Verbale Ausfälle McChrystal erzürnt Obama

Stanley McChrystal ist ins Weiße Haus zitiert worden. Der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan hatte sich zuvor abfällig über die US-Regierung geäußert.

Afghanistan-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal hat sich teils ausfallende Bemerkungen zu Mitarbeitern der US-Regierung geleistet

Afghanistan-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal hat sich teils ausfallende Bemerkungen zu Mitarbeitern der US-Regierung geleistet

McChrystal soll sich dort zu den Verbalattacken äußern, die in einem Porträt über ihn im US-Musikmagazin Rolling Stone wiedergegeben werden, berichteten amerikanische Medien. US-Präsident Barack Obama sei "wütend" wegen des Artikels.

Das Musikmagazin hatte in seiner jüngsten Ausgabe ein Porträt McChrystals veröffentlicht, in dem der General aus seiner Geringschätzung für eine Reihe von Vertretern der US-Regierung kaum einen Hehl macht. 

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US-Vizepräsident Joe Biden, einen Gegner von McChrystals Militärstrategie in Afghanistan, verunglimpfte der General laut dem Porträt mit dem Wortspiel: "Joe Biden, wer ist das? – Sagten Sie Bite Me (Leck mich)?" Vom US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, fühlte sich McChrystal im vergangenen Jahr während der Debatten im Weißen Haus über die richtige Afghanistan-Strategie angeblich "verraten".

Zu einem der Presse zugespielten internen Memo, in dem sich Eikenberry gegen eine Truppenaufstockung ausspricht, sagte McChrystal, der Botschafter wolle sich damit nur einen guten Platz in den Geschichtsbüchern sichern: "Wenn wir scheitern, kann er sagen, 'ich habe euch gewarnt'."

Als er auf seinem Handy eine E-Mail des Sondergesandten Richard Holbrooke entdeckt, sagt der Viersterne-General, "schon wieder eine Mail von Holbrooke, ich mag sie gar nicht öffnen". Obwohl sich US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr für McChrystals Strategie entschied und mehr Truppen nach Afghanistan entsandte , bezeichnet der General die Entscheidungsfindung im Weißen Haus laut Rolling Stones als "mühsam": "Ich verkaufte eine unverkäufliche Position."

Von Obama selbst zeigte sich McChrystal laut einem seiner Berater anfangs wenig beeindruckt. Ein erstes Treffen mit dem US-Präsidenten kurz nach seiner Ernennung zum Nato-Kommandeur in Afghanistan habe McChrystal "sehr enttäuscht", berichtete der ungenannte Berater dem Magazin. "Das war ein zehnminütiger Fototermin", sagte er. "Obama wusste ganz offensichtlich nichts von ihm, wer er war – er schien nicht sehr interessiert."

Wie der US-Sender Fox News berichtet , hat sich McChrystal inzwischen für seine Äußerungen entschuldigt. "Es war ein Fehler, der eine schlechte Urteilsfähigkeit reflektiert und nie hätte passieren dürfen", sagte der General. "Durch meine Karriere hinweg habe ich nach den Prinzipien persönlicher Ehre und beruflicher Integrität gelebt. Was in diesem Artikel dargestellt wird, wird meinen Standards nicht gerecht."

Entgegen den ihm zugeschriebenen Äußerungen versicherte McChrystal nun, er empfinde "enormen Respekt und Bewunderung" für Barack Obama und sein Team.

Die Nato unterstützte in einer ersten Stellungnahme den US-General. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bedauerte den Artikel zwar, stellte sich jedoch dennoch hinter den US-General. "Wir befinden uns inmitten eines sehr realen Konflikts und der Generalsekretär hat volles Vertrauen in General McChrystal und seine Strategie", sagte ein Sprecher.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn der Hafer zur Neige geht, beissen sich die Pferde...
    Irgendwie ist es doch sehr nachdenkenswert, dass die riesige Militärmaschinerie der USA mitsamt ihren riesigen Kriegsausbildungsakademien keinen Ausweg aus dem Chaos in Afghanistan finden, nicht einmal mehr einen "ehrenvollen" Abzug.

  2. "Durch meine Karriere hinweg habe ich nach den Prinzipien persönlicher Ehre und beruflicher Integrität gelebt."

    Zumindest mit der persönlichem Ehre kann es nicht weit her sein...ist wohl auch Auslegungssache.

    http://www.hintergrund.de...

  3. ...er hat wahrlich keinen Grund IRGENDEINE Regierung in Washington zu lieben.
    Er hat sogar mein professionelles Mitgefühl (wenn auch nicht mein Moralisches!), denn er hat WIRKLICH den schwarzen Peter am Hals.
    Ich gehe davon aus der er ganz genau weiss, das er viel zuwenig Truppen hat (so Faktor 4 bis 5 zuwenig) um auch nur eine Chance zu haben, diesen Krieg zu etwas hinzubewegen, das man Sieg nennen könnte. (@Niccolos Enkel: es fehlt schlicht das Geld, auch die USA können keine 325 Milliarden $ pro Jahr für einen Nebenkriegsschauplatz wie Afghanistan raushauen)

    Also kann er an seinen Fingern abzählen, wann er den Sündenbock geben darf, da kann einem schonmal ein "leck mich" rausrutschen.

    Obhama hat zwar Afghanistan zu "seinem" Krieg erklärt, aber auch nur deswegen, weil er dort den ganzen Falken demonstriert, das er keine Ninny ist.

    Sobald das nicht mehr nötig ist, wird der Sieg verkündet, der Sündenbock abgestraft und abgezogen.

    Blöd für McChrystal, er kann nur verlieren.

  4. "Entgegen den ihm zugeschriebenen Äußerungen versicherte McChrystal nun, er empfinde "enormen Respekt und Bewunderung" für Barack Obama und sein Team."

    Schon klar !

    Deswegen auch das Interview im Rolling Stone.

    (Witz komm raus)

    • Slink
    • 22.06.2010 um 17:10 Uhr

    Fast alle führenden Befehlshaber des Militärs halten sich für nahezu allmächtig und glauben in ihrer indoktrinierten Verblendung, dass Zivilisten generell von Nichts eine Ahnung haben und Waschlappen sind.
    Herr Chrystal, der unter Dick Cheney schon - völlig ausserhalb von Legalität und Moral - Mord und Totschlag mit seiner JSOC-Truppe befehligen durfte sieht sich hier an vorderster Stelle der Auserwählten und steht garantiert allen "Weicheiern" mit Verachtung gegenüber. Obama wird ihm nüchtern und verständlicherweise mit Vorbehalt begegnet sein, das wird Chrystal nicht sehr erfreut und sein Ego mehr als gedämpft haben.
    Wie sich mittlerweilen zeigt, hilft alle Macht der "überlegenen" Tötungsmaschinerie in Afghanistan halt auch nicht weiter. Aus diesem Frust heraus und dem Druck seiner Verantwortung zeigt der Oberbefehlshaber jetzt Nerven.

    Ein weiteres Lehrstück fürs dritte Jahrtausend.

    • k2
    • 22.06.2010 um 18:58 Uhr

    "PROHIBITED POLITICAL ACTIVITIES""Use contemptuous words against the office holders described in Article 88, UCMJ (for officers) and AFI 51-902 (for officers and enlisted members)"(loc. cit. ultra 368): Dieser Gesetzesartikel vom UCMJ wird von Newsweek zu Unrecht gegen Stan eingeklagt.
    Der UCMJ ist ein Kriegsgericht und Stan ist immer noch einer von uns bei aller sonstigen Feindschaft und beim
    UCMJ sind wir diejenigen, welche das Tribunal stellen:

    Die Roling-Stones-Publikation nimmt Bezug auf die verfassungsmässigen und unveräusserlichen Rechte.

    "EXCEPTIONS TO POSSE COMITATUS Statutory exceptions. By its terms, the Act does not preclude support ―expressly authorized by the Constitution"(The Military Commander and the Law 2008, Seite 392).

    http://milcom.jag.af.mil/...

    "Write a letter to the editor of a newspaper expressing the member’s personal views concerning public issues, if those views do not attempt to promote a partisan political cause"(loc. cit. supra 366).
    "Write a personal letter, not for publication, expressing preference for a specific political candidate or cause"(loc. cit. supra 366).

    (gegeben von der usafe (6/21/10)) :)

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    • k2
    • 23.06.2010 um 18:00 Uhr

    http://www.rollingstone.c...

    Im Moment tagt in Washington zur afghanischen Apologie meiner Kriegsdogmatik der U.S.-Sicherheitsrat mit dem Thema "COIN" :

    http://www.ntm-a.com/home...

    • k2
    • 23.06.2010 um 18:00 Uhr

    http://www.rollingstone.c...

    Im Moment tagt in Washington zur afghanischen Apologie meiner Kriegsdogmatik der U.S.-Sicherheitsrat mit dem Thema "COIN" :

    http://www.ntm-a.com/home...

    • k2
    • 23.06.2010 um 18:00 Uhr

    http://www.rollingstone.c...

    Im Moment tagt in Washington zur afghanischen Apologie meiner Kriegsdogmatik der U.S.-Sicherheitsrat mit dem Thema "COIN" :

    http://www.ntm-a.com/home...

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