Afghanistankrieg : Wikileaks enthüllt knapp 92.000 geheime Kriegsdokumente

Die Plattform veröffentlicht Papiere, die zeigen, wie schlecht die Sicherheitslage im Afghanistan-Krieg ist. Laut Verteidigungsministerium sind die Erkenntnisse nicht neu.
Die Sicherheitslage in Afghanistan soll immer prekärer werden © Manpreet Romana/AFP/Getty Images

Fast 92.000 geheime amerikanische Militärdokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie offenbaren das Wiedererstarken der radikalislamischen Taliban im Krieg gegen die Isaf-Schutztruppe und zeigen, dass die Sicherheitslage prekär ist und sich auch im Norden des Landes, wo deutsche Soldaten im Einsatz sind, verschlechtere. Die Unterlagen waren zunächst der Internetplattform Wikileaks zugespielt worden. Rund 15.000 halte man noch zurück, schreiben die Betreiber. Diese Dokumente könnten erst veröffentlicht werden, wenn es die Sicherheitslage zulasse. Die Plattform sammelt geheime offizielle Dokumente aus anonymen Quellen, um Missstände öffentlich zu machen. Die Papiere belegen auch die Existenz einer US-Elitetruppe zur Liquidierung von Taliban-Anführern.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel sowie die Zeitungen New York Times und Guardian aus London hatten die Dokumente von Wikileaks vorab erhalten und analysierten jeweils für sich die gewaltige Datenmenge der amerikanischen Streitkräfte. Sie glichen nach eigenen Angaben die Informationen mit den offiziellen Darstellungen der Lage in Afghanistan ab. Die Blätter veröffentlichten ihre Berichte am Sonntagabend zeitgleich im Internet. Die Dokumente umfassen die Jahre von 2004 bis 2009.

Der nationale Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, James Jones, zeigte sich empört. "Die USA verurteilen aufs Schärfste die Veröffentlichung von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen, durch die das Leben von Amerikanern und deren Verbündeten gefährdet und die nationale Sicherheit bedroht wird."

Der Spiegel teilte mit, die Unterlagen zeigten den Krieg aus der unmittelbaren Sicht der amerikanischen Soldaten. Es geht beispielsweise um Einsätze der Task Force 373, einer US-Eliteeinheit. Sie sei darauf spezialisiert, Top-Taliban gezielt auszuschalten. Bei solchen Operationen gebe es zahlreiche zivile Opfer, auch Kinder. Auftraggeber der Kommandos für die Task Force 373 sei direkt das amerikanische Verteidigungsministerium

Der Gründer der auf Enthüllungsgeschichten spezialisierten Internetseite WikiLeaks, Julian Assange , hat die Veröffentlichung zehntausender teils geheimer US-Dokumente zum Afghanistan-Krieg verteidigt.

Er sagte: "Das Material wirft ein Schlaglicht auf die alltägliche Brutalität und das Elend des Krieges. Es wird die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem und diplomatischem Einfluss." In der Fülle stelle das Material alles in den Schatten, was über den Krieg in Afghanistan gesagt worden sei. "Diese Daten sind die umfassendste Beschreibung eines Krieges, die es jemals während eines laufenden bewaffneten Konflikts gegeben hat." Guter Journalismus sei "von Natur aus" kontrovers, sagte Assange und müsse den Missbrauch der Mächtigen aufdecken. Zugleich begrüßte er die Debatte, die die Veröffentlichung der Dokumente auslöste.

Daniel Schmitt: Motivation zur Arbeit für Wikileaks Daniel Schmitt von Wikileaks über seine Tätigkeit

Assange stellte klar, dass das gesamte Material vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden sei, ob durch Details tatsächlich Soldaten im Afghanistan-Einsatz oder deren Verbündete in Gefahr geraten könnten.

Den Dokumenten nach sei die Lage der deutschen Soldaten im Norden des Landes bedrohlich . Die Zahl der Kampfhandlungen habe ebenso drastisch zugenommen wie die Zahl der Anschläge. Für den Norden Afghanistans gibt es demnach zahlreiche sogenannte Threat Reports , Bedrohungsszenarien und konkrete Warnungen vor bevorstehenden Anschlägen. Auch der Einsatz von Spezialeinheiten der US-Streitkräfte helfe nur bedingt. Rund 300 Soldaten der Task Force 373 seien abgeschirmt auch im deutschen Lager Masar-i-Scharif untergebracht. Aus den Unterlagen lasse sich auch schließen, dass deutsche Truppen unvorbereitet in den Krieg gezogen seien.

Das Bundesverteidigungsministerium bezeichnete die Veröffentlichung der Geheimdokumente als "äußerst bemerkenswerten Vorgang". Dadurch könnte die nationale Sicherheit der USA und der internationalen Truppen beeinträchtigt werden, sagte ein Sprecher. Im Ministerium werde derzeit geprüft, ob auch deutsche Sicherheitsinteressen beeinträchtigt würden.

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Kommentare

119 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Gefährlich ist's den Leu zu wecken,

verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn.

Menschen, die, wie diese religiös-kulturellen Fanatiker, die man 'Taliban' nennt, um ihr selbstbestimmtes Schicksal kämpfen, kann man nur mit einer vielfachen Übermacht von Soldaten, die für ein innerlich von diesen anerkanntes "höheres" gesellschaftlich-zivilisatorisch-kulturelles Ideal einzutreten sich in diesen Krieg gemacht haben, besiegen.

Die heute in Afghanistan von Ländern der 1. Welt dort eingesetzten Krieger, sind in dieser Hinsicht doch wohl eher eine Form von gedungenen Landsknechten, welche die Interessen eines Auftraggebers durchzusetzen versuchen.

Dass deren Ausrüstung faktisch gegen den Erfolg spricht, ist ein faktischer Beweis für die heute schon so fundamentalistische Verantwortungslosigkeit in den hiesigen
Kreisen der "Machtelite", dass man schon fast von der europäisch-amerikanischen Version des Talibanismus sprechen kann.

Deutlicher als diese schriftlichen Belege einer schon immer geahnten hybriden Verantwortungslosigkeit unserer inzwischen besitzstandsfeudalistischen Machthaberkasten diesseits und jenseits des Atlantik, kann sich diese "NATO" gar nicht outen.

Lt. Bibel ist in diesen Situationen die Einsicht: "Siehe sprach der Herr, das Ende ist nahe...." Diese "Eliten" und diese "Leistungsträger" haben abgewirtschaftet und der geistig-moralischen Wende muss deren Ende schnellstens herbeigeführt werden.

Ungeachtet der Notwendigkeit des Kriegs...

Im Wesentlichen muß jedem normalen Menschen bewusst sein das ein Geriliakrieg schmutzig abläuft. Erfahrungen gibt es genug, denken wir an Vietnam. Dokumente über Kriegseinsätze sind und waren immer tendenziös.
Ich halte gar nichts vom Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Die Soldaten sind nun einmal dort. Schlimm ist es das seit Anfang an klar war das unsere Soldaten nicht der Situation gerecht ausgerüstet werden. Allen Regierungen die am Einsatz beteiligt waren war das bekannt. Alle die sich für den Einsatz eingesetzt haben tragen hier eine unverantwortliche Mitschuld.