Libyen erregt mit einer Hilfslieferung für den Gazastreifen Unmut in der israelischen Regierung: Das von Griechenland aus in See gestochene Schiff Amalthea steuerte offenbar trotz israelischer Warnungen den Hafen von Gaza an. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak nannte den erneuten Versuch, die Seeblockade des Küstenstreifens zu durchbrechen, eine "überflüssige Provokation".

Ein Armeesprecher sagte, die Marine sei "auf der Hut" und verfolge die Route des Frachters aufmerksam. Ende Mai hatten israelische Spezialkräfte in internationalen Gewässern eine Gaza-Hilfsflotte gewaltsam gestoppt , neun türkische Staatsbürger starben. Der Angriff war international scharf verurteilt worden.

Verantwortlich für den jetzigen Versuch einer direkten Gaza-Hilfslieferung ist die libysche Stiftung "Gadhafi International Charity and Development Foundation Association". Die Wohltätigkeitsorganisation wird von Seif al-Islam al-Gadhafi geleitet, einem Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gadhafi , und hat die unter moldawischer Flagge fahrende Amalthea gechartert.

Am Samstag noch hatte Israel mitgeteilt, das Ansinnen der Stiftung auf diplomatischem Wege vereitelt zu haben. Demnach hatte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman in den vergangenen Tagen wiederholt mit seinen Kollegen aus Griechenland und Moldau über den Frachter gesprochen. Daraufhin ließ sich die Regierung in Athen von Libyen offenbar zusichern, dass das Schiff der Gaddafi-Stiftung Kurs auf den ägyptischen Hafen El Arisch nimmt.

Der Geschäftsführer der Stiftung, Jussef Sawan, widersprach den israelischen Angaben jedoch. "Das Schiff steuert wie geplant Gaza an", sagte Sawan. Der Frachter hat der Gaddafi-Stiftung zufolge 2000 Tonnen Medikamente und Nahrungsmittel geladen. Insgesamt seien 21 Menschen an Bord, darunter zwölf Besatzungsmitglieder.

Israel isoliert den Gaza-Streifen bereits seit 2006, nachdem der Soldat Gilad Schilat in den Küstenstreifen verschleppt worden war. Ein Jahr später, nach der Machtübernahme der radikalen Palästinenserorganisation Hamas in Gaza, verschärfte die Regierung in Jerusalem die Blockade noch einmal. Aufgrund der weltweiten Kritik an dem blutigen Einsatz gegen die Hilfsflotte Ende Mai hatte Israel seine Isolationspolitik aufgeweicht . Inzwischen ist die Einfuhr von zivilen Gütern nach Gaza auf dem Landweg erlaubt.