Wahl in Polen Liberaler Reformer oder Euro-Kritiker?

Polen hat gewählt. Als Favorit gilt der pro-europäische Parlamentschef Komorowski. Aber auch der national-konservativen Kaczyński hat Chancen auf das Präsidentenamt.

Gut zwei Monate nach dem Unfalltod von Präsident Lech Kaczyński haben die Polen über seinen Nachfolger abgestimmt. Bei dem Urnengang konkurrierten zehn Kandidaten um die Gunst der Wähler, doch nur Parlamentspräsident Bronisław Komorowski und Lech Kaczyńskis Zwillingsbruder Jarosław können sich ernsthafte Hoffnungen auf einen Wahlsieg machen. Möglicherweise muss in zwei Wochen eine Stichwahl entscheiden, wer künftig an der Spitze des polnischen Staates stehen wird.

In den jüngsten Umfragen wurde dem Liberalen Komorowski ein Stimmenanteil zwischen 41 und 51 Prozent vorausgesagt, der Konservative Kaczyński kann demnach auf 29 bis 35 Prozent der Stimmen hoffen.

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Ein Sieg Komorowskis wäre im Sinne der Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk: Der polnische Staatspräsident hat ein Vetorecht, mit dem Lech Kaczyński eine Vielzahl von Gesetzen der liberalen Regierung blockiert hatte. Dabei stimmte er sich bis zu seinem Tod eng mit seinem Bruder Jarosław ab, der die Opposition im polnischen Parlament anführt. "Politisch gesehen ist das eine sehr wichtige Wahl. Mehr als je kann sie entscheiden: Entweder wir bleiben in einem entsetzlichen Konflikt erstarrt, oder wir können weiter voranschreiten", sagte Tusk bei seiner Stimmabgabe.

Komorowski ist ein enger Verbündeter Tusks. Der 58-Jährige stand als Kandidat bei den vorgezogenen Wahlen schnell fest. Schließlich hatte er Lech Kaczyński auch bei den eigentlich für den Herbst geplanten Präsidentschaftswahlen herausfordern sollen. Seit dem plötzlichen Tod des Präsidenten stand Komorowski als Parlamentspräsident gemäß der polnischen Verfassung bereits als Übergangspräsident an der Spitze des Staates.

Auch Jaroslaw Kaczyński ist politisch erfahren. Er führte von 2006 bis 2007 die polnische Regierung. Seinen Zwillingsbruder Lech hatten die Polen schon 2005 zum Staatspräsidentenen gewählt. Der Chef der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ist heftig umstritten: Mit seinem oft ruppigen Auftreten wird Jaroslaw Kaczyński in seinem eigenen Lager genauso bewundert, wie ihn seine Gegner aus dem liberalen und sozialdemokratischen Lager verabscheuen.

Von einem Wahlkampf war in Polen trotz der gegensätzlichen Kandidaten so gut wie nichts zu spüren. Die Präsidentschaftswahl wird noch immer vom Tod Lech Kaczyńskis überschattet. Der Präsident war am 10. April beim Absturz seines Flugzeuges mit 95 weiteren Mitgliedern der polnischen Staatselite nahe der russischen Stadt Smolensk ums Leben gekommen. Außerdem wurde der Wahlkampf von den verheerenden Überschwemmungen im Mai und Juni geprägt, die auch Warschau nicht verschonten.

Die Wahlbeteiligung war zunächst schwach : Bis zum frühen Nachmittag hatten gerade einmal 23 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Allerdings zeichnete sich kurz vor Schließung der Wahllokale um 20 Uhr dann doch eine höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren ab. Bis 17 Uhr hätten 41,57 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, teilte die Staatliche Wahlkommission in Warschau mit. Bei der Wahl 2005 waren, allerdings bis 16.30 Uhr, nur 35,45 Prozent der Bürger zu den Urnen gegangen.

In den Überschwemmungsgebieten, die in den vergangenen Wochen von zwei Flutwellen verwüstet worden waren, lag die Wahlbeteiligung unter dem Durchschnitt. In der Gemeinde Wilkow im Süden des Landes, wo viele Dörfer immer noch unter Wasser stehen, betrug sie nur knapp 29 Prozent.

Zur Wahl aufgerufen waren rund 30 Millionen Polen. Neben den 26.000 Wahllokalen im Inland richtete Polen auch 263 Lokale im Ausland ein. Damit sollte nicht nur die große polnische Diaspora in London, Dublin und anderen Städten erreicht werden, sondern angesichts der Sommerferien auch die zahlreichen Urlauber etwa in Spanien, der Türkei und Ägypten.

Im ersten Wahlgang wird eine absolute Mehrheit benötigt. Erreicht kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen, ist die Stichwahl für den 4. Juli angesetzt.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finde es für einen Unfug und tiefe Ignoranz den pseudoliberalen Polensbremser und indolenten Vasallen fremder Interessen zu fovoriesieren.

  2. keine Ahnung hab ich, ob es irgend einen Ausschlag geben wird, wer in Polen gewählt wird. Ob Kultur oder Wirtschaft irgend eines Landes davon beeinflußt werden, ob die Ölpest im Golf von Amerika davon beeinflußt werden könnte oder mehr Poleninstitute in Deutschland gefördert würden, das alles ist mir unbekannt. Mir sind nur die polnischen Erntehelfer auf den Spargel- und Erdbeerfeldern in Deutschland augenscheinig geworden, aber auch die ungarischen oder rumänischen.

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    "keine Ahnung hab ich, ob es irgend einen Ausschlag geben wird, wer in Polen gewählt wird"

    Schade!

    "keine Ahnung hab ich, ob es irgend einen Ausschlag geben wird, wer in Polen gewählt wird"

    Schade!

  3. @1
    Der Titel ist berechtigt, das Interesse Polens liegt in einem geeinigten Europa und schwierigen Reformen. PIS hatte die Möglichkeit als der eine Bruder Premier und der andere Präsident war. Haben sie Lösung für die großen Probleme des Landes gefunden?
    Nein, im Gegenteil sie haben die EU beschimpft und mit breiter Hand die massiven Subventionen verteilt. Sie wettern gegen das organisierte Netzwerk von Banken und dem Ausland und schaffen es nicht, das staatlich kontrollierte Gesundheitsnetzwerk sinnvoll und finanzierbar zu organisieren.
    Das ist lächerlich, aber diesmal wird die Geschichte einen anderen Lauf einnehmen.
    Die linke politische Szene wird die Bürgerplattform unterstützen und nicht die rechten Konservativen.

  4. Dann schreiben Sie halt nichts, wenn Sie keine Ahnung haben.

  5. 5. schade

    "keine Ahnung hab ich, ob es irgend einen Ausschlag geben wird, wer in Polen gewählt wird"

    Schade!

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