Südostasien In Thailand ist keine Aussöhnung in Sicht

Regierung und Opposition streiten hitzig um die Verantwortung für die Toten der Unruhen. Ein Ende der lähmenden Krise ist in weiter Ferne.

Im Mittelpunkt: Thailands Premier Abhisit verkündet das Ende der nächtlichen Ausgangssperre

Im Mittelpunkt: Thailands Premier Abhisit verkündet das Ende der nächtlichen Ausgangssperre

Die Stimme von Jatuporn Promphan ist in Bangkok wieder allgegenwärtig. Wochenlang hallten die wuchtigen Reden des Rothemden-Anführers durch das besetzte Einkaufsviertel im Zentrum der Stadt, getragen von Dutzenden Boxentürmen. Ein improvisierter Radiosender übertrug die Kundgebung im gesamten Stadtgebiet, auch nachdem die Regierung von Premier Abhisit Vejjajiva oppositionelle Fernsehsender und Radiostationen hat abschalten lassen.

Jetzt ist Jatuporns Stimme wieder in beinahe jedem Taxi in der Stadt zu hören, denn das Gros der Taxifahrer stammt aus der Region Isaan im Nordosten des Landes, der Hochburg der Rothemden. Kleinere Menschentrauben stehen in Einkaufszentren und Cafés vor Fernsehern und hören dem Politiker zu.

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Jatuporn trägt dieses Mal nicht sein rotes T-Shirt, sein Markenzeichen, sondern einen Anzug. Seine gewohnt impulsive Rede hält er im Parlament. Zwei Tage lang beraten die Abgeordneten über den Misstrauensantrag der Opposition gegen die Regierung von Premier Abhisit. Jatuporn ist, als einziger der Rothemden-Anführer, Abgeordneter der Puea Thai-Partei. Die meisten seiner Kampfgefährten sind verhaftet worden oder untergetaucht. Der Politiker genießt politische Immunität, die erst nach der Debatte aufgehoben werden soll. Diese verwandelt sich in eine Schlammschlacht.

Nicht die Rothemden, erklären Jatuporn und andere Abgeordnete, hätten die Gebäude im Zentrum von Bangkok abgefackelt. Die Regierung habe die Brandstiftungen begangen, um sie den Demonstranten in die Schuhe schieben zu können. Als Rothemden-Anführer Arisman Pongruengrong, der nun untergetaucht ist, auf der Hauptbühne dazu aufgerufen habe, Bangkok "anzuzünden", habe er das nur "im Spaß" gesagt.

Abhisit entgegnet, ohne die Anwesenheit Bewaffneter auf Seiten der Demonstranten hätte es "keine Toten" gegeben. Die Rothemden brächten "falsche Informationen" in Umlauf, um "Hass zu schüren". Jatuporn entgegnet, Abhisit und der stellvertretende Premier Suthep Thaugsuban wollten "den brutalen Einsatz übertriebener Gewalt" von sich weisen. Später werfen sie Vizepremier Suthep vor, in illegale Landgeschäfte verwickelt zu sein. Dieser legt sichtlich gereizt nach und kontert, die meisten der bei den Protesten getöteten seien "vorbestraft" gewesen.

Schnell beißt sich die Debatte an den Toten im Wat Prathum Wanaram fest, einem buddhistischen Tempel in der Innenstadt, der als Schutzzone ausgewiesen war. Dorthin waren nach dem Vormarsch der Armee auf das Protestcamp Tausende Demonstranten geflohen, vor allem Frauen und Alte. In der Nacht nach der Niederschlagung der Proteste wurden in der Anlage sechs Menschen erschossen. Ausländische Journalisten vor Ort haben in dieser Zeit Soldaten auf den Gleisen der Hochbahn gesehen, die unmittelbar neben dem Tempel verlaufen. Die Regierung bestreitet das vehement. Der Vorfall wird in Thailand kontrovers diskutiert.

Die Opposition zeigt Fotos von Soldaten, die von den Gleisen aus ihre Waffen auf den Tempel richten. Die Regierung entgegnet, die Aufnahmen seien am Tag nach der Räumung des Protestcamps geschossen worden. Doch sicher scheint sie sich nicht zu sein: "Die Regierung muss ihre Suche nach der Wahrheit fortsetzen", sagt Premier Abhisit. Ein Komitee soll klären, wie es zu den tödlichen Schüssen kommen konnte. Das hat zuletzt auch die Vorsitzende des UN-Menschenrechtsrats gefordert.

Leser-Kommentare
  1. Nennen Sie mir doch bitte einen Grund, warum sich jetzt alle "versöhnen" sollen!
    Würde das etwas an der Tatsache ändern?

    Und merken sie nicht, dass alle Beschuldigungen Vermutungen sind?
    Die Brandsätze nach der Erstürmung des Lagers verliefen schnell und gezielt, aber auch chaotisch. Nur eine genaue Aufklärung würde Erkenntnisse bringen.

  2. Wie schwer wird es sein, aufzuklären was noch im Dunkeln liegt?
    Das ist für mich fast unvorstellbar. Die Kluft zwischen den Kontrahenten ist zu groß, eine Aussöhnung wäre für alle Beteiligten mit einem Gesichtsverlust verbunden. Allein schon aus diesem Grund kann ich das Angebot zur Aussöhnung nur als Verhöhnung betrachten.

  3. 6 Aspekte:

    1. Klar ist, dass die Regierung das Recht auf Leben von Zivilisten verletzte, Todesschusszonen einrichtete, erklärte, dass auf JEDEN geschossen werde, der eine Disatanz unterschreite. Das ist illegal! Sh. Erklärungen von ACHR und AI:
    http://www.achrweb.org/pr...
    http://www.achrweb.org/pr...
    http://www.amnesty.de/201...

    2. Im gesamten Monat Mai wurde kein Soldat getötet wurde. Es waren keine schwerbewaffneten Terroristen.

    3. Bezüglich der Exkekutionen beim Tempel sagen Zeugenaussagen, dass Militär geschossen hat. Fotos zeigen Soldaten auf den Skytrain, von dem die Zeugen sagen, es sei von dort geschossen worden. APA sagt ausdrücklich, sie haben an DIESEM TAG Soldaten in der Gegend gesehen: http://australianetworkne...

    http://jotman.blogspot.co...

    Das Regierungmotto "Die haben sich gegenseitig erschossen" ist lächerlich.

    4. Regierung: "Die meisten Toten waren vorbestraft" zeigt, was Regierung denkt: Arme Bauern sind nichts wert, den Familien will sie mitgeben auf den letzten Weg: Es waren Verbrecher.

    5.Die Regieurng will keine internationale Kommission. Jede internationale Untersuchung würde ihre Schuld beweisen.

    6. Die Regierung kann nicht versöhnen. Sie ist eine Minderheit, die die Mehrheit beherrscht. Sie hat Angst vor dem vergossenen Blut.

  4. Zum Tempel-Massaker möchte ich noch ergänzen, dass auch AFP genau an dem Tag (dem Tattag) Soldaten genau dort sah, wo die zeugen sagen, während die Regierung behauptet, es habe dort gar keine Soldaten gegeben!

    http://www.google.com/hos...

    Auch der australische Jpournalist Tickner sagt, dass vor dem Tempel DURCH MILITÄR ein Mann vor seinen Augen erschossen wurde und danach er und ein Mönch beschossen wurden als sie ihm helfen wollten:
    http://www.theaustralian....

    Außerden empfehle ich dringend diesen westlichen Augenzeugenbericht über direkte Angriffe des MKilitärs auf Zivilisten:
    http://asiapacific.anu.ed...

    Wichtig ist, dass alle regieurngsbehauptungen nur Behapututngen sind, die Aussage, dass die Regieurngstruppen schwereste verbrechen begangen haben, sich aber durch Übereisntimmungen von thaiändischen Zeugen, westlichen Journalisten, die direkt da waren, und Videomaterial ergeben. Man darf daher die Regierungsbehauptungen nicht gleichwertig behandeln.

    Ganz neu ist die Regierung so verzweifelt, dass sie Militär erklären lässt, es kann nicht sein, dass Soldaten geschossen haben, weil sie aus dem Norden stammten und das würden diese nicht tun!

    http://www.bangkokpost.co...

    • Merlyn
    • 04.06.2010 um 9:25 Uhr

    vor allem nicht in diesem Ausmaße fordert man nicht mal eben zum Spaß auf.

    Sollte er es doch so meinen, so hat er mit solch unverantwortlichem Verhalten nichts in der Politik zu suchen.

  5. dass

    1. Die Regierung die Parlamentsdebatte zensiert hat. Die Opposition durften den Großteil der Videobeweise nicht zeigen. Ein Kommittee, in dem die Regierung die Mehrheit hat,schloss die am meisten belastendenBeweise aus.

    2. Das Fernsehen hat die Oppositonsvideos im Gegensatz zu den Regieurngsvideos nicht gezeigt, so dass die Menschen sie nicht sehen konnten. Das kann jeder sheen, der die Debatte anschaut. Es schriebt übrigens selbst ein radikaler Gegner der Rothemden: http://uk.asiancorrespond...

    3. Im Nordosten wurden Teil gar nicht übertrage , angeblich ein Satellitenfehler. Aber die Regierung konnte die Menschen vorher mit Propaganda rund um die Ihr berieseln.

    4. Übrigens: Wenn hohe Richter in Thailand am Telefon Absprachen treffen, politische Parteien zu begünstigen, dann kommen sie nicht vor Gericht. Vor Gericht kommen die, die dokumentieren: http://www.bangkokpost.co...

    Thailand ist keine Demokratie. Eine Junta regiert für die Interessen einer Minderheit gegen die Mehrheit der Menschen. Deshalb werden alle Informationen zensiert.

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