Die Beauftragte des Kreml für Menschenrechte und Entwicklung der Zivilgesellschaft ging nach einem Streit mit regierungstreuen Kräften. Die Politikerin Ella Pamfilowa sagte zwar, dass sie aus freien Stücken abtrete. Niemand habe sie zum Rücktritt gedrängt, erläuterte Pamfilowa, die unter dem früheren Präsidenten Boris Jelzin ein Ministeramt innehatte. Die 56-Jährige hatte aber wiederholt Anhänger der Partei Geeintes Russland von Regierungschef Wladimir Putin kritisiert.

Pamfilowas Rücktritt kommt zudem einen Tag nach Inkrafttreten des umstrittenen Gesetzes zur Ausweitung der Macht des Inlandsgeheimdienstes FSB. Medwedjew hatte es am Donnerstag unterzeichnet. Damit darf der KGB-Nachfolger nun beim bloßen Verdacht auf ein mögliches Verbrechen offiziell Verwarnungen aussprechen. Pamfilowa hatte den Präsidenten im Juni aufgefordert, die Rechte des FSB nicht zu erweitern.

Menschenrechtsorganisationen sehen in dem Gesetz einen Rückfall in die Zeit der Sowjetunion. Sie hatten gehofft, dass sich unter Medwedjew als Staatschef die Lage der Menschenrechte in Russland verbessere, sind aber vom fehlenden Fortschritt enttäuscht.

Pamfilowa war seit 2002 Vorsitzende des von Kremlchef Dmitrij Medwedjew gegründeten Ratsgremiums für Menschenrechte und Entwicklung der Zivilgesellschaft. Ihr Rücktritt gilt als schwerer Schlag für die von Medwedjew auch dem Westen immer wieder versprochene Stärkung der Menschenrechte und Zivilgesellschaft.

Zuletzt hatte sie eine Aktion der Putin-treuen Jugendorganisation Naschi in einem Sommerlager am Seligersee kritisiert. Die Jugendlichen hatten Bilder mit den Köpfen von Menschenrechtlern und Regierungskritikern symbolisch auf Pfähle gespießt und diese Kräfte als Verräter Russlands kritisiert.

Pamfilowa sagte, sie habe Angst, dass "solche Leute an die Macht kommen". Bei Aktionen der sogenannten Putin-Jugend seien auch schon Bücher verbrannt worden.