Iran Wie ein Atomexperte verschwand – und wiederkehrte

Entführt? Geflüchtet? Ein Doppelagent? Das Rätsel um Atomphysiker Shahram Amiri bleibt ungelöst. Am Mittwochmorgen wurde er in Teheran empfangen.

Großer Bahnhof für Shahram Amiri. Sogar Vize-Außenminister Hassan Qashqavi war im Morgengrauen zum Teheraner Flughafen geeilt, um den verlorenen Sohn nach seiner Rückkehr aus den USA wieder in die Arme der Islamischen Republik zu schließen. Das Staatsfernsehen zeigte den strahlenden Atomphysiker, wie er mit Victory-Zeichen eine Rolltreppe herunterfuhr. Beim Wiedersehen mit Eltern, Frau und siebenjährigem Sohn flossen Tränen. Der kleine Amir Hossein saß dann auch auf dem Schoß des Heimkehrers hinter einem Wall von Mikrofonen, als der 32-Jährige in der Airport-Lounge noch einmal seine Version der Odyssee darstellte, die ihn um den halben Globus geführt hat.

Denn die Fragezeichen hinter dem mysteriösen Verschwinden des Atomforschers zwischen Juni 2009 in Saudi-Arabien und seiner abendlichen Taxifahrt vor die Tür der pakistanischen Botschaft in Washington D.C. am letzten Montag werden immer größer. War der Wissenschaftler bereits vor seiner Pilgerreise nach Saudi-Arabien als Spion für die USA tätig, hat sich dann als Überläufer abgesetzt und nach monatelanger intensiver Kooperation mit der CIA wegen seiner Familie kalte Füße bekommen, wie es amerikanische Medien behaupten. Oder wurde er aus heiterem Himmel in Medina in ein Auto gezerrt, mit einer Spritze betäubt und wachte dann in einer riesigen Militärmaschine auf dem Weg in die Vereinigten Staaten wieder auf, wie Amiri aussagt.

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Oder war er gar ein gezielt platzierter Doppelagent, mit dem Teheran mehr herausfinden wollte über das seit 2005 existierende CIA-Programm "Brain Drain". Aufgeschreckt hatte die iranische Führung vor allem der Fall des ehemaligen iranischen Verteidigungsministers Ali-Reza Asgari. Der General der Revolutionären Garden wechselte vor drei Jahren während einer Türkeireise die Seiten, gilt inzwischen in Geheimdienstkreisen als "Goldgrube" und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht.

"Herr Amiri ist hier aus eigenem Willen und er kann gehen, wohin er will", rief US-Außenministerin Hillary Clinton ihm noch hinter und gab damit erstmals offiziell zu, dass sich der Iraner länger auf amerikanischem Territorium aufgehalten hatte. Die Washington Post berichtete, Amiri habe für seine Dienste insgesamt fünf Millionen Dollar erhalten. Der Atomforscher sei nicht verpflichtet, das Geld zurückzugeben, erklärte ein Regierungsbeamter, aber er komme an das Vermögen auch nicht mehr heran, nachdem er die Kooperation mit der CIA abgebrochen habe. "Wir haben seine Informationen, und die Iraner haben ihn", fügte der Mann nach Angaben der Zeitung hinzu.

"Ich war härtester seelischer und körperlicher Folter ausgesetzt", klagte dagegen Amiri nach seiner Rückkehr. CIA-Agenten hätten ihm 50 Millionen Dollar geboten, damit er überlaufe und Propaganda gegen seine Heimat mache. Er aber habe das Geld zurückgewiesen und keinerlei Geheimnisse verraten. "Ich bin nur ein einfacher Forscher. Ich habe keinen Zugang zu sensiblen Orten und bin nicht im Besitz geheimer Informationen", spielte er seine Rolle herunter.

Einzig Irans Außenminister Manouchehr Mottaki mochte in den morgendlichen Teheraner Jubel nicht so recht einstimmen. "Die Einzelheiten seiner Entführung wird eine Untersuchung klären", sagte er. Amiri wird uns erzählen "was in den letzten beiden Jahren passiert ist – und dann wir werden sehen, ob er als Held zu betrachten ist".

Ein Beitrag aus dem Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
    • k2
    • 15.07.2010 um 18:18 Uhr

    "Ich habe keinen Zugang zu sensiblen Orten"(Ein TU-Student zitiert von Martin Gehlen).

    Beurteilen Sie selbst die betreffende TU :

    http://www.mut.ac.ir/

  1. "Die Einzelheiten seiner Entführung wird eine Untersuchung klären", sagte er. Amiri wird uns erzählen "was in den letzten beiden Jahren passiert ist – und dann wir werden sehen, ob er als Held zu betrachten ist".

    Genau so ist es. Der arme Amiri wird wahrscheinlich in den nächsten Stunden vom iranischen Geheimdienst so daran genommen, dass er sich wünschen wird, nie in den Iran zurückgekommen zu sein. Aber wahrscheinlich ist die Freude über die Rettung seiner Familie so groß, dass alles andere ihm egal ist. Der arme Kerl!!

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    dass er über Druck auf seine Familie vom Iran gezwungen wurde zurückzukommen. Man darf gespannt sein, was sich da noch alles herausstellen wird.

    dass er über Druck auf seine Familie vom Iran gezwungen wurde zurückzukommen. Man darf gespannt sein, was sich da noch alles herausstellen wird.

  2. Ich bin sowas von neugierig auf deren Fortsetzung...;-)...bis jetzt glaub ich keinem auch nur ein Wort.
    http://www.tagesschau.de/...
    http://english.aljazeera....
    http://www.bbc.co.uk/news...
    http://www.bbc.co.uk/news... east-10645944

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  3. Spätestens seit der berühmten PPT Präsentation von C. Powell vor der UN , weiss man was man von dem Loser - Verein, CIA zu halten hat.

  4. Jedenfalls ist der Herr jetzt für den Iran als Wissenschaftler unbrauchbar geworden, selbst wenn er nur ein paar Monate in Miami am Strand gelegen hätte. Vielleicht war dies der Sinn der Sache.

  5. Wer will gegen wen Krieg führen?

  6. Haben die Saudis ein großes Problem, ein sehr großes.

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    • mik28
    • 16.07.2010 um 12:44 Uhr

    das verstehe ich nicht?

    Beispielsweise hatte Israel ein bisschen Unannehmlichkeiten als es ein Mordkommando nach Dubai geschickt hat, die Weltöffentlichkeit empörte sich nicht über den Mordauftrag selbst, sondern eher darüber, dass man dafür ausländische Pässe verwendet hat.

    Meinen Sie, die Weltöffentlichkeit und daraus resultierend die internationale Diplomatie wird sich für einen entführten Shahram Amiri so sehr interessieren?

    • mik28
    • 16.07.2010 um 12:44 Uhr

    das verstehe ich nicht?

    Beispielsweise hatte Israel ein bisschen Unannehmlichkeiten als es ein Mordkommando nach Dubai geschickt hat, die Weltöffentlichkeit empörte sich nicht über den Mordauftrag selbst, sondern eher darüber, dass man dafür ausländische Pässe verwendet hat.

    Meinen Sie, die Weltöffentlichkeit und daraus resultierend die internationale Diplomatie wird sich für einen entführten Shahram Amiri so sehr interessieren?

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