AfghanistanKarsai und USA gehen auf Taliban zu

Versöhnungsgeste aus Washington und Kabul: Einem Bericht zufolge drängen die USA und Afghanistan die UN, einige hochrangige Taliban von einer Terrorliste zu streichen. von dpa , AFP und Reuters

Frieden mit den Taliban als Ziel: der afghanische Präsident Karsai auf einer Stammesversammlung (Archivbild)

Frieden mit den Taliban als Ziel: der afghanische Präsident Karsai auf einer Stammesversammlung (Archivbild)  |  © Massoud Hossaini/AFP/Getty Images

Die USA und Afghanistan arbeiten laut einem Zeitungsbericht gemeinsam daran, einige Anführer der Taliban von der Terrorliste der UN nehmen zu lassen. Damit wolle der afghanische Präsident Hamid Karsai die Versöhnung mit den islamistischen Rebellen vorantreiben, zitierte die Washington Post einen hochrangigen Vertreter der Kabuler Regierung.

Karsai komme damit einer Forderung eines traditionellen Stammestreffens, der sogenannten Friedensdschirga nach. Seine Maßnahme sei Teil des Bemühens, die Führung der Taliban in Verhandlungen einzubinden und gegebenenfalls auch irgendwann an einer Regierung zu beteiligen , hieß es in dem Bericht. Bei den betroffenen 30 bis 50 Rebellenführern handele es sich um solche, die weder zur Organisation al-Qaida gehörten noch Terroristen seien, die gegen die internationalen Truppen und die afghanische Armee kämpfen.

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Die USA unterstützten Karsai bei seinen Bemühungen, schreibt die Zeitung. Der Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, sei vergangene Woche nach New York gereist, um UN-Vertretern von dem Vorhaben zu überzeugen. Die UN fordern dem Bericht zufolge allerdings noch mehr Beweise, dass die Betroffenen der Gewalt tatsächlich abgeschworen haben.

Die Organisation teilte mit, sie prüfe die Streichung von zehn mutmaßlichen Taliban- oder al-Qaida-Angehörige von ihrer Terrorliste zu streichen. Die Fälle seien an den Sicherheitsrat weitergeben worden, der über sie entscheide, sagte der UN-Vertreter in Afghanistan, Staffan de Mistura. Die Frist für die Prüfung der Liste sei bis zum 31. Juli verlängert worden. Es sei damit noch immer möglich, Namen hinzuzufügen. Zu den zehn Namen, die bereits an den Sicherheitsrat weitergegeben wurden, wollte sich de Mistura nicht äußern.

Die Liste enthält der Washington Post zufolge 137 Namen zum Teil ehemaliger Taliban-Funktionäre, für die Reisesperren, ein Verbot zum Waffenkauf und auch finanzielle Beschränkungen gelten. Die USA wollten noch vor der internationalen Afghanistan-Konferenz am 20. Juli in Kabul eine Einigung erreichen. Allerdings sei die Regierung in Washington dagegen, einige der gewalttätigsten Taliban wie etwa den obersten Rebellenführer Mullah Mohammed Omar von der schwarzen Liste zu nehmen.

Der UN-Sicherheitsrat hatte 1999 Sanktionen gegen die damals in Afghanistan regierenden Islamisten ausgesprochen, weil sie sich weigerten, den al-Qaida-Terroristen Osama bin Laden den US-Behörden zu übergeben. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde die Liste um Mitglieder und Unterstützer von al-Qaida erweitert.

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Leserkommentare
  1. ...und es wird mehr werden.

    Schließlich wird das Problem so gelöst...
    ...nicht dadurch das den Taliban unser Wille aufgezwungen wird, wie mancher fordert.

  2. Zitat Zeit:"Bei den betroffenen 30 bis 50 Rebellenführern handele es sich um solche, die weder zur Organisation al-Qaida gehörten noch Terroristen seien, die gegen die internationalen Truppen und die afghanische Armee kämpfen."

    Wenn diese guten Taliban gegen niemanden kämpfen, warum sind sie dann Rebellenführer und stehen auf den UN-Listen? Oder kämpfen sie doch, aber gegen aktuelle gemeinsame Feinde, z.B. gegen ungenehme Wardlords?
    Bitte im nächsten Bericht etwas genauer darauf eingehen.

    Bis vor kurzem wurden alle Taliban in den westlichen Medien noch als Terroristen dargestellt (sonst hätte man Afghanistan nicht überfallen brauchen), jetzt sind einige schon zu Rebellen geworden und bald werden sie Freiheitskämpfer genannt. Seltsames Feindbild...

  3. Bei diesem RAUS / REIN Spiel sind nur läppische 9 Jahre vergangen , zehntausende Menschen massakriert worden , hundertausende vertrieben und dem Hungertod nahe , das Land in Schutt und Asche gelegt , hunderte von Mrd. $ verpulvert und die versprochene'Demokratie'ist in weite Ferne gerückt .
    Westliche Imperialpolitik hat Mal besser funktioniert...

  4. schon immer im Sold der USA standen, als es noch gegen die Russen ging. Jedenfalls ein Grund mehr, unsere Soldaten sofort abzuziehen und alle Zahlungen einzustellen, füllen die doch sowieso nur die Taschen korrupter Leute im Hofstaat Karsais.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...gebe ich Ihnen einmal recht, aber es ist ja wunderbar, dass jeder seine Meinung äußern darf :-).

    Nicht nur, dass dieser Einsatz der Bundeswehr und somit das Weisbuch der Bundeswwehr 2006, welches Merkel/Struck aufgenommen haben und Herr Köhler lediglich zitiert hat, dem Grundgesetz widerspricht.
    Dieser Einsatz widerspricht auch der UN-Resolution 3021.

    http://www.un.org/depts/g...

    Illegaler geht's wohl kaum noch.

    • Chevi
    • 13. Juli 2010 1:33 Uhr

    Die usa haben keine andere wahl die nato kraefte haben einfach zu viele verluste und das ist auch gut so die taliban verteidigen nur ihr besetztes land mehr nicht afganistan hat boden schaetze im werte von mind 1trilionen us dolar und durch das gebiet sollen spaeter öl und gas pipe liens gelaegt werden deswegen das theater wir bringen euch demokratie von wegen respeckt für die taliban meiner seitz ich würde das selbe machen wen die jankes versuhen gegen meinen willen mein land zu besetzen genauso wie die palastinenser oder die hamas in palestina sich gegen die besetzung seitens des auss erwaehlten volkes hehehe waehren ganz einfach.

  5. In Afghanistan wurde nach 11/9 einmarschiert, weil die Taliban das Terrornetzwerk Al Kaida beherbergte und Osama bin Ladin nicht ausgeliefert wurde und nicht, um Menschenrechte durchzusetzen oder die Frauen in einem islamischen Land zu befreien.
    (Wegen der Verletzung von Menschenrechte oder der Unterdrückung der Frauen müßte sonst in zahlreiche, islamisch geprägte Länder einmarschiert werden)

    Die Taliban haben nun den USA und Anderen über verschiedene Kanäle signalisiert, daß sie nach einer erneuten Machtübernahme die Anwesenheit von Terroristen im Lande nicht dulden würden.
    Der offizielle Kriegsgrund wäre damit entfallen.
    Es werden jedoch – nach wie vor - auch wirtschaftliche Interessen berührt; denn Afghanistan verfügt über reichhaltige Rohstoffvorkommen.
    Die USA wissen, daß der Krieg nicht zu gewinnen ist.
    Der Krieg soll nun vor einer Verhandlungslösung von Petraeus nochmals intensiviert werden, um durch eine militärische Schwächung der Taliban die Verhandlungsposition der USA zu verbessern.
    Im islamisch geprägten Afghanistan wird niemals eine Demokratie nach westlichem Muster errichtet werden können, das war auch nicht das Kriegsziel sondern - nach offizieller Lesart - die Ausschaltung von Terroristen .

    • hannam
    • 13. Juli 2010 9:14 Uhr

    Niederlagen als Erfolg verkaufen, Kriegseinsätze als Aufbauhilfe, sogenannte Demokratie als alternativlos....wieviele Schreiberlinge gehen diesen Verbrechern noch zur Hand?
    Lesen Sie, was in Afghanistan los ist
    http://www.spiegelfechter...
    und zürnen Sie endlich über diese verbrecherischen Machenschaften des Westens in Afghanistan.

  6. Ob die Stämme sich wirklich dadurch spalten lassen? Oder wird Varus eine Niederlage erleiden. Die seher werden es vieleicht wissen, die Götter bestimmt.

    Manchmal hilft einem die römische Geschichte einen anderen Blickwinkel auf die Dinge zu bekommen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Afghanistan | USA | Hamid Karsai | Taliban | UN | Osama bin Laden
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