unruhen und aufstände gegen das regime? weil alle us diplomaten im ausland arbeiten...
Hoffentlich kann Wilders das noch gerade so verhindern.
...auch wenn der erste Antworter den Unterschied zwischen Muslim und Islamist nicht zu kennen scheint. In einem muslimischen Staat ist das Muslim-Sein ja kein Sonderstellungsmerkmal, das islamischer Fundamentalist-Sein aber schon.
Das wird in Diskussionen um Muslime in westlichen Staaten von einschlägiger Seite gerne falsch verstanden, in einem muslimischen Staat ist das aber völlig sinnleer. So zu argumentiern spielt nur mit dem Unwissen/ Unverständnis mancher Leser.
Leider sind Gesellschaften mit konzentrischer, archaischer Ordnung ein leichtes Opfer für den Islamismus bzw. dieser ein systemimmanetes Stadium des Prozesses. Archaische Clans versuchen sich einer rest-rudimentären, ehemals modernen Staatsstruktur zu bemächtigen. In dessen Strukturen können sie diesen besonders gut ausbeuten ("Staat als Beute"). Nach einer Weile degeneriert dieser Clan und der nächste kommt bis die ganze Staatsstruktur erodiert und in einen archaischen Zustand der Regionalität oder Fremddominanz zurückgleitet.
Die Islamisten sind nur ein Stadium der Zersetzung. Islamismus anders als das historische islamisch verkleidete Kalifat ist ein modernes Phänomen und braucht als Wirtsstaat einen ehemals (pseudo-)modernen, sozial zerfallenden Staat. Mittlerweile haben die Islamisten es geschafft über die Schaffung einer theoretischen Schule und Übernahmekonzeption auch in Staatsentwicklungsprozesse aktiv einzugreifen, ohne dass diese das "natürliche Stadium" des islamistischen Eingreifens aufweisen.
@Julia09: du hast die masche von us geheimdiensten und der mossad sehr gut beschrieben. nur versuchst du es auf muslime zuzuschreiben. die weltweiten intrigen, sabotagen auf politischem ebene die zu putschs führen ist ein alter rezept der pro-zionistischen länder.
frage:warum gibt es in den usa nie unruhen und aufstände gegen das regime? weil alle us diplomaten im ausland arbeiten...
Hoffentlich kann Wilders das noch gerade so verhindern.
...auch wenn der erste Antworter den Unterschied zwischen Muslim und Islamist nicht zu kennen scheint. In einem muslimischen Staat ist das Muslim-Sein ja kein Sonderstellungsmerkmal, das islamischer Fundamentalist-Sein aber schon.
Das wird in Diskussionen um Muslime in westlichen Staaten von einschlägiger Seite gerne falsch verstanden, in einem muslimischen Staat ist das aber völlig sinnleer. So zu argumentiern spielt nur mit dem Unwissen/ Unverständnis mancher Leser.
Leider sind Gesellschaften mit konzentrischer, archaischer Ordnung ein leichtes Opfer für den Islamismus bzw. dieser ein systemimmanetes Stadium des Prozesses. Archaische Clans versuchen sich einer rest-rudimentären, ehemals modernen Staatsstruktur zu bemächtigen. In dessen Strukturen können sie diesen besonders gut ausbeuten ("Staat als Beute"). Nach einer Weile degeneriert dieser Clan und der nächste kommt bis die ganze Staatsstruktur erodiert und in einen archaischen Zustand der Regionalität oder Fremddominanz zurückgleitet.
Die Islamisten sind nur ein Stadium der Zersetzung. Islamismus anders als das historische islamisch verkleidete Kalifat ist ein modernes Phänomen und braucht als Wirtsstaat einen ehemals (pseudo-)modernen, sozial zerfallenden Staat. Mittlerweile haben die Islamisten es geschafft über die Schaffung einer theoretischen Schule und Übernahmekonzeption auch in Staatsentwicklungsprozesse aktiv einzugreifen, ohne dass diese das "natürliche Stadium" des islamistischen Eingreifens aufweisen.
In welcher Phase befindet sich im Moment der Süden des Landes, in welcher Phase der Rest? Unter welcher Flagge treten die Provokateure in Kirgisstan auf? Wer sind die Gemäßigten, die eingeschüchtert werden?
Und weiter: Was macht Sie so sicher, dass es Islamismus ist und nicht Despotismus der Herrschenden und Nationalismus der frustrierten Bevölkerung? Immerhin hat so ziemlich jede kirgisische Autorität seit 20 Jahren ihre Macht missbraucht, und Nationalitätenkonflikte brechen weltweit immer wieder auf, wenn sich die Lebenssituation durch allgemeine Krisen verschlechtert. In Zentralasien musste in den letzten 20 Jahren so Einiges geregelt werden, was in der SU jahrzehntelang unter dem Deckel gehalten worden war, und das Fergana-Tal war immer ein Pulverfass.
@Julia09: du hast die masche von us geheimdiensten und der mossad sehr gut beschrieben. nur versuchst du es auf muslime zuzuschreiben. die weltweiten intrigen, sabotagen auf politischem ebene die zu putschs führen ist ein alter rezept der pro-zionistischen länder.
frage:warum gibt es in den usa nie unruhen und aufstände gegen das regime? weil alle us diplomaten im ausland arbeiten...
Ne, die Erklärung ist doch ganz einfach:
Die BRD hat es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion versäumt, Missionare für die Gedankenwelt von
Jürgen Habermas nach Kirgisien zu schicken.
Also Herr Richter hat jetzt schlagartig in meiner Liste
der Superstars einen Sprung nach oben gemacht.
Toll !
Ne, die Erklärung ist doch ganz einfach:
Die BRD hat es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion versäumt, Missionare für die Gedankenwelt von
Jürgen Habermas nach Kirgisien zu schicken.
Also Herr Richter hat jetzt schlagartig in meiner Liste
der Superstars einen Sprung nach oben gemacht.
Toll !
Ne, die Erklärung ist doch ganz einfach:
Die BRD hat es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion versäumt, Missionare für die Gedankenwelt von
Jürgen Habermas nach Kirgisien zu schicken.
Also Herr Richter hat jetzt schlagartig in meiner Liste
der Superstars einen Sprung nach oben gemacht.
Toll !
Hoffentlich kann Wilders das noch gerade so verhindern.
Die grammatiklisch korrekte Form Kirgisistan hört sich lächerlich an, besonders für kirgisische Ohren. Man könnte es mal mit Kirgis-Stan versuchen, aber das liest sich lächerlich. Ich habe gestern Kirgisstan geschrieben. Die Kirgisen schreiben Kyrgyzstan und sagen Kirgistan. Darum schreibt man das hier so.
...auch wenn der erste Antworter den Unterschied zwischen Muslim und Islamist nicht zu kennen scheint. In einem muslimischen Staat ist das Muslim-Sein ja kein Sonderstellungsmerkmal, das islamischer Fundamentalist-Sein aber schon.
Das wird in Diskussionen um Muslime in westlichen Staaten von einschlägiger Seite gerne falsch verstanden, in einem muslimischen Staat ist das aber völlig sinnleer. So zu argumentiern spielt nur mit dem Unwissen/ Unverständnis mancher Leser.
Leider sind Gesellschaften mit konzentrischer, archaischer Ordnung ein leichtes Opfer für den Islamismus bzw. dieser ein systemimmanetes Stadium des Prozesses. Archaische Clans versuchen sich einer rest-rudimentären, ehemals modernen Staatsstruktur zu bemächtigen. In dessen Strukturen können sie diesen besonders gut ausbeuten ("Staat als Beute"). Nach einer Weile degeneriert dieser Clan und der nächste kommt bis die ganze Staatsstruktur erodiert und in einen archaischen Zustand der Regionalität oder Fremddominanz zurückgleitet.
Die Islamisten sind nur ein Stadium der Zersetzung. Islamismus anders als das historische islamisch verkleidete Kalifat ist ein modernes Phänomen und braucht als Wirtsstaat einen ehemals (pseudo-)modernen, sozial zerfallenden Staat. Mittlerweile haben die Islamisten es geschafft über die Schaffung einer theoretischen Schule und Übernahmekonzeption auch in Staatsentwicklungsprozesse aktiv einzugreifen, ohne dass diese das "natürliche Stadium" des islamistischen Eingreifens aufweisen.
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