Schwere Unruhen Moskau lehnt militärische Hilfe für Kirgistan ab
Russland betrachtet die schweren Unruhen in Kirgistan als internen Konflikt. Die kirgisische Regierung hat nun ihrem Militär erlaubt, Waffen einzusetzen.
Russland wird vorerst keine Truppen in das von schweren Unruhen erschütterte Kirgistan senden. "Das ist ein interner Konflikt und Russland sieht die Voraussetzungen noch nicht gegeben, sich an einer Regelung zu beteiligen", zitierten russische Nachrichtenagenturen am Samstag eine Sprecherin von Präsident Dmitrij Medwedjew. Die kirgisische Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa hatte Moskau angesichts der seit Donnerstagabend anhaltenden Unruhen im Süden des Landes um militärischen Beistand gebeten.
Um Friedenstruppen in die Region zu senden seien vorherige Konsultationen mit den Vereinten Nationen notwendig, sagte Medwedjews Sprecherin. Russland stelle aber humanitäre Hilfe bereit.
Die kirgisischen Behörden weiteten den bereits in der Stadt Osch geltenden Ausnahmezustand auf eine weitere Stadt aus. Der Ausnahmezustand habe auch in Dschalal-Abad verhängt werden müssen, da sich das Unruhegebiet ausweite, sagte der Vize-Chef der Übergangsregierung, Asimbek Beknasarow, im staatlichen Fernsehen.
Rosa Otunbajewa hatte sich zuvor in einem Telefonat mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin um Hilfe gebeten. Zusätzlich hatte sie sich schriftlich an Medwedjew gewandt. Es gehe um Friedenstruppen, die aus mehreren Ländern kommen könnten, sagte die Übergangspräsidentin.
Teilmobilmachung der Streitkräfte
Derweil hat die Übergangsregierung die Teilmobilmachung der Streitkräfte angeordnet und Sicherheitskräften per Dekret den Einsatz von Waffen erlaubt. "Wenn wir keine angebrachten und wirksamen Maßnahmen ergreifen, werden sich die Ausschreitungen ausweiten", hieß es in einer am Samstagabend veröffentlichten Erklärung. Dies solle "die Sicherheit der Bürger gewährleisten, das System schützen und die Ordnung wieder herstellen", hieß es weiter. "Gewalt, Plünderungen und Massaker sind angestiegen."
Kurz zuvor hatte die Interimsregierung bereits Soldaten und Polizisten per Dekret ermächtigt, ohne Vorwarnung zu schießen. Der "Einsatz tödlicher Waffen" sei erlaubt, um Angriffe auf Polizei und Armee zu erwidern und die Regierung, Zivilisten und Privateigentum zu schützen, erklärte die Regierung in Bischkek.
Hauptschauplatz der Ausschreitungen zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit ist die Stadt Osch. Auch in benachbarten Bezirken gab es Kämpfe, bei denen seit Donnerstagabend insgesamt mindestens 65 Menschen getötet und fast 850 verletzt wurden.
In mehreren Orten im Süden des Landes seien Schüsse zu hören, zahlreiche Gebäude und Autos stünden in Flammen, hieß es. In den Krankenhäusern von Osch mangele es an Lebensmitteln. Die Gasversorgung der Stadt sei abgestellt, um mögliche Explosionen zu verhindern. In Osch und Umgebung seien Plünderer am Werk. Mindestens ein Wohnbezirk sei ausgebrannt.
Der Süden des zentralasiatischen Landes ist die Machtbasis des gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew , der Anfang April aus dem Amt gejagt wurde. Während der Proteste starben damals etwa 78 Menschen. Seitdem ist das verarmte Land nicht zur Ruhe gekommen.
Gewalt offenbar als Protest gegen das Referendum
Otunbajewa machte für die Gewaltexzesse Anhänger des gestürzten Präsidenten verantwortlich, der in Weißrussland im Exil lebt. Diese wollten "mit aller Macht" die für den 27. Juni geplante Volksabstimmung über eine neue Verfassung zum Scheitern bringen.
Das Referendum soll helfen, demokratische Strukturen in dem zentralasiatischen Land aufzubauen. Außer den Anhängern des Ex-Präsidenten hatten sich auch Angehörige der usbekischen Minderheit an den Straßenschlachten beteiligt. Andere protestierten gegen zu hohe Lebensmittelpreise.
Ein Sprecher der usbekischen Minderheit in Kirgistan appellierte an die Übergangsregierung in Bischkek, einen humanitären Korridor für rund 20.000 ältere Menschen sowie Frauen und Kinder einzurichten. Zahlreiche Flüchtlinge versuchen, die Grenze zum benachbarten Usbekistan zu erreichen.
In Kirgistan unterhalten sowohl Russland als auch die USA Militärstützpunkte. Knapp 70 Prozent der 5,3 Millionen im Land lebenden Menschen sind Kirgisen. Usbeken stellen insgesamt rund 15 Prozent der Bevölkerung, in der Region um Osch sind es jedoch rund 50 Prozent.
- Datum 13.06.2010 - 09:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Das Abspalten von Sowjetunion hieß kein automatischer Übergang zur zivilisierten Demokratie. Der Verzicht auf Zentralmacht, auf stabiles „Befehl – Jawohl“ Verhältnis muss zur Stabilität anderer Art werden, wobei die örtlichen Parteien friedlich miteinander konkurrieren, nicht aber sich einander vernichten wollen. Dabei muss das Staatsoberhaupt sowohl in eigener Partei, als auch im Maßstab seines Landes in seiner Macht beschränkt sein. Die Regierungen unserer ehemaligen Republiken erwiesen sich aber als zu asiatisch, als ob sie sich beeilten, in die für 70 -80 Jahre unterbrochene Epoche der Kalifen zu untertauchen. Demokratie dient dabei nur als eine Maske der althergebrachten Herrschaft.
Das Volk spürt es, und weil es unmöglich ist, diese Chefs gesetzmäßig abzuwählen (sie vergeben die Spitzenämter an die Verwandten, Favoriten, Reiche), bleibt ihm nur ein Weg – der brutalste nämlich - um Kalifat abzuschaffen. Wo ein Maß an einer Seite verloren geht, geht es verloren auch an der anderen und sobald das alles von der Revolte im hungrigen Bauch begleitet wird, kommt es zur wirklichen Revolte.
Warum sollen sich die Russen nochmal die Finger verbrennen? Der Westen ist doch ach so ehrlich!
aber zu
"Ich hab mich geschämt, daß Honecker als ehemaliger Verbündeter ausgeliefert wurde.
"Das hätten die USA niemals getan".
Recht hat er!"
Die Tätära ddr und "Honnihabihnseelig" muß auch für jeden Mist herhalten.
Dazu hätte ich folgenden lustigen Vergleich:
"Noriega war einst ein enger Verbündeter der USA
Nach verschiedenen diplomatischen Verwerfungen - darunter ein Streit über die Kontrolle des wirtschaftlich wichtigen Panama-Kanals - warfen die US-Behörden Noriega Ende der 1980er Jahre Drogengeschäfte mit dem Medellin-Kartell vor und erhoben Anklage gegen ihn wegen Kokainhandels und Geldwäsche. Im Dezember 1989 marschierte das US-Militär schließlich in Panama ein, nahm Noriega fest und machte ihm in Florida den Prozess.
Jetzt ist er an Frankreich ausgeliefert wurden, obwohl er den Status eines Kriegsgefangenen hat, das ihn ein US-Gericht 1992 zuerkannt hatte. Deswegen müsse er an Panama ausgeliefert werden.
http://derstandard.at/127...
alles doch sehr inkonkret und schwammig... was ist wirklich los? warum bittet man Russlan um militaerische beihilfe, nicht aber die UN???
Ihr Einschätzung stimmt ingesamt, ganz im Gegensatz zu den,
sagen wir mal, Kommentaren von Unwucht.Ist aber wohl nur ein verbitterter Rußlanddeutscher.
Es wäre doch sehr erfreulich, wenn man mal über die wahren Konfliktlinien in Kirgisistan berichten würde.
Denn auch hier handelt es sich um einen Konflikt im Rahmen der islamistischen Weltrevolution an einem Ausbreitungsrand des Islam.
Die sunnitisch geprägte Bevölkerungsmehrheit versucht gerade, die russisch-orthodoxe Minderheit zu ermorden bzw. zu vertreiben. Nebenbei will man sich auch das Eigentum der christlichen Minderheit unter den Nagel reißen.
In den 1990iger Jahren hatte Deutschland ja bereits zehntausende Mennoniten aufgenommen, hier meist Spätaussiedler genannt, die vor den ethnischen und religiösen Pogromen in ihrer kirgisischen Heimat flohen. Diese Migrantengruppe ist im Übrigen heute meist super integriert, hat Wohneigentum aufgebaut, arbeitet viel. Oft hat man schon seine mennonitischen Kirchen in deutschen Gemeinden gebaut, grenzt sich aber trotzdem nicht ab. Würden sich unsere islamischen Migranten aufführen, wie die kirgisischen Mennoniten, hätten wir kein Integrationsproblem.
Hat denn unter den heutigen Schreiberlingen tatsächlich keiner auch nur einen Hauch Ahnung, was da in Zentralasien seit Jahren abgeht?
Oder passt die Archaik der Konfliktursachen einfach nicht ins eigene vermeintlich ach so moderne Weltbild?
folgendem Link
http://www.kleinezeitung....
folgendem Link
http://www.kleinezeitung....
folgendem Link
http://www.kleinezeitung....
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren