Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sucht im Streit um die Aufnahme direkter Friedensgespräche mit den Palästinensern die Unterstützung Ägyptens. Netanjahu will nach israelischen Medienberichten bei einem Besuch in Kairo Staatschef Husni Mubarak davon überzeugen, Druck auf die Palästinenserführung auszuüben. Mubarak wird im Laufe des Tages auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sowie dem US-Nahostgesandten George Mitchell sprechen.

Abbas hatte nach einem Gespräch mit Mitchell die Aufnahme direkter Friedensgespräche mit Israel abgelehnt. Abbas fordert vor dem Beginn direkter Gespräche verbindliche Zusagen über den Inhalt und den Zeitrahmen. Die Palästinenser befürchten, dass die von rechtsgerichteten und siedlerfreundlichen Parteien dominierte Regierung in Israel sonst Friedensverhandlungen endlos hinauszögert. Derzeit verhandeln Israel und die Palästinenser nicht direkt miteinander. Mitchell pendelt als Vermittler zwischen Jerusalem und Ramallah und überbringt dabei Vorschläge und Antworten. Die Frist für diese indirekten Gespräche läuft im September aus.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ist derzeit auch auf einem dreitägigen Nahost-Besuch. Sie plädierte bei einem Kurzbesuch in Gaza für eine weitergehende Lockerung der Blockade des Gazastreifens. Alle Grenzübergänge sollten geöffnet werden, damit sich die wirtschaftliche Lage verbessern könne, sagte Ashton. Israel hatte die Blockade vor drei Wochen nach Druck durch die internationale Gemeinschaft gelockert. Nahrungsmittel und Medikamente können die Grenze passieren, Bau- und Rohstoffe für die Privatwirtschaft jedoch nicht.

Ashton will sich während ihres Besuchs für direkte Verhandlungen zwischen Palästina und Israel einsetzen. Nach Zeitungsberichten will sich Ashton vorort auch die Gaza-Pläne des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman erklären lassen. Lieberman hatte mit Plänen für Aufsehen gesorgt , die Verantwortung Israels für den Gazastreifen an die radikal-islamische Hamas abzutreten. Inzwischen eckte der Außenminister mit seinen Gedankenspielen zu Gaza auch beim Ministerpräsidenten Netanjahu an. Dieser habe nichts von den Plänen gewusst und billige sie auch nicht, berichteten israelische Medien. Liebermans Alleingang hätte die Beziehungen zu Ägypten belastet.

Israel und die US-Regierung wollen die Palästinenser davon überzeugen, bis Ende August erstmals an einem Verhandlungstisch mit Netanjahu von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Ein Grund dafür ist auch, dass am 26. September ein befristeter Baustopp Israels im Westjordanland ausläuft. Netanjahu ist nach Medienberichten aber nur zu Gesten des guten Willens bereit, wenn die Palästinenserführung direkten Friedensgesprächen zustimmt.