Seine Landsleute sollten doch bitte seine "huevitos", seine Eierchen, hüten, und nicht das "Huhn" wechseln; denn ansonsten schlüpften womöglich die Küken nicht. Mit diesem eigentümlichen Bild hatte Kolumbiens scheidender Präsident Álvaro Uribe seine Anhänger unverhohlen aufgefordert, bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag für seinen Favoriten Juan Manuel Santos zu stimmen. Bei seinem früheren Verteidigungsminister sah Uribe seine Erfolge in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik am besten aufgehoben.

Die große Mehrheit der 13 Millionen Wähler erhörte den Wunsch des bisherigen Staatschefs, dem das Verfassungsgericht eine dritte Amtszeit untersagt hatte. Santos, kein persönlicher Freund, aber ein politischer Mitstreiter Uribes, siegte in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl klar mit rund 69 Prozent . Der Herausforderer, Grünen-Kandidat Antanas Mockus, erzielte ohne einen vergleichbaren Parteiapparat mit 27,5 Prozent immerhin einen Achtungserfolg.

"Uribe ist einer der besten Präsidenten in der Geschichte Kolumbiens gewesen”, sagte der Wahlsieger nach Bekanntgabe des vorläufigen Endresultates. "Das ist auch sein Triumph.” Santos präsentiert sich in der Tradition Uribes, dennoch ist er mehr als ein "Mini-Uribe”, wie ihn seine Gegner boshaft nennen.

Der dreifache Familienvater wurde in der Liberalen Partei groß, bis er 2005 die Uribe-treue Regierungspartei "U” gründete. Beobachter wie die kolumbianische Journalistin Juanita León beschreiben ihn als Strippenzieher und fähigen Technokraten, der ohne zu Zögern die Seiten wechselt, wenn es seinen eigenen Zielen zu Gute kommt. Uribe hingegen ist ein überzeugter Konservativer, dem Kontakte zu Paramilitärs nachgesagt werden.

Santos erbt von seinem Vorgänger eine Reihe von schwierigen Aufgaben. Eine der wichtigsten ist die Lösung des seit 40 Jahren schwelenden militärischen Konfliktes mit den linken Guerrillagruppen Farc und ELN. Uribes ungebrochene Popularität, in dessen Windschatten es Santos nun bis in den Präsidentschaftspalast schaffte, erklärt sich zum Großteil durch seine Erfolge im Kampf gegen die Rebellen.

Der scheidende Präsident drängte die Guerilla aus den urbanen Zentren in die schwer zu überwachenden Dschungelregionen an den Grenzen Kolumbiens zurück. Das schaffte er, indem er Milliardensummen in Streitkräfte und Geheimdienst investierte, Aussteiger unterstützte und an Informanten und Überläufer der Guerilla lukrative Prämien zahlte. Das Dauerfeuer an allen Fronten zeigte Wirkung: Von 18.000 Kämpfern im Jahr 2001 verblieben der Farc zuletzt noch geschätzte 6000.